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Diskussion im Planungsdezernat: Sollte die Stadt Regenwasser für die Klospülung sammeln?

Von Wasser als kostbarer Rohstoff, als Bedrohung, als technische Größe in der Stadtplanung? Darüber wurde gestern im Planungsdezernat diskutiert. Brisanz erhält die Fragestellung auch , weil im Raum Frankfurt wieder deutlich mehr Wasser gebraucht werden wird.
Foto: Schierenbeck / Symbol
Frankfurt. 

„Frankfurt wird wärmer, die Sommer heißer, der Starkregen wird zunehmen“, sagt Dr. Martina Winkler. Sie hat für das Institut für sozial-ökologische Forschung ein Forschungsprojekt geleitet, in dem es darum geht, wie die Wasserinfrastruktur künftig aussehen sollte. Die Betriebszeit eines Kanalsystems betrage 50 bis 100 Jahre. „Die Entscheidungen müssen heute getroffen werden, wie auch immer der Klimawandel sich nun wirklich auswirken wird“, erklärt Winkler bei einer Diskussion im Planungsdezernat.

Ihr Vorschlag, an einigen Flächen in Frankfurt, etwa in Niederrad schon praktiziert: Mit Grauwasserbewirtschaftung, also einem zweiten, aus dem eigenen Ziehbrunnen oder der Zisterne gewonnenen Wassersystem für die Toilettenspülung, lasse sich 25 bis 30 Prozent des Trinkwassers sparen, so Winkler. Zugleich wird das Regenwasser genutzt.

"Wir müssen neu denken"

Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) bedauert, dass in der Wasserinfrastruktur der vergangenen 60 Jahre einiges verpasst wurde. „Wir müssen neu denken. Zum Beispiel auf dem Riedberg, wo das Brauchwasser im Teich zurückgehalten wird.“ Bei neuen Stadtteilen könne man das tun,. Mehr Sorge macht sich Heilig um die eng bebaute Innenstadt, wo fast alle Flächen versiegelt sind. „Nachverdichtung? Ich sage nein.“ Doch dem widerstrebt das Interesse von 15 000 Menschen, die jährlich nach Frankfurt ziehen und Wohnungen brauchen.

Frank Junker ist da der richtige Ansprechpartner – auch wenn der ABG-Geschäftsführer und Leiter des größten Immobilienkonzerns der Stadt richtig grün ist: „Wir haben in verschiedenen Bauprojekten gezeigt, dass der Passivhausstandard im Wohnungsbau machbar ist.“ Nicht nur das: Seit 25 Jahren in der Position, hat Junker, wie er sich erinnert, als erstes für alle Wohnungen je eigene Wasserzähler anbringen lassen. Seitdem sei der Verbrauch drastisch gesunken – um 20 Prozent pro Haushalt.

Aus dem Publikum, einem Kreis von etwa 30 Angestellten der Stadt und anderer Institutionen, meldet sich Dr. Hubert Schreiber, Sprecher von Hessenwasser, dem Versorgungsunternehmen. Frankfurt sei ein Schwamm, und mit dem Zuwachs an Einwohnern wachse nun auch wieder der Wasserbedarf . Bis 2030 könnten es 14 Millionen Kubikmeter mehr sein (wir berichteten). „Im heißen Sommer 2015 kamen wir an unsere Grenzen.“

Trinkwasser am Limit

Das Netz sei für diese Grenze ausgelegt, „aber wir haben nie erwartet, dass wir so früh an die Grenze stoßen“, so Schreiber. Jetzt sei es wichtig, schnell neue Wasserleitungen zu bauen, weil Frankfurt wachse. „Und 15 Jahre sind nicht wirklich viel für so eine Infrastrukturmaßnahme.“

Sebastian Meyer, bei der Stadtentwässerung für die Grundlagen zuständig und damit für das Abwasser erläutert: Frankfurts Kanäle sind bis zu 150 Jahre alt und auch für Starkregen ausgelegt. Heute funktioniere es nicht mehr, wenn Kanäle unter den Straßen liegen, die für die Aufnahme von Starkregen berechnet sind und meistens trocken liegen. Daher werden die großen Kanäle seit 2010 nicht mehr gebaut. Auch in Frankfurt muss auf Anordnung der Europäischen Union jedes Grundstück selbst für die Beseitigung des Regenwassers sorgen. Damit stellt sich dann auch wieder die Frage nach den versiegelten Flächen.

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