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Sie ist märchenhaft unterwegs

Von Im Brüder-Grimm-Jahr macht sich die Bergener Märchenerzählerin Gudrun Rathke auf eine weite Reise. Bis nach Fulda will sie wandern und dabei bekannte und unbekannte Märchen und Geschichten in die Welt tragen.
Zusammen mit ihrer Kiepe wandert Gudrun Rathke von Bergen-Enkheim bis nach Fulda. Schwere Märchenbücher muss die Erzählerin allerdings nicht tragen. Die Geschichten hat sie allesamt im Kopf. 	Foto: Rainer Rüffer Zusammen mit ihrer Kiepe wandert Gudrun Rathke von Bergen-Enkheim bis nach Fulda. Schwere Märchenbücher muss die Erzählerin allerdings nicht tragen. Die Geschichten hat sie allesamt im Kopf. Foto: Rainer Rüffer
Bergen-Enkheim. 

Acht Kilo wiegt die Kiepe, die Gudrun Rathke heute schultern möchte. Die Generalprobe verlief ohne Probleme, sechs Kilometer hat sie mit dem großen Korb auf dem Rücken zurückgelegt. Etwas härter wird es in den kommenden zwei Wochen sicherlich werden. 130 Kilometer möchte die Märchenerzählerin mit der „Buckelkraxen“, wie die Kiepe in ihrem Heimatland Österreich heißt, zurücklegen. So weit ist es von Bergen-Enkheim bis nach Fulda. Zu Fuß.

Wunsch zu laufen

Entstanden ist die Idee bei einem der täglichen Spaziergänge mit Schäferhund Pollux, der sie auf der Wanderung begleiten wird. „Ich habe immer wieder den Wunsch verspürt, weiter zu laufen“, sagt die 48-Jährige, die in Kärnten geboren und vor acht Jahren nach Bergen gezogen ist. Das sei allerdings nicht einfach so möglich, schließlich gebe es neben ihrem Beruf als Erzählerin auch noch ihre Familie. Ihren Mann und die zwei Töchter.

So sei aus dem „einfach Loslaufen“ mit den zwei Wochen ein fester Zeitrahmen entstanden. Das sie es wirklich tut, hat sie ihren Töchtern zu verdanken. „Die haben gesagt: Mama, mach es!“ Die 17-jährige Hannah wird ein Stück mitwandern, auf der Etappe von Gelnhausen nach Bad Soden-Salmünster.

Bevor Gudrun Rathke sich auf ihre große Wanderung macht, wird sich heute ab 13 Uhr bei einer heißen Suppe vor der Berger Bücher-Stube gestärkt. Während das Essen auf dem Feuer köchelt, verwöhnt die Märchenerzählerin die Ohren ihrer rund 80 Zuhörer mit den ersten Geschichten. Gemeinsam wird die Suppe anschließend ausgelöffelt. Dann schultert Rathke ihre Kiepe und macht sich auf den märchenhaften Weg nach Fulda.

Zunächst folgt die Erzählerin der Hohen Straße, dann geht es nach Hanau und von dort dem Brüder-Grimm-Weg folgend über die Grimmelshausenstadt Gelnhausen, Bad Soden-Salmünster nach Steinau an der Straße über Schlüchtern bis nach Fulda. Vor Ort erzählt sie ihre Geschichten, beinahe jeden Tag hat sie eine Veranstaltung. Aber auch für Menschen, die ihr unterwegs begegnen, stellt sie gerne ihre Kiepe ab und beginnt zu erzählen. Übernachtet wird bei Freunden oder Veranstaltern. „Ansonsten habe ich mir ein Zimmer genommen. Schließlich muss ich ausgeschlafen sein“, betont Rathke, dass ihre Wanderung nichts mit einem Survival-Training in der Natur zu tun habe.

Geschichten von Oma

Gudrun Rathke geht es darum, Geschichten, die sie teilweise bereits von ihrer Großmutter erzählt bekam, an ihre Zuhörer weiterzugeben. Dabei wünscht sie sich, dass ihre Worte und die Geschichte im Kopf des Zuhörers zu Bildern werden. „Jeder hat einen anderen Film im Kopf. Es ist aber die gleiche Geschichte, die uns in diesem Moment miteinander verbindet“, sagt Rathke mit ihrer warmen Stimme.

Ihre Geschichten und Märchen hat Rathke immer dabei. In ihrem Kopf. Das freie Erzählen sei es, was ihren Beruf so spannend mache. Nicht vorhersehbare Dinge wie Kirchengeläut oder herunterfallende Gegenstände ließen sich so spontan in die Geschichte einbauen. So habe in einem ihrer Märchen einmal ein Handy geklingelt. „Nicht immer klappt es. Wenn, hat man die Lacher allerdings auf seiner Seite.“

Eine Lieblingsgeschichte oder -märchen hat Gudrun Rathke nicht. Sie mag jede ihrer 200 Geschichten und Märchen. Welche sie erzählt sei oft abhängig von der Umgebung und ihren Zuhörern. Und davon, wie es ihr gerade geht. Die Geschichte über die Nagelsuppe, die sie heute vor der Bücher-Stube kredenzt, ist für sie ein Schelmenstück, was auch ihr nicht ganz fremd ist. „Man sollte den Mut haben, sich dem Leben auf eine verrücktere Art zu stellen“, sagt Rathke. Das tut sie beispielhaft mit ihrer großen, märchenhaften Wanderung. Die ist vielleicht nicht verrückt, aber sicherlich auch nicht alltäglich. „Ich wüsste nicht, dass es so etwas schon einmal gab“, sagt Rathke.

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