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Skate-Anlage am Nieder-Erlenbacher Ortsrand: Skaten und großer Bruder sein

Von Die sanierte Skate-Anlage am Nieder-Erlenbacher Ortsrand ist ein beliebter Treffpunkt, bei dem es nicht nur um fliegende Boards geht. Johannes Wicht ist dort Betreuer, Workshop-Leiter und manchmal auch großer Bruder. Beim Skaten hat er vor 15 Jahren zudem seine Frau Christina kennengelernt.
77 000 Euro wurden investiert, damit die Jugendlichen auf der Skate-Anlage in Nieder-Erlenbach wieder Spaß haben können. Foto: Holger Menzel 77 000 Euro wurden investiert, damit die Jugendlichen auf der Skate-Anlage in Nieder-Erlenbach wieder Spaß haben können.
Nieder-Erlenbach. 

Schon am Vormittag hört man auf der Anlage unweit des Aldi-Marktes das typische Rattergeräusch, wenn die Skateboards über den Asphalt kratzen. Kinder eines Sommerworkshop des Bad Vilbeler Freizeitzentrums Efzet rollen sich auf der Piste warm. „Das macht Spaß, da kann man sich frei fühlen und Tricks lernen“, findet Soraya (10), das einzige Mädchen unter den Jungs. Lars (13) hat das Skaten vor zwei Jahren bei einem Freund kennengelernt und sich gleich ein Board zu Weihnachten gewünscht. Ihn fasziniert „das Tricksen“.

Den „Ollie“ kennen die meisten schon: da steht man quer auf dem Brett, versucht, es durch Hüpfer zum Kippen und Drehen zu bringen. Den Trick hat Kursleiter Johannes Wicht (32) natürlich längst drauf. Er ist vor vier Jahren nach Nieder-Erlenbach gezogen, wo er sich sehr wohl fühle, erzählt er. Damals war er gerade in der Endphase seines BWL-Bachelor-Studiums und eröffnete im Ort einen Rad- und Skaterladen. „Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.“

Auch ein Treffpunkt

Denn die Bretter prägen schon lange sein Leben. Schon als Zehnjähriger fing er an. 2001 lernte Wicht bei einem Skateboard-Contest im Bad Vilbeler Stadtteil Dortelweil seine spätere Frau kennen. In Nieder-Erlenbach hat ihn der frühere Leiter des Jugendhauses angesprochen, sich um die Skaterszene zu kümmern, die derzeit aus knapp zehn Leuten besteht. Die Anlage habe einen großen Stellenwert für die Jugendlichen, nicht nur, weil es für ihr Hobby im Ort wenig Möglichkeiten gebe. Sie werde auch als Treffpunkt genutzt, wenngleich das Jugendhaus den Bedarf „ganz gut abdeckt“. Aber es gibt eben auch viele Jugendliche, die lieber ganz unter sich bleiben wollen.

Die Skate-Anlage war jedoch schon lange ein Sorgenkind des Nieder-Erlenbacher Ortsbeirats. Seit 2010 forderte das Gremium eine Sanierung. „Die Skateanlage beschäftigt uns schon seit Jahrzehnten“, berichtete damals Ortsvorsteher Matthias Mehl (CDU). Im April vergangenen Jahres war es dann so weit. 77 000 Euro steckte das Grünflächenamt in die Sanierung. Wicht war bei der Planung dabei. Es habe eine feste Summe gegeben, „wir mussten das Beste daraus machen“. Er knüpfte Kontakt zu den Rampenherstellern. Statt teurer Neugeräte wurden die alten Rampen baulich ergänzt.

Unterstand fehlt

Die Anlage findet Wicht sehr gelungen, auch wegen der sehr langgezogenen Piste. Nur ein Unterstand für regnerische Stunden war nicht mehr im Etat drin. Doch das macht den Jugendlichen wenig aus. Christopher Nickel, der Leiter des Nieder-Erlenbacher Jugendclubs, beschrieb bei der Neueröffnung die Anlage als „einen Aufenthaltsort, um aus dem Fokus der Erwachsenenwelt zu verschwinden“.

Das ist der Punkt, an dem Wicht ins Spiel kommt. Er taucht dort nicht als Sozialarbeiter auf, sondern ist selbst Teil der Skaterszene. „Da habe ich auch eine gewisse Vorbildfunktion“, erklärt er. Beim Plaudern und Ausprobieren neuer Tricks entsteht rasch eine vertrauensvolle Atmosphäre. Er rät dann manchmal, mehr aufs Bremsen zu achten. Aber ihm fällt auch auf, wenn einer der Jugendlichen schlecht drauf ist. In solchen Momenten ist er eher der große Bruder, dem man seinen Kummer anvertrauen kann.

Allerdings gibt es seit drei Monaten noch eine neue Herausforderung in Wichts Leben: den kleinen Yannis. Dennoch bleibt er auf dem Skate-Platz präsent. Samstags läuft dort von 16 bis 18 Uhr ein Skate-Kurs. Donnerstags gibt es von 17 bis 20 Uhr einen betreuten offenen Treff, um Tricks zu lernen wie den „Kickturn“, eine 180-Grad-Drehung auf der Rampe, das „Drop-in“, das Runterfahren auf der Rampe oder eben den „Ollie“.

Für Wicht ist das Skaten aber nicht nur ein sommerlicher Outdoor-Spaß. Im Herbst, wenn es draußen ungemütlich wird, packt er sein Board ein und übt auf einer Rampe in einer eigens angemieteten Halle im Karbener Stadtteil Rendel. So sind die rollenden Bretter für ihn zur Lebenseinstellung geworden: „Das macht richtig Spaß, man lernt neue Leute kennen und hat Anschluss an die Jugend.“

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