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Sie schlichten, wenn‘s Streit gibt

Wenn zwei sich streiten, sind sie zur Stelle: Sara, Alisha, Hossey und Franziska sind ausgebildete Mediatoren an der Johann-Hinrich-Wichern-Schule. Ein Job mit Verantwortung - und für Nervenstarke.
Kernfragen für das professionelle Streitschlichten stehen an der Tafel in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule. Die Teilnehmerinnen schauen hin und hören zu. Foto: Christian Christes Kernfragen für das professionelle Streitschlichten stehen an der Tafel in der Johann-Hinrich-Wichern-Schule. Die Teilnehmerinnen schauen hin und hören zu. Foto: Christian Christes
Eschersheim. 

Wenn die Worte fehlen, hilft der Würfel. Er ist etwas verbeult, eine Ecke eingeknickt; aber die Bilder auf ihm zeigen genau, wie man sich so fühlt nach einem Streit: Wütend. Unsicher. Traurig. Sara (14), Alisha (14), Hossey (15) und Franziska (14) benutzen ihn oft, wenn sie im Einsatz sind: Damit können ihre Schützlinge besser beschreiben, was sie empfinden. Die vier Mädchen sind Streitschlichter für die unteren Klassen an der Johann-Hinrich-Wichern-Schule. Vor kurzem haben sie ihre Ausbildung dazu abgeschlossen. Jetzt schlendern sie regelmäßig über die Pausenhöfe und halten die Augen auf – nach kleinen Streitereien, in denen sie vermitteln können.

"Wir hören zu"

Elke Mai-Schröder, in der Schule zuständig für das Mediatorenprogramm, ist zufrieden mit ihnen. Sie trägt die blonden Haare kurz, um den Hals eine Perlenkette, und zeigt mit einer ausholenden Handbewegung den Raum, in dem die Streitschlichter ihre Vermittlungsgespräche führen: Blaue Stühle stehen im Kreis, an die Wand geschmiegt steht ein buntes Sofa, die Pinnwände sind behängt mit den wichtigsten Regeln: "Wir hören zu", steht dort, und: "Keiner hat Schuld."

"Unsere Lehrer werden seit vielen Jahren zu Mediatoren ausgebildet. Das Programm für Schüler-Streitschlichter läuft hingegen erst im dritten Durchlauf, hat sich aber schon bewährt – es ist ruhiger in den Pausen", berichtet Mai-Schröder. "Wir haben uns entschieden, Siebtklässlern die Möglichkeit zu geben, den einjährigen Kurs zu machen. So können sie bis zur neunten Klasse die Grundschüler betreuen." Die Streitigkeiten zwischen den jüngeren Kindern könnten sie gut bewältigen; eine Konfrontation mit Gleichaltrigen würde sie jedoch überfordern. "Konflikte zwischen älteren Schülern übernehmen die Lehrer."

Die Ausbildung hat Mai-Schröder in einem Wahlpflichtfach angeboten. Hier lernten Sara, Alisha, Hossey und Franziska die Grundlagen der Streitvermittlung: Beide Parteien begrüßen, die Gesprächsregeln erklären, fragen, was los war und wie sich die Streithähne gefühlt haben. Zum Schluss wird gemeinsam an einer Lösung gearbeitet, die für alle akzeptabel ist. Zusätzlich besuchen die Streitschlichter den "Soziales-Lernen"-Unterricht der unteren Klassen, um die Jüngeren kennenzulernen. "Meistens interessieren sich Mädchen für die Ausbildung, die schon eine gewisse soziale Kompetenz mitbringen und helfen wollen", hat Mai-Schröder beobachtet. Für den letzten Durchgang hatten sich zwei Jungen gemeldet, die aber bald wieder abgesprungen waren.

Treffen mit Ausbilderin

Sara, Alisha, Hossey und Franziska hielten bis zur Abschlussprüfung durch. Nun tragen sie blau-weiße T-Shirts, Streitschlichter-Ausweise und treffen sich alle sechs Wochen mit ihrer Ausbilderin, um Probleme zu besprechen und sich auf dem Laufenden zu halten. So wie heute. Die vier Mädchen haben auf den blauen Stühlen Platz genommen, kichern, schwatzen. Vier unterschiedliche Charaktere. Sara scheint sehr vernünftig, Franziska eher zurückhaltend zu sein; Alisha wirkt impulsiv, ihre Freundin Hossey lacht gern und oft.

"Wir schlichten meist bei Kleinigkeiten", sagt Sara und spielt mit einer Strähne. "Die Kleinen beleidigen sich ziemlich oft oder nehmen sich gegenseitig etwas weg." Warum sie Streitschlichter geworden sind? Simultanes Schweigen. Dann sagt Alisha: "Wir haben viele Wahlpflichtfächer ausprobiert und sind hier hängen geblieben. Das ist eine wichtige Aufgabe." Und Franziska ergänzt: "Wir helfen eben gern." Bisher konnten sie jeden Konflikt lösen. Auch wenn das Amt nicht ganz ohne Frustrationen zu bewältigen ist: "Manchmal können die Grundschüler schon nerven", sagen sie unisono.

Zum laufenden Schuljahr bildet Elke Mai-Schröder wieder eine neue Gruppe aus. Die Namen stehen im Mediationsraum schon an der Tafel, daneben ein Gesprächsleitfaden. Auch der Gefühlswürfel liegt bereit. Wenn die Worte fehlen sollten.

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