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May-Siedlungen: So lebt es sich im Denkmal

Die Radtour „Der unspektakuläre May“ führt durch weniger bekannte Siedlungen, die einst von Stadtplaner Ernst May entworfen wurden. Dafür rückte er in den Siedlungen in der Fechenheimer Arbeitersiedlung Rütschlehen sowie im Teller und im Nonnenpfad in Oberrad von seinen typischen Forman ab.
Die Fechenheimer Siedlung im Rütschlehen ist die einzige May-Siedlung ohne Flachdächer. Bilder > Die Fechenheimer Siedlung im Rütschlehen ist die einzige May-Siedlung ohne Flachdächer.

Als Ernst May seine Häuser baute, war das Stadtleben noch weniger anonym als heute. Nachbarn kannten und halfen sich. In den Reihenhäusern, die nach Entwürfen des Frankfurter Architekten im Oberräder Nonnenpfad gebaut wurden, lebt jener Geist fort. „Man spürt hier stets den starken Zusammenhalt“, sagt Architektin Roswitha Väth, die hier seit fünf Jahren mit ihrem Mann Martin Kugel lebt.

Ob Ernst May jene Effekte im Sinn hatte, lässt sich nicht mehr sagen. Das Ehepaar Kugel und Väth wird im Nonnenpfad dennoch stets damit konfrontiert, wie Menschen vor etwas weniger als 100 Jahren lebten. „Damals wurde möglichst wenig Fläche verschenkt, was die Wohnfläche optimal macht. Flur, Treppenhaus, Küche und Bad sind klein, aber funktional, und wurden mit speziellen Einbauten zu wahren Raumwundern“, beschreibt Väth, die das Haus nach dem Kauf zwar sanieren musste, dessen Grundstruktur aber bestehen ließ. Bloß die recht enge Frankfurter Küche wurde zum Wohnzimmer hin teilweise geöffnet.

Gegen das Beton-Denken

Weniger dem effektiven Leben als vielmehr dem Wohlbefinden der Bewohner dienten die Gärten hinter der im Jahr 1930 gebauten Siedlung im Nonnenpfad. May reagierte damit auf die engen und von Beton geprägten Lebensverhältnisse in Großstädten.

Weil Väth in einem May-Haus lebt und sich beruflich mit den Bauten des Stadtplaners und Architekten beschäftigt hat, kennt sie auch dessen unbekanntere Siedlungen und Häuser im Ortsbild von Oberrad und Fechenheim. Gemeinsam mit dem Autor Klaus Strzyz hat sie als Angebot der May-Gesellschaft zur Radtour mit dem Titel „Der unspektakuläre May“ durch die beiden Stadtteile geladen.

Die von May entworfenen Siedlungen in der Römerstadt, Praunheim, Westhausen, am Bornheimer Hang und am Höhenblick in Ginnheim sind vielen ein Begriff. In die von dem einstigen Frankfurter Stadtplaner entworfene Siedlung Im Teller am Rand von Oberrad führt einen in der Regel nur ein Besuch in der Gärtnerei von Rainer Schecker.

Dessen Großeltern gehörten einige Jahre nach Ausrufung der Weimarer Republik zu den ersten Siedlern am Rand des Stadtwalds. Die Häuser dort dienten im Gegensatz zu anderen May-Siedlungen nicht dem Zweck, in großem Umfang Wohnraum bereitzustellen. Mit Rücksicht auf das traditionelle Gewerbe im Gärtnerdorf entstanden hier hinter für May untypischen Doppelhaushälften Gewächshäuser, in denen Menschen Arbeit fanden und mit denen die Lebensmittelversorgung in Frankfurt sichergestellt wurde.

Ideal für Gärtner

Am nördlichen Rand des Stadtteils, im Strahlenberger Lehen, hatte der Stadtplaner Ähnliches im Sinn: Im 19. Jahrhundert war das Gelände von der Patrizierfamilie Strahlenberger an die Stadt übergegangen. „Nahe gelegene Schienen verbanden das Strahlenberger Lehen gut mit der Großmarkthalle, was das Areal zum idealen Gartenbezirk machte“, erzählt Väth.

Im Gegensatz zur Siedlung Im Teller entstanden im Strahlenberger Lehen aber nur Wirtschaftsgebäude mit gemauertem Erdgeschoss und einer darüber befindlichen Holzkonstruktion, die als Lagerfläche diente. Mit der Planung von May beauftragt, wurde Egon Kaufmann, Leiter der Abteilung Typisierung. „Ein guter Architekt“, wie Väth sagt, „weshalb man sich wundert, dass er sich mit dieser fast schon banalen Aufgabe beschäftigt hat.“

Für das zwischen den Jahren 1925 und 1930 unter der Regie von May stehende Stadtplanungsprogramm „Neues Frankfurt“ war es allerdings typisch, dass sich dessen Architekten auch um kleine Details im Stadtbild wie Schrebergärten oder Leuchtreklamen kümmerten. Auch um Schwimmbäder. Die Radtour führt sodann auch zum noch heute existierenden Fechenheimer Gartenbad, das außerhalb des Stadtteils kaum bekannt ist. Entworfen und gebaut wurde der Backsteinbau im Jahr 1927 von Martin Elsässer, den Frankfurts damaliger Oberbürgermeister Ludwig Landmann in den 1920er-Jahren als Baudirektor für die künstlerische Gestaltung der Großprojekte des Neuen Frankfurts beauftragt hatte. Seinerzeit galt es als eines der modernsten Hallenbäder Europas. Betrieben wird das Gartenbad seit dem Jahr 2003 von der TG Bornheim.

In der Fechenheimer Siedlung Am Rütschlehen stellt Ernst May Anhänger und Architekten bis heute vor ein Rätsel. „Es ist die einzige May-Siedlung ohne Flachdächer, aber warum, wissen wir nicht“, sagt Klaus Strzyz, der auch Vorstandsmitglied der Ernst-May-Mesellschaft ist und in den historischen Unterlagen erfolglos nach der Ursache für die Abweichung im Muster des Stadtplaners gewälzt hat.

Wie Strzyz weiter erklärt, sei die Siedlung mit ihren Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen in der Dimensionierung und der Aufteilung typisch für das Neue Frankfurt – bis eben auf eine Ausnahme: „Während sämtliche Frankfurter May-Siedlungen kubisch gestaltet mit einem Flachdach versehen sind, finden wir hier das Satteldach vor. Heute könnte man fast meinen, dass es sich beim Rütschlehen um eine jener eher unschönen Wohnsiedlungen aus den 1950er-Jahren handelt.“ Nicht nur im Osten und Süden Frankfurts finden sich weniger bekannte Werke des legendären Stadtplaners. Auch die Siedlung Engelsruhe in Unterliederbach oder die Siedlung des Reichsbundes der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer-Hinterbliebenen in Heddernheim hat „der unspektakuläre May“ entworfen. Doch dorthin führen künftige Radtouren.

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