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Naturwissenschaft: So war die „Night of Science“ auf dem Campus Riedberg

Mit viel Liebe zur Forschung präsentierten die naturwissenschaftlichen Fakultäten ihre Arbeit. Man konnte glauben, jedes Rätsel dieser Welt kann gelöst werden. Es gab aber auch Anlass zum Pessimismus.
Unter ultraviolettem Licht scheinen die Gesteine aus sich heraus zu leuchten. Aber nur für Menschen. Weil die Schwarzlicht nicht sehen können. Für eine Katze, wäre es hier dagegen taghell. Unter ultraviolettem Licht scheinen die Gesteine aus sich heraus zu leuchten. Aber nur für Menschen. Weil die Schwarzlicht nicht sehen können. Für eine Katze, wäre es hier dagegen taghell.
Frankfurt. 

Die gute Nachricht überbringt Anna Frebel, eine renommierte Astronomin vom Massachusetts Institute of Technology, schon in der Eröffnungsvorlesung: Etwas Zeit bleibt der Menschheit auf der Erde noch, um die Rätsel der Welt zu entschlüsseln. So ungefähr fünf Milliarden Jahre. „So lange macht es die Sonne noch“, sagt sie und erntet dafür viel Schmunzeln in dem prallgefüllten Hörsaal auf dem Campus Riedberg. Die Sonne – etwa 4,6 Milliarden Jahre alt – gehöre nämlich zu den kleineren Sternen. In denen brauchten die physikalischen Prozesse länger, bis sie alle Energie im Stern verbraucht hätten und das ganze implodiert.

Bei der „Night of Science“ – Nacht der Wissenschaften – war man sich nicht immer sicher, ob die fünf Milliarden Jahre reichen würden, damit die Menschheit abschließend ergründen kann, was denn die Welt nun im Innersten zusammenhält. Für eine optimistische Haltung sprach, mit wie viel Liebe die Studenten ihre Forschungen der breiten Bevölkerung zeigten. Wie Eltern ihr Neugeborenes. Jeder der Besucher sollte sich wohlfühlen: Apfelwein für einen Euro, Bulette für zwei und zum Nachtisch: leckeres Stickstoff-Eis.

Helium und Wasserstoff

Auch Frebels Vortrag machte Mut. Sie erforscht das All kurz nach dem Urknall. „Damals gab es nur Wasserstoff und Helium, und daraus bildete sich die erste Generation von Planeten“, sagte sie. Die gibt es zwar alle nicht mehr. In ihnen entstanden aber Metalle, die ins All geschleudert wurden, als die Sterne implodierten. Daraus entstand die zweite Sternen-Generation. Davon gibt es noch ein paar und von den Eigenschaften ihrer Oberfläche lassen sich, so Frebels These, Rückschlüsse auf die frühe Phase des Universums schließen. Sie erforscht also selbst das, was es gar nicht mehr gibt. In Sachen Makrokosmos ist die Naturwissenschaft also anscheinend gut dabei.

Das wohlige Gefühl, auch der Mikrokosmos muss nicht für immer ein Geheimnis bleiben, hat Alexander Hahn gemacht. Er ist Doktor am Max-Plank-Institut und zeigt den Besuchern das Elektronenmikroskop der Uni. Da müssen sich die zwar Laien bemühen zu verbergen, dass sie kaum etwas verstehen. Hahns Leidenschaft entgeht aber keinem. „Sehen sie das“, fragt er in die Runde und zeigt auf einen Monitor. Graue Fläche mit grauen Flecken ist zu sehen. „Da, das Protein. Es hat die Form einer sieben-eckigen Pyramide“, sagt Hahn als erwarte er, dass jemand „Ach du heiliger Bimbam“ ruft. Niemand reagiert. „Warum gerade diese Form“, erklärt er seine Forschungsfrage. „Damit kann ein Virus Abwehrmechanismen des Körpers überlisten. Aber woher weiß das Protein das? Ein einzelnes Protein!“

Bei soviel Enthusiasmus glaubt man auch die zellulare Ebene in guten Händen und kann sich getrost an den schönen Seiten der Wissenschaft erfreuen. Im Geozentrum haben die Forscher etwa fluoreszierendes Gestein ausgestellt. Im Dunkeln unter Schwarzlicht leuchtet er in den buntesten Farben. Das Erz gelb, Rubine dunkelrot.

Sich selbst im Weg stehen

Doch am Eingang holt einen schon der Wissenschafts-Pessimismus wieder ein. Am Stand von Greenpeace sprechen Studierende darüber, wie Mikroplastik das Öko-System des Meeres gefährdet. Es ist wohl nicht die „Lebensdauer“ der Sonne, die die Menschheit limitiert. Wie häufig die sich selbst im Weg steht, machte auch eine Studentin vor Frebels Vortrag deutlich. Alle, die Naturwissenschaften studiert haben oder studieren, sollten ihre Arme heben. Viele meldeten sich. Viel Potenzial also, um den Geheimnissen der Welt an den Kragen zu gehen – denkt man. „Und jetzt lassen nur die Frauen den Arm oben“, sagt die Studentin. Nur noch wenige melden sich noch. Es könnte also so viel mehr Gehirnschmalz geben. Als Beweis gibt sie das Wort an Anna Frebel. Aber die startet mit einer guten Nachricht. Es ist noch etwas Zeit.

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