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Direktorin stellt Programm für 2016 vor: So sieht das neue Jüdische Museum aus

Von Das Jüdische Museum Frankfurt ist derzeit ohne Haus – umso präsenter will es in der ganzen Stadt sein. Am 20. März steht die Eröffnung des Museums Judengasse an.
Künftig kommen Besucher von dieser Gebäudeseite ins Museum. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Künftig kommen Besucher von dieser Gebäudeseite ins Museum.
Frankfurt. 

Die Farbe an den Wänden ist frisch, Vitrinen sind aufgestellt und sogar erste Bilder hängen schon – im Museum Judengasse zeichnet sich langsam ab, was es einmal werden soll. Mirjam Wenzel, seit Jahresbeginn neue Direktorin des Jüdischen Museums Frankfurt, verriet gestern noch ein wenig mehr.

Künftig führt ein neuer Eingang vom Börneplatz ins Haus, womit alle Besucher zumindest die Mauer des Jüdischen Friedhofs und einen Teil der Gedenkstätte für die ermordeten Juden passieren. Der Blick auf die Mauer mit den vielen, vielen Namen führt bereits ein in die wechselvolle Geschichte dieses Ortes, dessen historische Eckdaten im ersten Raum der neuen Dauerausstellung vorgestellt werden. Von der reinen Chronik soll der Blick auf vielfältige Aspekte jüdischen Lebens in Frankfurt vor allem in der Frühen Neuzeit gelenkt werden. Die Themenvielfalt reicht von den unter Bewohnern des Ghettos verbreiteten Berufen bis zu den Beziehungen zwischen den jüdischen und christlichen Frankfurtern.

Nah am Alltag

In einem neuen Modell und auch in einem Film bekommen die Besucher die Chance, die Judengasse, in der die jüdische Bevölkerung Frankfurts über 400 Jahre leben musste, quasi zu durchschreiten, ja sogar einzelne Häuser der 330 Meter langen Straße, die von der Konstablerwache zum Main führte, virtuell zu betreten. „Alltagskultur da, wo sie gelebt wurde“, wollen Wenzel und ihr Team in der Ausstellung erlebbar machen. Deshalb werden einzelne Ausstellungsstücke künftig in den historischen Grundmauern präsentiert, die als Überreste der einstmals 195 Häuser beim umstrittenen Bau des Stadtwerkegebäudes Ende der 1980er Jahre freigelegt wurden. Die Vitrinen dafür sind bereits platziert. Zwei Jahre hat der Umbau gedauert, jetzt beginnt der Endspurt.

Wenn die Ausstellung am 20. März erstmals wieder für das Publikum öffnet, hat das Jüdische Museum Frankfurt immerhin wieder eine Adresse. Das deutlich größere Haupthaus am Untermainkai bleibt hingegen noch bis 2018 eine Baustelle. Bis dahin wird das Rothschildpalais saniert und um einen Anbau mit 600 Quadratmetern Ausstellungsfläche ergänzt.

Insgesamt gibt die Stadt rund 50 Millionen Euro für die Modernisierung beider Adressen aus. Im Rothschildpalais wird künftig vor allem die neuere Geschichte und laut Wenzel stärker denn je die Gegenwart jüdischen Lebens in Frankfurt und Europa vermittelt. Das solle in einer Dauerausstellung sowie mit temporären Präsentationen passieren.

Doch noch sind Ausstellung wie etwa zum Märtyrer-Begriff im Judentum oder dem wieder zunehmenden Antisemitismus, die Wenzel und ihr Team bereits planen, nichts als Zukunftmusik. Still soll es um das Jüdische Museum aber dennoch nicht werden.

Solange die eigenen Räume Baustellen sind, pflege das Museum eben eine „nomadische Existenz“, sagte Fritz Backhaus, einer der beiden stellvertretenden Direktoren, und verwies auf Ausstellungen und Veranstaltungen in anderen Häusern, an denen das Jüdische Museum maßgeblich beteiligt ist (siehe nebenstehenden Text).

Umzug in die Laubhütte

Seiner neuen Chefin, die zuvor die Medienabteilung des Jüdischen Museums in Berlin geleitet hat, ist es besonders wichtig, dass das Frankfurter Institut künftig von aller Welt aus erreichbar ist. Eine neue, umfassende Internet-Präsenz sei im Aufbau, sie solle „der dritte Standort“ des Frankfurter Hauses sein. So weit möglich, würden Bestände online zugänglich gemacht, Ausstellungen virtuell ergänzt und über die sozialen Portale Diskussionen mit Besuchern und Interessierten initiiert.

Ganz physisch will sich das Jüdische Museum im Spätsommer in Frankfurt präsentieren. In Anknüpfung an das Sukkot- oder Laubhüttenfest, mit dem Juden an die israelitische Wüstenwanderung erinnern und eigens dafür Hütten errichten, in denen sie sich treffen, speisen und musizieren, wird sich auch das Museum eine Art Laubhütte bauen. Geplant ist ein Pop-Up-Museum mitten in der Stadt, ein provisorischer Standort, in dem Mitarbeiter ihre Büros aufschlagen, mit Besuchern über die geplanten Ausstellungen und die neuen Museen reden, es Konzerte und Filmvorführungen sowie Workshops und gemeinsame Essen geben kann.

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