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Rosa Cloudchen: So (schön) schräg ist die Fastnacht in Frankfurt

Die „Rosa Cloudchen“-Sitzungen des Großen Rats hatten nie viel gemein mit traditioneller Fastnacht. Auch beim Auftakt zur 2016er-Kampagne gab es keine Büttenreden, stattdessen feierten und lebten Schwule, Lesben, Transen und Heteros gemeinsam Toleranz. Ein Neuzugang trieb es besonders bunt.
Brachte den Wilden Westen in den Frankfurter Nordwesten: Annabell. Bilder > Foto: Michael Faust Brachte den Wilden Westen in den Frankfurter Nordwesten: Annabell.
Frankfurt.  Der Andrang zur ersten Großveranstaltung des Karnevalverbands „Großer Rat“ im neuen Jahr war enorm: „Eine handvoll Restkarten zum Abholen“ hatte die Kassiererin im Foyer des Titus-Forums übrig, als im Saal daneben um 19.31 Uhr mit Schlagermusik „ein so wunderschöner Tag wie heute“ und der erste von drei „Rosa Cloudchen“-Abenden in Folge eingeläutet wurde.

Torsten Dornberger, Vize-Präsident des „Großen Rats“, hatte gerade den Elferrat um „Knackarsch Mario Wollnik“ begrüßt, da stieg in der mit 500 Narren ausverkauften Halle die Spannung: „Nun eine Überraschung“, verkündete Organisatorin Anita Seidel – und überließ ihr Mikrofon sowie das Rampenlicht „einem Weltstar“ der Travestie-Szene, France Delon aus Nürnberg. Der Nachfolger des Ex-Moderators, der Travestie-Ikone Bäppi LaBelle, hatte das Publikum von Beginn an im Griff.

Mit frivolen Witzen, Zoten und Anekdoten brachte die „Vaginalfachverkäuferin von der Hanauer Landstraße“ den Saal quasi im Sekundentakt zum Johlen, Lachen, Schenkelklopfen und Applaudieren. „Man merkt, da ist ein Profi am Werk“, urteilte Ratsmitglied Uwe Forstmann, bescheinigte Delon einen „Hammer-Auftritt“. Die meisten im Publikum waren hörbar gleicher Meinung. „Da folgt Gag auf Gag, quasi in jedem Satz“, lobte Prinzessin Dani I. Sie erlebte eine weitere Überraschung, als ihr Prinz und Ehemann René I. beim Bonameser Fanfarenchor „Kellerblech“ die Trompete blies.

Der vom „Aida“-Kreuzfahrtschiff bekannte Delon führte erstmals durch die vierstündige Sitzung, zog Prominente durch den Kakao, nahm sich selbst auf die Schippe und brachte mit flotter Zunge auch die Künstler in den Umkleiden hinter der Bühne zum Schwitzen. „France redet zu schnell“, scherzte ein Techniker mit Blick auf den Zeitplan. Mal blond, mal mit orangefarbenem Haar, stöckelte Delon in Glitzerfummel über die Bühne. „Jetzt wecken wir Frankfurt auf!“, rief der Nürnberger in die Menge, schickte einen „Gruß an Udo“: Alles klatschte und stimmte ein zu „Griechischem Wein“. Zehn Künstler traten auf beim Auftakt, boten Tanz und Musik: So sorgte unter anderem Guggemusik für „Lärmbelästigung“; Mario Steffen traf jeden Ton und den Geschmack von Schlagerfreunden.

Als er zum „Festival der Liebe“ aufrief, bildeten sich erste Tanzpaare. Nach der Pause trieb „NDW“-Star Markus Mörl („Ich geb Gas“) die Stimmung auf den Höchstwert. Beim englisch-deutschen Cabaret-Singsang der Wild-West-Lady Anabell fielen die Reaktionen gemischt aus: „Gut, mal was anderes als Polizeikostüme“, lobte ein Narr im Polizeikostüm. „Völlig fehl am Platz! Keine Pointe, zu ordinär“, „einschläfernd“ kritisierten andere. Sportliche Choreografien der Frankfurt-Garde und der Stichling-Garde rissen das Publikum mehr mit.

Frankfurt feiert die einst in Köln gegründete Veranstaltung das siebte Jahr. Das 2016er-Motto lautet „Der neue Anfang ist gemacht, wir feiern weiter Fassenacht“. 2015 hatte sich der Große Rat nach Streit fast komplett erneuert. Gäste aus dem alten Rat sah Neu-Präsident Axel Heilmann beim Auftakt nicht. „Aber wir haben ja noch zwei Tage“, sagte er und betonte den Stellenwert der rosa Sitzung für die „tolerante Multikulti-Stadt“: „Sie gehört nach Frankfurt! Andere Städte dürfen, wir müssen.“

Für die letzte „Rosa Cloudchen“-Sitzung heute um 19.31 Uhr ( Nordwestzentrum, Walter-Möller-Platz 1) gibt es noch ein paar Restkarten.

 

Bilderstrecke Rosa Cloudchen: Frankfurt feiert schwul-lesbische Fastnachts-Sause
Mehr Party geht nicht: Die Rosa-Cloudchen-Sitzung des Grossen Rates der Karnevalsvereine Frankfurt bot am Sonntag, 10. Januar, ein abwechslungsreiches, kurzweiliges Programm mit vielen Künstlerinnen, Künstlern und Gruppen. Entsprechend grandios war die Stimmung im Saal. Unsere Bilderstrecke zeigt Impressionen.

 

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