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In den zwölf Mauernischen: Skulpturen schmücken Neubau des neuen Historischen Museums

Von Vom Garten am Stadtrand haben es zwölf Skulpturen (fast) bis auf den Römerberg geschafft: In den zwölf Mauernischen des neuen Historischen Museums zieren die Sandsteinfiguren nunmehr den Neubau.
Blick nach Westen, auf das Haus Wertheym – nur die allegorische Figur von Cornelius Andreas Donett schaut zurück. Foto: Salome Roessler Blick nach Westen, auf das Haus Wertheym – nur die allegorische Figur von Cornelius Andreas Donett schaut zurück.
Frankfurt. 

Am 17. Mai wird das neue Historische Museum übergeben. „Dazu veranstalten wir am 20. und 21. Mai ein Festwochenende“, sagte Jan Gerchow, der Leiter des Museums. Was ihm besonders am Herzen liegt: Dass der Hof, der das Museum vom bestehenden Altbau mit dem angebauten Foyer trennt, ein öffentlicher Ort wird, ein Durchgang, den die Frankfurter annehmen und nutzen. Die Architektur ist ansprechend: „Modern, aber nicht im Kontrast zur Umgebung, sondern als weitergebaut“, urteilt Harald Heußer, Fachbereichsleiter im Hochbauamt.

Entstehung oft unklar

Seit November schon hängen 50 „Spolien“, verzierte Fensterbögen, Wappendarstellungen, auch Grabsteine, in den zwölf Vertiefungen an der Nordseite des neuen Museums. Vom Römerberg aus sind sie gut zu sehen. Anders die zwölf Skulpturen auf der Südseite des Neubaus, zum Hof und dem Foyer hin. Bauzäune verdecken ihren Anblick noch. Erst am 17. Mai, wenn die Bauarbeiten beendet sind und das Museum übergeben wird, werden sie für die Öffentlichkeit sichtbar sein. Gestern führten Gerchow und Heußer über den Hof. Wolfgang P. Cellißen, Sammlungsleiter im Historischen Museum, erläuterte die Figuren – soweit dies möglich ist.

Info: Eröffnung im Herbst

Das neue Historische Museum wird im Herbst eröffnet. Der Um- und Neubau des Museums in der Altstadt hat 51 Millionen Euro gekostet. Den Neubau hat das Stuttgarter Architektenbüro Lederer

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Denn die zwölf Skulpturen, zum Teil 900 Kilogramm schwer, standen alle einst in den Gärten wohlhabender Frankfurter. „Und die Gärten sind nicht gut archiviert“, so Cellißen, es gebe einfach nur wenige Aufzeichnungen. So weiß man nicht immer, wie alt sie wirklich sind und welchen Weg sie genommen haben. Die Figuren stammen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert. „Häufig“, so Cellißen, „ließen wohlhabende Frankfurter die Skulpturen nach antiken Vorbildern in Bronze oder Marmor ausführen.“ Nicht ganz so teuer war die Ausführung in Sandstein, wie sie in den der Stadt vorgelagerten Gärten zur Anwendung kam.

Ohne Kopf, wendet Herkules den Betrachtern die Rückseite zu. Bild-Zoom Foto: Stefanie Koesling
Ohne Kopf, wendet Herkules den Betrachtern die Rückseite zu.

Im Westen beginnt die Reihe mit vier weiblichen Verkörperungen der schönen Künste, die von ihrem grünen Refugium in Rödelheim an die Zeil wanderten, von dort in die Forsthausstraße gelangten und schließlich in einem Garten in den Wallanlagen standen, bevor sie 1955 in das Historische Museum kamen. Die in der Mitte der Galerie platzierte, muskulöse Figur des Herkules markierte einst den Anfang einer Allee im Garten des Frankfurter Stadtschultheißen Johannes Schwind (1580-1648), wie ein kolorierter Stich von Mathias Merian d. Ä. von der Friedberger Straße 164 zeigt. Sie wurde beschädigt, der Kopf ist verloren.

Weinhändler kaufte Flora

Die Figur der Göttin Flora trug zur arkadischen Stimmung im Garten des Weinhändlers Konrad Valentin Reineck (1657-1721) bei. Seit 1822 ist sie in städtischem Besitz und gelangte 1878, als das Stadtpalais abgerissen wurde, in das Historische Museum.

Herkules in voller Pracht, wie er vor der Kriegszerstörung aussah. Bild-Zoom
Herkules in voller Pracht, wie er vor der Kriegszerstörung aussah.

Mit Darstellungen antiker Gottheiten wie Minerva, Juno, Diana und Pluto verliehen der Schriftsteller und Preußische Rat Johann Michael von Loën (1694-1776) und der Bauunternehmer und Preußische Baurat Philipp Holzmann (1836-1904) ihren Gärten eine besondere Atmosphäre. Wie die Vierergruppe der Allegorien wurden sie von dem Bildhauer Cornelius Andreas Donett (1682-1748) angefertigt.

Bei den „Spolien“ in den zwölf Nischen der Nordfassade handelt es sich um Fragmente und Überreste von Hausfassaden aus der Frankfurter Alt- und Neustadt. Die meisten der rund 700 Spolien im Besitz des Museums, gelagert in einem Depot in der Borsigallee, sind schon um 1900 in die Museumssammlung gelangt. Im 19. Jahrhundert waren in der Altstadt viele Häuser abgerissen worden, um moderne Straßen wie die Braubachstraße zu bauen.

Eine teure Reinigung

Diana, die Göttin der Jagd, mit einem Hund zu Füßen. Bild-Zoom Foto: Stefanie Koesling
Diana, die Göttin der Jagd, mit einem Hund zu Füßen.

Vor ihrer Aufstellung hat das Restauratoren-Team um Michael Hangleiter den empfindlichen Sand- und Kalkstein gereinigt. Die Positionierung der Skulpturen auf den Basaltsitzbänken am Museumsplatz und bei den Spolien die komplizierte Anbringung in den Nischen begleiteten die Restauratoren ebenfalls. Und auch ein Lichtkonzept gehört zur Dauerausstellung an den Außenwänden. Die Skulpturen werden von vorne und hinten beleuchtet werden, und auch die Spolien an der Vorderseite des Museums werden gezielt angestrahlt. Das Bankhaus B. Metzler seel. Sohn & Co. und der Hessische Museumsverband haben die Restaurierung unterstützt.

Laden zum Flanieren ein: Frankfurter Gartenskulpturen zieren die Südwand des neuen Historischen Museums. Bild-Zoom Foto: Salome Roessler
Laden zum Flanieren ein: Frankfurter Gartenskulpturen zieren die Südwand des neuen Historischen Museums.
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