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Keime: So geht Frankfurt gegen multiresistente Erreger vor

Von Der Kampf gegen multiresistente Erreger ist eine der größten Herausforderungen für Forschung und Krankenhäuser. Um die Menschen stärker für das Thema zu sensibilisieren, setzen Stadt und Gesundheitsamt die Reihe ihrer Aktionstage im Herbst fort.
Mit verschiedenen Kampagnen wird in Frankfurt über multiresistente Erreger aufgeklärt. Unser Bild zeigt Dr. med. Haitham Mutlak vom Universitätsklinikum Frankfurt, das bereits in der Vergangenheit mit effektiven Hygienestrategien nationale Aufmerksamkeit erlangt hatte. Foto: Heike Lyding Mit verschiedenen Kampagnen wird in Frankfurt über multiresistente Erreger aufgeklärt. Unser Bild zeigt Dr. med. Haitham Mutlak vom Universitätsklinikum Frankfurt, das bereits in der Vergangenheit mit effektiven Hygienestrategien nationale Aufmerksamkeit erlangt hatte.
Frankfurt. 

2016 und 2017 waren gute Jahre für Frankfurt – zumindest sagt das Gesundheitsdezernent Stephan Majer (Grüne). Es habe keinen Ebola-Fall und keine anderen großen „Ausbrüche“ in der Stadt gegeben. „Obwohl der Flughafen das Tor zu Infektionen ist, wurden wir verschont“, erklärte Majer gestern bei der Vorstellung des Infektions- und Hygieneberichtes 2016/2017 im Gesundheitsamt.

Trotzdem schaffte es die Mainmetropole im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen, die stellvertretende Leiterin des Gesundheitsamtes, Prof. Dr. Ursel Heudorf, sogar in die Heute-Show. Auslöser war der aufsehenerregende Fall eines Patienten der Frankfurter Uniklinik, der sich im Frühjahr 2017 vermutlich bei seinem Sturz in den Eschbach einen solchen schwer zu bekämpfenden Krankheitserreger eingefangen hatte. Mit Antibiotika lassen sich die Erreger nicht behandeln. Bei Untersuchungen fand man die Erreger auch im Erlenbach, Urselbach, Königsbach und im Rebstockweiher.

Heudorf bezeichnet den Kampf gegen die multiresistenten Erreger als eine der wichtigsten Aufgaben. Diese gelangen mit dem gereinigten Wasser aus Kläranlagen in Flüsse. Experten fordern deshalb den Ausbau von Kläranlagen, um mit einer vierten Reinigungsstufe die multiresistenen Erreger etwa mit UV- und Ozon-Behandlung zu reduzieren. Bei einem Pilotprojekt wird die Wirksamkeit der Methode derzeit erprobt, Anfang 2019 wird das Ergebnis präsentiert. Deshalb rät Heudorf von Schnellschüssen ab. Majer erklärte zudem, dass eindeutige Richtlinien und Vorgaben des Gesetzgebers erforderlich seien. Denn der Ausbau von Kläranlagen sei sehr teuer, ohne höhere Abwassergebühren sei dies nicht finanzierbar.

Zum jetzigen Zeitpunkt hält Heudorf deshalb Aufklärung zur verantwortungsvollen Einnahme von Antibiotika für sehr sinnvoll. Bei mehreren Aktionstagen hatte das Gesundheitsamt schon informiert, wie und gegen welche Infektionen Antibiotika eingenommen wird. Noch im Herbst soll es einen Aktionstag zum Thema Ohreninfektionen geben.

Eine zentrale Aufgabe des Gesundheitsamtes ist zudem die Hygieneüberwachung in Kliniken und Kosmetikstudios sowie die Überwachung meldepflichtiger Infektionskrankheiten. Mit den Ergebnissen für 2016 und 2017 ist Heudorf zufrieden.

  Meldepflichtige Infektionskrankheiten sind laut dem Bericht in etwa gleichbleibend (Tuberkulose 99 Fälle in 2017) oder sogar rückläufig (Hepatitis A, 25 Neuerkrankungen in 2017; Salmonellen, 79 neue Fälle im vergangenen Jahr) gewesen. Unerklärlicherweise habe es aber einen Anstieg von Fällen bei Hepatitis B gegeben – 2017 erkrankten 82 Personen daran, 2015 waren es nur neun gewesen. Besorgniserregend sei dies nicht, man müsse die Situation aber im Auge behalten, erklärte Heudorf. Auch Masern-Fälle seien vermehrt aufgetreten, weil sich Friedrich-Dessauer-Schüler aus Höchst angesteckt hatten.

  Die Hygiene in Kliniken und Praxen ist deutlich besser geworden. Bei Stichproben waren beispielsweise Haltegriffe, Lichtschalter, Rufknöpfe oder der Knopf für die Toilettenspülung sauberer als noch vor zwei Jahren. Auf die Stellen war zuvor ein für Reinigungskräfte unsichtbares fluoreszierenden Mittel aufgetragen worden. In allen Häusern schafften die Reinigungskräfte die Vorgaben, in einer Stunde sollen 120 Quadratmeter Fläche gesäubert werden. Bei den Nasszellen jedoch sind die Vorgaben zu hoch. Für die Wochenenden wünscht sich Heudorf eindeutigere Regeln, es müsse klar festgehalten sein, was Pfleger und was Reinigungskräfte zu tun haben. Was negativ auffiel: Krankenhäuser, die einen Facharzt für Hygiene einstellen wollten, wurden auf dem Markt nicht fündig, darunter leide die Ausbildung in den Kliniken. Positiv habe sich die Aktion „Saubere Hände“ ausgewirkt. In Frankfurter Kliniken werden laut Heudorf die Hände deutlich öfter desinfiziert als im bundesweiten Vergleich. Als Grundlage, um diesen Wert zu ermitteln, dient der Verbrauch von Desinfektionsmitteln. Nicht ganz so gut schnitten bei der Überprüfung der Praxen die Zahnärzte ab, das Problem sei vor allem die oft mangelnde Sterilisation von Behandlungsbesteck.

  Hygieneverordnungen in Altenheimen werden nicht immer eingehalten. So sei beobachtet worden, dass beispielsweise Einweghandschuhe nach der Versorgung von Senioren nicht weggeworfen, sondern weiter getragen worden seien. Positiv aufgefallen ist aber, dass das Pflegepersonal liebevoll mit den Bewohnern umgegangen sei.

  Die Hygiene in Nagelstudios ist dem jetzt vorgelegten Bericht zufolge schlecht. So wurden 30 Prozent der überprüften Studios geschlossen, in 50 Prozent der Fälle waren Nachbesserungen nötig. Die häufigsten Fehler: Verschmutztes Arbeitsgerät, Einmalmaterial wurde mehrfach verwendet und mangelnde Desinfektion. Die Konsequenz für Kunden: Im schlimmsten Fall können sich Nagelpilze bilden. Dagegen seien in Tatöwierstudios erfreulicherweise die Mängel stark rückläufig gewesen.

  Die Hygiene des Trinkwassers in Frankfurt ist durchweg gut. Im Untersuchungszeitraum waren aber vor allem in Schulturnhallen Legionellen ein Problem. Immer wieder habe man Duschverbote aussprechen müssen.

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