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Schüsse in Frankfurt: So wurde der Rocker hingerichtet

Von Nach den Todesschüssen in Nieder-Eschbach ist der Schütze in Untersuchungshaft genommen worden. Augenzeugen berichten, dass er sein Opfer – ein Mitglied der Rockergruppe „Gremium MC“ – mit unglaublicher Brutalität hinrichtete.
Dieses Foto ihres Rockerfreunds stellte der „Gremium MC“ ins Netz. Bilder > Dieses Foto ihres Rockerfreunds stellte der „Gremium MC“ ins Netz.
Frankfurt. 

Nach den Schüssen in Nieder-Eschbach, bei denen ein Mann getötet und zwei weitere Männer verletzt wurden, führt die Spur der Ermittler ins Rockermilieu. Das 29 Jahre alte Todesopfer war Mitglied der Rockergruppe „Gremium MC“, die wie die „Hells Angels“, „Bandidos“ und „Outlaws“ der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Die Fuldaer Rocker des „Gremium MC“ stellten gestern eine Todesanzeige ihres „Kimbo“ genannten Freundes auf ihre Internetseite. Er wäre am Montag 30 Jahre alt geworden.

Während sich etwa 20 Freunde „Kimbos“ am Park im Ben-Gurion-Ring versammelten, um vor den Blumen und Kerzen am Tatort auszuharren und Pressevertreter unter wüsten Drohungen zu verscheuchen, begann im Institut für Rechtsmedizin die Obduktion der Leiche. Doris Möller-Scheu, Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, sagte am Nachmittag, dass 35 Schusswunden festgestellt worden seien. Acht Wunden hätten sich am Kopf befunden, der noch weitere schwere Verletzungen – offenbar von Tritten und Schlägen – aufwies. Möller-Scheu betonte, dass es sich bei den Schusswunden um Ein- und Austrittsverletzungen handele, so dass nicht von 35 Treffern auszugehen sei.

 

Mit dem Anwalt zur Polizei

 

Der 27 Jahre alte, mutmaßliche Täter hatte sich bereits am Mittwochabend, wenige Stunden nach der Bluttat, im Beisein eines Rechtsanwalts im 1. Polizeirevier auf der Zeil gestellt. Er führte die Beamten persönlich zur Tatwaffe, einer Pistole, die er in Tatortnähe auf das Dach einer Garage geschleudert hatte. Zu seiner Tat machte der unter anderem wegen Drogen- und Waffendelikten polizeibekannte Mann laut Staatsanwaltschaft erst mal keine Angaben. Er wurde am späten Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt und in Untersuchungshaft genommen. Ermittelt wird wegen des Verdachts auf einen heimtückisch und gemeingefährlich ausgeführten Mord.
 

Bilderstrecke Tödliche Schüsse am Ben-Gurion-Ring
Einen Tag nach dem gewaltsamen Tod eines Mitglieds der Rockervereinigung «Gremium MC» sucht ein Polizist mit einem Spürhund am Tatort immer noch nach Patronenhülsen.  Alle Fotos: Boris Rössler/Bernd KammererBei der Obduktion der Leiche aus dem Park im Ben-Gurion-Ring wurden 34 Schusswunden entdeckt.Mehrere Experten und Einsatzkräfte suchen am Tatort nach weiteren Spuren.

Über das Tatmotiv war von offizieller Seite auch gestern noch nichts zu erfahren. Offenbar gehen die Strafverfolger weiter der Vermutung nach, dass ein Streit eskalierte, der sich um Geld – möglicherweise aus Drogengeschäften – drehte. Inwiefern der Konflikt mit „Kimbos“ Mitgliedschaft im „Gremium MC“ in Verbindung steht, ist Gegenstand der Ermittlungen.

Fest steht, dass auch der getötete Rocker keine weiße Weste hatte: Die Polizei führte ihn als „Intensivtäter“, wegen Drogen- und Körperverletzungsdelikten und anderen Straftaten stand er bereits mehrfach vor Gericht, mindestens einmal wurde er zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. In der Umgebung des Parks war gestern zu hören, dass „Kimbo“ der Kopf einer Drogenhändlerbande gewesen und vor zwei Jahren aus der Haft entlassen worden sei. Aussagen dieser Art, die natürlich mit Vorsicht zu genießen sind, waren in der Siedlung viele zu hören.

 

Mitarbeiter der Jugendhilfe

 

Aus Polizeikreisen hieß es gestern, dass der Schütze und seine drei Opfer allesamt einen Wohnsitz in Frankfurt und einen Bezug zum Ben-Gurion-Ring gehabt hätten. Der Täter und sein Opfer hätten sich ein Leben lang gekannt, sagte der Einsatzleiter der Mordkommission, Frank Hartmann. Zusammen mit einigen Kollegen war er am Nachmittag zum Tatort zurückgekehrt, um auch mit Metalldetektoren nach weiteren Spuren zu suchen.

In der Siedlung am Ben-Gurion-Ring waren die Schüsse gestern das Gesprächsthema Nummer eins. Viele Siedlungsbewohner gaben an, die Tatbeteiligten vom Sehen zu kennen. Die beiden Verletzten sind beide außer Lebensgefahr. Der 33-Jährige bekam laut Staatsanwaltschaft zwei Kugeln ab, von denen mindestens eine im Bauch einschlug. Den 29-Jährigen traf ein Projektil am Po. Das Sozialdezernat bestätigte gestern, dass der jüngere Verletzte für den Evangelischen Verein für Jugendsozialarbeit arbeitet. Angeblich ist er im Jugendhaus Am Bügel tätig.

Karl-Heinz D., ein Augenzeuge der Bluttat, berichtete den Tränen nahe, dass der Täter „außer Rand und Band gewesen“ und unglaublich brutal vorgegangen sei. Nach einer Rangelei und den ersten Schüssen habe er sich dem schon schwerverletzt am Boden liegenden Mann abermals genähert und mehrfach auf ihn gefeuert. Auch getreten und mit der Pistole geschlagen habe er ihn. Ein anderer Augenzeuge, der ungenannt bleiben möchte, sagte: „Das war ganz klar eine Hinrichtung.“

Um den früher als kriminelles Pflaster verschrienen Ben-Gurion-Ring war es zuletzt still geworden. Viele Anwohner hoffen nach dem Vorfall, dass das Gerede vom „sozialen Brennpunkt“ nicht wieder von vorn beginnt.

 

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) der Polizei nahm die Ermittlungen auf. Bei der anschließenden Suche war auch ein Hubschrauber im Einsatz.
Mord im Rockermilieu Todesschüsse im Park: eine Hinrichtung

Das Ergebnis der Obduktion lässt keinen Zweifel: Der Mord im Ben-Gurion-Ring war eine Hinrichtung. Der Täter hat sein Opfer regelrecht durchlöchert - und hat auch danach nicht von ihm abgelassen. Der Getötete war ein Rocker der «Gremium MC».

clearing

 

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