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Bürgerinitiative Sachsenhausen: "Sonderrabatte waren ein klarer Wortbruch"

Von Das Land Hessen hat die umstrittenen Sonderrabatte für neue Airlines am Frankfurter Flughafen nicht wie von Fraport gewünscht genehmigt. Vorteile gibt es für sie dennoch. FNP-Redakteurin Julia Lorenz hat darüber mit Wolfgang Heubner von der Bürgerinitiative Sachsenhausen gesprochen.
WolfgangHeubner Foto: Michael Faust WolfgangHeubner

Gestern hat Hessens Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) verkündet, dass es entgegen den Plänen von Fraport keine Sonderrabatte für Neukunden geben wird. Allerdings gibt es finanzielle Vorteile, wenn man mehr Passagiere von Frankfurt transportiert. Was sagen Sie zu der neuen Entgeltordnung?

WOLFGANG HEUBNER: Es ist zumindest der richtige Weg, die richtige Tendenz, dass den Neukunden keine Rabatte von 50 Prozent zugestanden werden. Aber das klingt auch nur auf den ersten Blick gut. Denn durch die finanziellen Anreize für mehr Passagiere ist es faktisch eben doch eine Bevorzugung der Neukunden. Und mehr Passagiere bedeuten am Ende mehr Flugbewegungen und mehr Lärm.

Dieser soll allerdings reduziert werden, indem die Fluggesellschaften motiviert werden, modernere und leisere Maschinen einzusetzen. Für laute Flugzeuge wird das Starten und Landen teurer.

HEUBNER: Das kommt uns Anwohnern natürlich entgegen. Alles, was den Lärm und die Schadstoffemissionen reduziert, ist gut. Da muss man aber auch erst einmal schauen, wann wir davon etwas merken. Das kann noch Jahre dauern.

Mit den Sonderrabatten hatte der Flughafenbetreiber Fraport die irische Billig-Airline Ryanair hierher gelockt.

HEUBNER: Das war ein klarer Wortbruch zu dem gegebenen Versprechen in der Mediation. Damals wurde von Fraport und der Landesregierung klar festgeschrieben, dass im Rahmen des Ausbaus Flüge nach Frankfurt Hahn verlagert werden. Das ist bisher nicht geschehen. Aber nun droht eine Verlagerung aus dem Hunsrück ins Rhein-Main-Gebiet.

Die Zahlen der Flugbewegungen und der Passagiere in Frankfurt sind rückläufig. Ist es da nicht legitim, dass Fraport versucht, neue Airlines anzulocken?

HEUBNER: Grundsätzlich ja, das sage ich als Betriebswirt. Aber es muss ja keine Billig-Airline sein. Sie sollten sich lieber nach anderen Airlines in der Premiumklasse umschauen. Ansonsten verkommt der Airport von einem Premium- zu einem Low-Cost-Flughafen.

Und das wäre nicht gut?

HEUBNER: Nein. Durch die Billiganbieter sinken in Frankfurt nicht nur die Ticketpreise für Flüge, sondern auch die Löhne für Arbeitnehmer. Zumindest besteht die Gefahr.

Wie kommen Sie darauf?

HEUBNER: Ryanair bezahlt seinen Mitarbeitern Dumpinglöhne. Ein großer Teil der Piloten und Flugbegleiter sind über Zeitarbeitsfirmen angestellt oder scheinselbstständig. Sie müssen die Flugzeuge selbst saubermachen und stehen an den Check-in-Schaltern. Das brauchen wir hier in Frankfurt nicht. Das wird zum weiteren Verfall der Löhne führen. Denn dann denken andere Fluggesellschaften und Firmen: „Was die können, können wir auch.“

In Sachsenhausen haben sich schon Anwohner darüber beklagt, dass sie aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen Angst vor Abstürzen haben, wenn Ryanair über ihre Häuser fliegt.

HEUBNER: Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Man ist nie gefeit davor, dass ein Pilot einen Fehler macht – wissentlich oder nicht.

Kommen wir noch mal zurück zur neuen Entgeltordnung: Erst vor wenigen Tagen haben Oberbürgermeister Peter Feldmann und Landrat Thomas Will (beide SPD) aus Groß-Gerau einen Appell an Al-Wazir gerichtet, das Rabattprogramm nicht zu genehmigen. Hat das den Minister beeinflusst?

HEUBNER: Ich denke, viele Dinge haben ihn beeinflusst. Die Bürgerinitiativen hatten ihm auch einen Brief geschrieben. Wenn der Minister die Rabatte genehmigt hätte, hätte er seine Rest-Glaubwürdigkeit verloren.

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