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„Smart Work“-Gesellschaft Frankfurt: „Smart-Markt“ macht dicht

Von Um wettbewerbsfähig zu bleiben, entwickelt die gemeinnützige Frankfurter „Smart Work“-Gesellschaft den „Smart Markt 2.0“. Dieser soll in Stadtteilen mit mangelhafter Versorgungsstruktur das Angebot eines kleinen Einkaufsmarktes mit dem Online-Handel verbinden.
Martin Bender arbeitet gern im „Smart Markt“ Bonames der gemeinnützigen „Smart Work“-Gesellschaft Frankfurt. Hier sortiert er das Obstangebot. Foto: Salome Roessler Martin Bender arbeitet gern im „Smart Markt“ Bonames der gemeinnützigen „Smart Work“-Gesellschaft Frankfurt. Hier sortiert er das Obstangebot.
Bonames. 

Am 30. Dezember schließt der „Smart Markt“ in Bonames. Doch der Umsatzeinbruch begann bereits 2014, erklärt Volker Tollkühn, Geschäftsführer der gemeinnützigen „Smart Work“-Gesellschaft Frankfurt. Damals eröffnete nur rund 600 Meter entfernt in der Homburger Landstraße 734 ein großer Rewe. Für den kleinen „Smart Markt“ im Oberen Kalbacher Weg 2 bedeutete das einen Umsatzrückgang von rund 40 Prozent. „Das Geschäft ist härter geworden“, sagt Tollkühn. Sein gemeinnütziges Unternehmen betreibt drei „Smart“-Märkte in Frankfurt. Eröffnet wurden sie an Orten, an denen wegen der Schließung früherer Märkte ein Versorgungsengpass drohte. Diesen gebe es heute in Bonames nicht mehr, sagt Tollkühn. Außerdem laufe der Mietvertrag Ende 2017 aus: Der richtige Moment also, den Markt zu schließen.

Soziales Projekt

Die „Smart“-Märkte sind überdies mehr als normale kleine Supermärkte, erklärt Tollkühn. In erster Linie sind sie Fortbildungsprojekte für Langzeitarbeitslose. Viele der Mitarbeiter nehmen an Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen der Werkstatt Frankfurt teil, zu der „Smart Work“ gehört. Finanziert werden diese Maßnahmen über Bildungsgutscheine der Agentur für Arbeit (AfA). Am Ende steht die Prüfung zum Einzelhandelskaufmann, die laut Tollkühn 90 Prozent der Akteure bestehen.

Einen solchen „Smart“-Supermarkt zu betreiben, sei besonders aufwendig und teuer, betont Tollkühn. „Als Supermarkt müssen wir garantieren, dass immer genügend Mitarbeiter da sind. Der Markt muss außerdem zuverlässig geöffnet sein, und zwar unabhängig von den Maßnahme-Teilnehmern.“ Letztere hätten ja neben der Berufspraxis im Markt auch theoretischen Unterricht. Einige nähmen an Deutschkursen teil, wieder andere erhielten besondere Hilfen zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt.

„Wir arbeiten also mit einer Stammmannschaft aus festen Mitarbeitern“, erklärt Tollkühn. Die Arbeitszeiten seien von 6 bis 21 Uhr, auch wenn der Markt selbst nur von 8 bis 20 Uhr geöffnet werde. Hinzu komme, dass „Smart Work“ bei Fortbildungen zum Einzelhändler im Wettbewerb mit ähnlichen Unternehmen stehe: Die Inhaber eines Bildungsgutscheines bestimmen selbst, bei welchem Unternehmen sie sich ausbilden oder qualifizieren lassen.

Starke Konkurrenz

Hinzu kommt, dass die „Smart Work“-GmbH mit den Standorten Porthstraße 11 in Eckenheim und der Hugo-Kallenbach-Straße 16 in Sindlingen kleine Ladenlokale früherer Supermärkte übernommen habe. „Diese Läden sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Supermärkte sind heute viel größer“, sagt Tollkühn. Der benachbarte Penny-Markt etwa habe im vergangenen Jahr modernisiert, sei wesentlich attraktiver geworden, biete nun frische Waren und habe nicht mehr den Charakter eines Discounters: Eine starke Konkurrenz also für den kleinen „Smart Markt“.

Große Vollversorger-Ketten wie Rewe und Edeka, aber auch moderne Discounter seien ganz anders organisiert als ein kleines Unternehmen wie „Smart Work“, sagt Tollkühn. Das erschwere seinem gemeinnützigen Betrieb zum einen, wirtschaftlich zu arbeiten. Zum anderen sei die Ausbildung, die „Smart Work“ bieten könne, nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Deshalb überarbeitet er mit Mitstreitern das Konzept für die „Smart Märkte“ – und entwickele den „Smart Markt 2.0“.

Druck machen nämlich auch die Lebensmittel-Onlineangebote von Rewe und die Ankündigung des Online-Giganten Amazon, künftig auch Lebensmittel zu verkaufen. Das wirke sich auf die Geschäftsmodelle der Supermärkte aus. Tollkühn: „Daran orientieren wir uns. Wir entwickeln ein Konzept, bei dem wir frische Waren wie Obst und Gemüse in unseren kleinen Läden anbieten. Alles Haltbare, Konserven etwa, kann man online bestellen und wir lassen es liefern.“

Nachfrage gibt’s durchaus

Weil vor allem ältere, weniger mobile Menschen Kunden der „Smart Märkte“ sind, die das Internet kaum nutzen, soll es in den neuen Märkten Bestell-Terminals geben. Tollkühn: „Die Waren kann man sich nach Hause oder zum Abholen in den Markt liefern lassen.“ Anfang 2018 will er das neue Konzept präsentieren. Und vielleicht neue Märkte eröffnen, um die Nahversorgung dort zu verbessern, wo sie gefährdet ist. Nachfrage nach neuen „Smart“-Märkten gibt es immer wieder, zuletzt etwa im Dornbusch, weil dort ein Supermarkt vorübergehend schloss. Und auch in Harheim, wo der einzige Supermarkt 2020 schließen soll.

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