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Henri-Dunant-Schule: Sossenheim bekommt eine Stadtteil-Oper

Von Die Henri-Dunant-Schule hat Großes vor: Im Mai 2018 soll die Stadtteiloper „Sehnsucht nach Isfahan“ Premiere feiern. Beteiligt sind die gesamte Schülerschaft, Profis aus dem Bereich Musik und Schauspiel – und Sossenheimer jeder Altersgruppe, die mitmachen wollen.
Laut und deutlich: Anne Rumpf und Linda Joan Berg üben mit den Kindern, die im Chor singen, Stimmbildung. Foto: Leonhard Hamerski Laut und deutlich: Anne Rumpf und Linda Joan Berg üben mit den Kindern, die im Chor singen, Stimmbildung.
Höchst / Sossenheim. 

„Ein solch umfangreiches Projekt hatten wir noch nie“, sagt Ulrich Grünenwald. Bei einem kleinen Rundgang durch die Sossenheimer Henri-Dunant-Schule, die sich derzeit im Höchster Exil in der Palleskestraße befindet, wird schnell klar, was der Rektor meint: Eine ganze Stadtteiloper soll im Mai kommenden Jahres aufgeführt werden: Mit von der Partie sind nicht nur alle rund 300 Schüler. Auch ein Projektchor, der sich aus Ehemaligen und Erwachsenen jeden Alters aus dem Stadtteil zusammensetzt, probt bereits einmal in der Woche. Mitsingen kann jeder, Vorkenntnisse sind keine erforderlich.

Arbeit an Projekttagen

Das Stück, „Sehnsucht nach Isfahan“, erzählt vom persischen Universalgelehrten Ibn Sina, im Westen auch als Avicenna bekannt. Er lebte vor etwa 1000 Jahren für die Wissenschaft, hat unter anderem bedeutende Werke über Medizin, Philosophie und Musik geschrieben. Seine Geschichte ist gleichzeitig eine von Abenteuern, Gefahren und Gefängnissen. Mehr als genug Anhaltspunkte also, um sie im Unterricht zu vertiefen. „Wir haben einen Erste-Hilfe-Kurs für Kinder angeboten, und Ibn Sina ist auch Thema in unserer neuen Philosophie-AG“, erklärt Grünenwald. Die meiste Arbeit findet jedoch im Unterricht oder an Projekttagen wie in dieser Woche statt.

An dem Werk sollen alle beteiligt sein: Die dritten und vierten Klassen auf der Bühne, die ersten und zweiten im Publikum. Obwohl, das stimmt nicht ganz: In der Aula der IGS West tanzen sie gerade, drücken Freude, Trauer und Unglück aus. Lehrerin Jitka Holíková leitet sie an, ihr zur Seite stehen Schauspielerin Sabine Fischmann (Regie und szenische Darstellung) und der Pianist und Dirigent Markus Neumeyer (musikalische Leitung). Das Ganze wird gefilmt, denn die Aufnahmen sollen bei der Aufführung per Beamer als Hintergrund eingespielt werden. So kommen die Kleinen am Ende ebenfalls doch noch ganz groß auf der Bühne raus.

Das Thema ist Flucht

Auch das Thema Flucht begleitete Ibn Sina – ein weiterer Bezugspunkt für die Schule mit zwei Intensivklassen und einem Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund von rund 90 Prozent. „Die Zahl täuscht ein bisschen“, schränkt Grünenwald ein. Viele von ihnen seien in Deutschland geboren und aufgewachsen, nachdem die Eltern oder Großeltern hierher kamen.

Bei den deutschen Kindern sei Ibn Sina weitgehend unbekannt, aber einige Schüler – etwa mit afghanischen Wurzeln – hatten schon von ihm gehört. „Die Schule ist fortschrittlich geführt und leistet tolle pädagogische Arbeit“, ist Sabine Fischmann voll des Lobes. Der Aufwand und das Engagement sind bei einem Projekt, an dem die Schule und der Stadtteil teilhaben sollen, nicht zu unterschätzen.

Ihren Ursprung hat die Stadtteiloper im Stadtstaat Bremen. Dort knüpften die Deutsche Kammerphilharmonie und eine Gesamtschule Kontakte zueinander: „Die Musiker hatten ihre Proberäume in der Schule“, berichtet der Rektor.

Die meisten Musikstücke stammen aus der Feder von Georg Friedrich Händel, die Texte erarbeiteten Schüler. Die Bremer traten 2016 bei den Europa-Kulturtagen der Europäischen Zentralbank in Frankfurt auf, einige Henri-Dunant-Schüler waren dabei. So kam die Idee nach Sossenheim. Unterstützt wird das Projekt unter anderem vom Stadtschulamt, Fraport und dem Kultur- und Förderkreis.

„Gib auf das Kämpfen, kleiner Mann“, schallt es aus vielen Kehlen aus einem anderen Raum. In dieser Gruppe stehen gerade Stimmbildungsübungen mit Linda Joan Berg, einer der Hauptdarstellerinnen von „Sehnsucht nach Isfahan“, und Lehrerin Anne Rumpf auf dem Programm. Als sie „Level 3“ ankündigt, kommen begeisterte, aber auch ehrfürchtige Reaktionen. Level 3? Bedeutet „Tutti“: Alle drei Stimmen kommen vom Band respektive USB-Stick, und die Schüler selbst sollen ihre eigene Stimme im Kopf mitsingen. Die Übungen sind nicht leicht, aber die Proben können sich schon hören lassen.

Die Infos zur Stadtteiloper

„Sehnsucht nach Isfahan“ feiert am Donnerstag, 17. Mai, um 18 Uhr im Volkshaus Sossenheim (Siegener Straße 22) Premiere. Eine weitere Vorstellung für Schüler wird es am darauffolgenden Tag geben. Wer sich dem Projektchor anschließen möchte, findet dazu Informationen auf www.henri-dunant-grundschule.de.

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