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Korruptionsaffäre "Cargo City Süd": So lief der Millionenbetrug am Flughafen Frankfurt

Von Im Februar beginnt der Prozess in der Korruptionaffäre "Cargo City Süd". Fünf Männer sind angeklagt, der Hauptbeschuldigte ist ein ehemaliger Abteilungsleiter der Fraport. Er soll Schmiergelder in Millionenhöhe kassiert und den zahlenden Unternehmen Grundstücke zugeschanzt haben.
Das Gelände der ehemaligen US-Air-Base heißt heute „Cargo City Süd“. Bei der Entwicklung des Luftfrachtstandorts ging nicht alles mit rechten Dingen zu.	Foto: Fraport Das Gelände der ehemaligen US-Air-Base heißt heute „Cargo City Süd“. Bei der Entwicklung des Luftfrachtstandorts ging nicht alles mit rechten Dingen zu. Foto: Fraport
Frankfurt. 

Volker A. (51) hat bei der Fraport AG offenbar enormes Vertrauen genossen: Als Angestellter der Flughafen-Betreibergesellschaft trieb der Diplom-Wirtschaftsingenieur seit den 1990er Jahren die Entwicklung der „Cargo City Süd“ voran. Zuletzt leitete A., der als hervorragender Netzwerker gilt, die Fraport-Abteilung für Immobilienvermarktung. Er suchte Investoren für das ehemalige Gelände der US-Air-Base, erstellte Verträge für die Vergabe von Erbbaurechten und bereitetete entsprechende Beschlüsse des Fraport-Vorstands vor.

Die Freiheit, die ihm seine Vorgesetzten bei alledem ließen, nutzte Volker A. aber offensichtlich schamlos aus. Der frühere Fraport-Mitarbeiter ist der Hauptangeklagte in einem Korruptionsprozess, der am 10. Februar vor dem Frankfurter Landgericht beginnt. A. soll als Gegenleistung für die bevorzugte Vergabe von Erbbaurechten mit zwei Firmen Schmiergeldzahlungen in Höhe von insgesamt mindestens 2,8 Millionen Euro vereinbart und teilweise auch erhalten haben. Bei der Verschleierung der illegalen Geldströme soll der Verwaltungsrat einer liechtensteinischen Treuhandfirma mitgewirkt haben, gegen den ein gesondertes Verfahren läuft.

Prominente Angeklagte

In dem Prozess, der in zwei Wochen vor der 12. großen Strafkammer des Landgerichts beginnt, müssen sich insgesamt fünf Männer verantworten. Außer Volker A. sind das der Projektentwickler Jürgen Harder, einer seiner Geschäftspartner und ein Immobilienmakler. Der wohl prominenteste Beschuldigte ist Ardi Goldman. Gegen den Frankfurter Immobilienunternehmer, der die Bestechungsvorwürfe bislang zurückweist, wurde zwar separat Anklage erhoben. Das Landgericht hat Goldmans Verfahren aber mit demjenigen gegen den Fraport-Abteilungsleiter und die drei anderen Beschuldigten verbunden.

Die Firmen, die im Verfahren eine wesentliche Rolle spielen, sind Goldmans Cargoport Grundstücks GmbH und die Harder Lambda GmbH. Im Fall der Cargoport gehen die Strafverfolger davon aus, dass sich der Fraport-Mitarbeiter A., der Immobilienmakler und Ardi Goldman mündlich auf folgendes Prozedere einigten: Für die Vermittlung eines 18 000 Quadratmeter großen Erbbaugrundstücks, eines Mieters und eines Käufers sollte die Cargoport jeweils Provisionen an den Makler zahlen. Gesamthöhe: etwa 3,6 Millionen Euro. Die Hälfte dieser Provisionen sollte dann jeweils als Schmiergeld in A. s Tasche fließen.

Die Ermittler glauben, dass Goldman von Anfang an in die Absprache eingebunden war und das Prozedere akzeptiert hat, um an das Erbbaugrundstück zu kommen. Cargoport soll auch wirklich gezahlt haben. Die Schmiergelder seien als Vermittlungsprovisionen getarnt gewesen, heißt es. Unterm Strich soll Goldmans GmbH nach dem Bau einer Lufthansa-Cargo-Halle und dem Wiederverkauf des Erbbaurechts an die Union Investment ein Projektgewinn von fast 14 Millionen Euro geblieben sein.

Enorme Gewinnspanne

Im Fall der Harder Lambda GmbH sollen der Fraport-Abteilungsleiter der Immobilenmakler und der Projektentwickler Jürgen Harder ebenfalls eine dreistufige Provisionsvereinbarung getroffen haben. Wie zu hören ist, hatte es schon im November 2006 eine erste Zusammenkunft in Hockenheim gegeben. Beim vereinbarten Geschäft ging es dann angeblich um ein 14 000 Quadratmeter großes Erbbaugrundstück und Provisionszahlungen in Höhe von mindestens 2 Millionen Euro an den Makler. Wiederum sollte die Hälfte des Geldes an A. gehen. Harder Lambda soll mit seinem Bauprojekt am Flughafen – angeblich eine Halle für die türkische Çelebi Holding – unterm Strich mehr als 12 Millionen Euro eingefahren haben.

Im Zusammenhang mit den umfangreichen Ermittlungen durchsuchten Polizei und Staatsanwaltschaft im Juli 2013 insgesamt 28 Wohnungen und Geschäftsräume. Fraport-Mitarbeiter A., der Immobilienmakler, Jürgen Harder und sein Geschäftspartner wurden in Untersuchungshaft genommen, nach ein paar Tagen aber vom weiteren Vollzug verschont. Der Staatsanwaltschaft liegen seitens dieser vier Beschuldigten mindestens Teilgeständnisse, mitunter auch Geständnisse vor.

Der Fall wirft auch auf die Kontrollmechanismen bei der Fraport ein schlechtes Licht, denn A. konnte als Abteilungsleiter offenbar schalten und walten, wie es ihm passte. A. s Vorgesetzte haben dem Vernehmen nach nicht überprüft, welchen Investoren er im Hinblick auf Erbbaugrundstücke ein Angebot unterbreitete. Auch die Höhe des sogenannten Projektentwicklerentgelts, über das die Fraport am Gewinn des jeweiligen Investoren beteiligt werden sollte, durfte A. angeblich weitgehend selbst bestimmen.

Die Zusammenarbeit zwischen A. und der Fraport endete im Jahr 2008 in beiderseitigem Einvernehmen. Wie zu hören ist, hatte sich der langjährige Abteilungsleiter mit seinen Vorgesetzten überworfen. Die Auseinandersetzungen könnten sich auch um das Gehalt gedreht haben, das A. angeblich als viel zu niedrig empfand. Die Fraport soll ihm eine Abfindung in Höhe von 260 000 Euro gezahlt haben.

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