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BGU Frankfurt: Kongress deutscher Handchirurgen: So funktioniert eine Live-Übertragung aus dem OP-Saal

Von Das gab es noch nie bei einem Kongress deutscher Handchirurgen: Acht Operationen am Handgelenk, alle live übertragen ins Kongresszentrum – und die zuschauenden Ärzte können direkt mit ihrem operierenden Kollegen kommunizieren.
Die kleine Kamera im OP 8 überträgt bereits versuchsweise ein Bild ins Konferenzzentrum, das rund 100 Meter entfernt ist. Bilder > Foto: Salome Roessler Die kleine Kamera im OP 8 überträgt bereits versuchsweise ein Bild ins Konferenzzentrum, das rund 100 Meter entfernt ist.
Seckbach. 

Die Verbindung funktioniert auf Anhieb. Während Volker Frank, Chef der Eventagentur Frankfurt, die Kamera im Operationssaal (OP) 8 der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) ausrichtet, sitz der Medientechniker der BGU, Jonathan Amenda, im Saal des Konferenzzentrums und wirft das Bild per Beamer an die Wand. Doch das ist nur der Anfang: Fast 100 Meter Kabel müssen die beiden Techniker rund um die beiden OP 8 und 9 verlegen und an insgesamt acht Kameras anschließen. „Ähnliche Übertragungen haben wir schon vor 20 Jahren gemacht. Aber nicht in dieser Größenordnung“, sagt Amenda. Werden doch beim morgigen Kurs „Rekonstruktive Eingriffe am Handgelenk“, zu dem nicht nur aus Deutschland die Crème de la Crème der Handchirurgen anreist, acht Operationen live ins Konferenzzentrum übertragen.

Der Kurs bildet quasi den Auftakt des 57. Kongresses des Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH). „Erstmals wird im Rahmen eines Kongresses der DHG ein solcher Live-Operationskurs angeboten“, sagt der Chefarzt der BGU-Abteilung für Plastische, Hand und Rekonstruktive Chirurgie, Professor Michael Sauerbier. Zu sehen sind verschiedene rekonstruktive Eingriffe am Handgelenk.

Jeweils eine Kamera sitzt dabei in den Operationslampen, eine zweite ist im Arthroskop, das in die Hand eingeführt werden kann und eine dritte steht fest im Raum. „Die vierte hält ein Kameramann in der Hand“, sagt Amenda, und das in beiden OP. Auf dem Flur werden die Bilder in einem Mischpult zusammengeführt. Dort wählt Volker Frank zusammen mit einem Arzt aus, welches der Bilder in den Konferenzsaal übertragen wird. „Der Arzt weiß viel besser als wir, was zu welchem Zeitpunkt für die Zuschauer interessant ist.“

Fragen während der OP

Nicht nur das Bild, auch der Ton wird aus dem OP zur Konferenz übertragen. Jedes Klappern des Operationsbestecks, jeder Schritt der Ärzte ist beim Test deutlich zu hören. „Die Ärzte tragen bei der Operation am Mittwoch ein Headset mit Mikrofon. So können sie erklären, was sie machen. Und umgekehrt können die Zuschauer im Saal Fragen stellen, denn ich kann die Saalmikrofone auf das Headset des operierenden Arztes legen“, erklärt Amenda.

Das vor drei Jahren neu gebaute Konferenzzentrum und die ebenfalls neu gebauten OP selbst seien zwar komplett verkabelt –aber nur für den Einsatz mit jeweils einer Kamera ausgelegt. „Deshalb müssen wir zusätzliche Kabel verlegen: Aus den beiden OP zum Mischpult und von dort zurück in die Säle, von wo das Signal in den Saal übertragen wird.“

Sauberkeit und vor allem Sterilität im Operationssaal selbst haben dabei oberste Priorität. Kern ist dabei das rund vier mal vier Meter große Lüftungsdeckenfeld im Zentrum eines jeden Operationssaals, sagt Rolf Teßmann, Leiter der Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie, der auch für Hygiene zuständig ist. „Dort strömt sterile Luft von der Decke, die bis zu 25 Mal pro Stunde komplett gefiltert wird.“ Die Luft wird unten wieder abgesaugt, so dass das OP-Zentrum ein steriler Luftvorhang umgibt. Nicht sterile Geräte stehen außerhalb – auch die großen Kameras. Alle Geräte, die im Zentrum sind, müssen steril sein.

Möglichst nicht bewegen

Nicht so sehr die Technik, etwa die verlegten Kabel, sind das Problem, sagt Teßmann. Auch nicht die Kameras, denn die sind außerhalb dieses sensiblen Zentrums des Operationssaals aufgebaut. Außerdem würden die Räume nach jeder Operation aufwendig gereinigt und desinfiziert – die neu verlegten Kabel inklusive. „Es sind vielmehr die Menschen – und hier jene, die nicht jeden Tag im OP stehen.“ Das sind vor allem die beiden Kameraleute, die bei den Operationen am Mittwoch mit Handkameras filmen. Sie müssen am Rand der Operationssäle stehen bleiben, dürfen sich nur möglichst wenig bewegen und möglichst nicht sprechen. „Jede Luftbewegung ist ein Problem.“

An der BGU findet der dreitägige Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) statt, weil Chefarzt Sauerbier diesjähriger Kongresspräsident der DGH ist. In diesem Jahr ist der Kongress international besetzt, da neben der DGH auch ihr amerikanisches Gegenstück, die American Association für Hand Surgery, als Gastgeber fungiert.

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