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Frankfurter klagen vor allem über den Güterverkehr: So laut ist es an der Eisenbahn

Von Eine Karte des Eisenbahnbundesamtes zeigt, wo in Frankfurt die Züge besonders laut sind. Betroffene Bürger können der Behörde jetzt mitteilen, was sie stört. Einige befürchten, dass es durch geplante Ausbaumaßnahmen künftig noch schlimmer wird.
Foto: Michael Faust
Frankfurt. 

Wenn über die alte Niederräder Eisenbahnbrücke ein Güterzug fährt, wackeln am Balkon von Doris Mollath-Zündorf und ihrem Mann Detlef die Blumentöpfe. Das Ehepaar wohnt an der Schwanheimer Straße und fühlt sich vom Lärm umzingelt: Auf der einen Seite fahren die Züge, auf der anderen die Autos auf der Niederräder Uferstraße, oben drüber fliegen Flugzeuge, und von der anderen Mainseite ist die Schrottverladung im Gutleuthafen zu hören.

Günter Murr
Kommentar

Straßen, Schienen, Flugzeuge: Die Funktion als Verkehrsknotenpunkt hat Frankfurt groß gemacht. Was gut für die wirtschaftliche Entwicklung ist, hat seinen Preis: Tausende von Bürgern sind von Verkehrslärm betroffen.

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Frankfurt 14.8.2017, Zur Geschichte über Lärmaktionsplanung des Eisenbahnbundesamts; Alte Niederräder Brücke; Doris Mollath-Zündorf & Detlef Zündorf sind vom Bahnlärm in Niederrad betroffen.
Frankfurter klagen vor allem über den Güterverkehr So laut ist es an der Eisenbahn

Eine Karte des Eisenbahnbundesamtes zeigt, wo in Frankfurt die Züge besonders laut sind. Betroffene Bürger können der Behörde jetzt mitteilen, was sie stört. Einige befürchten, dass es durch geplante Ausbaumaßnahmen künftig noch schlimmer wird.

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Die beiden haben sich mit den Geräuschen arrangiert, wohnen gerne in der Wohnung mit dem Ausblick auf hohe Bäume, hinter deren dichtem Laub sich der alte Niederräder Bahnhof versteckt. Zwischen 65 und 70 Dezibel im Tagesschnitt beträgt die Lärmbelastung laut den Karten, die das Eisenbahnbundesamt im Internet veröffentlicht hat. Nachts sind es immer noch mehr als 55 Dezibel. Würde es sich um Fluglärm handeln, läge die Wohnung in der Schutzzone und es gäbe Anspruch auf Schallschutzmaßnahmen. Bei Bahnstrecken gibt es eine solche Regelung nicht.

Es sei denn, es wird erweitert oder neu gebaut. Das ist in Niederrad geplant. Zwei zusätzliche Gleise sollen vom Bahnhof Stadion durch Niederrad und über eine weitere Mainbrücke bis zum Vorfeld des Hauptbahnhofs gebaut werden. Längst hätten die Arbeiten starten sollen, doch der Bau hat sich immer wieder verzögert. „Vielleicht geht es 2018 los, vielleicht aber auch erst 2019“, sagt Detlef Zündorf. Klar ist: Die zusätzlichen Gleise werden an der Ostseite der bestehenden Strecke gebaut, die Bahn rückt näher an die Wohnung des Ehepaars heran.

Zwar wird an der Schwanheimer Straße – im Gegensatz zu anderen Ausbauabschnitten – eine Lärmschutzwand gebaut, aber erst nach Ende der mit sechs Jahren angesetzten Bauzeit. Bis dahin wird’s unangenehm. Doris Mollath-Zündorf fürchtet vor allem den Baustellenverkehr, der direkt hinter ihrer Wohnung vorbeifährt. Und wenn die neuen Gleise erst einmal liegen, rechnet das Ehepaar mit zusätzlichen lauten Güterzügen. „Damit soll das Rheintal entlastet werden“, vermutet Detlef Zündorf.

Zum Teil mehr als 75 Dezibel

Es gibt Wohnungen, die deutlich stärker vom Bahnlärm betroffen sind als die der Mollath-Zündorfs. Bis vor einigen Jahren hat das Ehepaar am Strahlenberger Weg in Sachsenhausen gewohnt. Die dortige Fläche ist in der Lärmkarte blau eingefärbt. Das heißt: Dort übersteigt der Bahnlärm den Wert von 75 Dezibel im Tagesschnitt. Ähnlich laut ist es aber auch ein Stück weiter nördlich in einigen der Neubauwohnungen im Deutschherrnviertel. Blau sind unter anderem auch Wohnstraßen am Süd- und Westbahnhof oder im Europaviertel. Wem es an der Bahn zu laut ist, der kann sich seit Ende Juni beim Eisenbahnbundesamt melden. Die Behörde erstellt erstmals einen Lärmaktionsplan für die wichtigsten Bahnstrecken (siehe unten).

Rund 16 000 Meldungen wurden bundesweit abgegeben. Nur wenige davon entfallen auf Frankfurt. Die meisten, knapp 40, stammen von der Strecke zwischen Westbahnhof und Bad Vilbel, die um zwei Gleise erweitert werden soll. Moniert wird vor allem der nächtliche Güterverkehr.

Klage selbst vom Römerberg

Beim Einschlafen und Durchschlafen gestört fühlen sich auch etliche Anwohner der Orber Straße in Fechenheim. Auch sie führen als größte Lärmquelle die Fahr- und Bremsgeräusche der Güterzüge an. Über „Brückendröhnen“ klagt ein Anwohner des Welscher Wegs im Stadtwald, wo sich die Bahnstrecken aus Richtung Haupt- und Südbahnhof kreuzen. Am Westbahnhof beklagen sich mehrere Anwohner nicht nur über den Güterverkehr, sondern auch über Personenzüge.

Kurios ist eine Meldung, die offenbar vom Römerberg kommt: Der Beschwerdeführer beklagt sich über Schienenstoßgeräusche und Warnsignale des Güterverkehrs. Die einzige oberirdische Schienenstrecke in der Nähe ist aber die Straßenbahn . . .

www.fnp.de/laermkarte

Hier finden Sie die Karte, die zeigt, wie laut die Bahnstrecken in Ihrer Nähe sind.

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