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Romantik-Museum: Spatenstich mit Stiefeln

Von Nach jahrelangen Diskussionen hat der Bau des Romantik-Museums am Goethehaus jetzt auch offiziell begonnen. Der erste Spatenstich stieß gestern auf bundesweite Beachtung. Das insgesamt 16 Millionen Euro teure Haus soll im Sommer 2019 eröffnet werden.
Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mit dem Modell des Museums. Bilder > Foto: Heike Lyding Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) mit dem Modell des Museums.
Frankfurt. 

Das ehemalige Buchhändlerhaus im Großen Hirschgraben ist längst abgerissen, am Rande der Baugrube ist die Brandmauer des benachbarten Goethehauses zu sehen. Mit massiven Stahlträgern wird sie vor dem Einsturz bewahrt. Und nicht nur das: An mehreren Stellen im rekonstruierten Geburtshaus sind Sensoren montiert, die Alarm schlagen, wenn sich Wände oder Decken bewegen. In diesem Fall wird Baggerfahrer in de Baugrube sofort per SMS aufgefordert, die Arbeiten zu stoppen.

„Es ist eine schwierige Baustelle“, sagte Frank Junker, Chef der städtischen ABG-Holding, am Montag beim ersten Spatenstich für das neue Romantik-Museum direkt neben dem Goethehaus. „Wir mussten die Altbauten händisch abbrechen, um die benachbarten Gebäude nicht zu gefährden.“ Drei bis vier Monate Verzug habe man derzeit. Dennoch ist er zuversichtlich, das Museumsgebäude Ende 2018 oder spätestens Anfang 2019 dem Freien Deutschen Hochstift als Betreiber übergeben zu können. Am vereinbarten Festpreis von zwölf Millionen Euro werde sich nichts ändern, versicherte Junker. Weitere vier Millionen Euro kostet die Einrichtung des Museums, das im Sommer 2019 eröffnet werden soll.

„Ein Stück Stadtreparatur“

Darüber hinaus errichtet die ABG auf dem nur 2100 Quadratmeter großen Grundstück 28 Wohnungen und ertüchtigt den Cantate-Saal, in dem die „Fliegende Volksbühne“ ein festes Quartier bekommen soll. Insgesamt investiert die städtische Gesellschaft rund 40 Millionen Euro. „Das ist auch ein Stück Stadtreparatur“, sagte Junker über das Bauvorhaben.

Dass das Museum zu dem Projekt gehören würde, stand lange Zeit nicht fest. Die eigens zum Spatenstich angereiste Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sprach von „Um- und Abwegen“. Sie spielte damit auf die zwischenzeitlich ungeklärte Finanzierung an. Ursprünglich sollten die Baukosten von 16 Millionen Euro zu gleichen Teilen von Bund, Land, Stadt und Sponsoren aufgebracht werden. Doch 2012 beschloss die damalige schwarz-grüne Koalition im Römer, den städtischen Anteil wegen der schlechten Haushaltslage zu streichen. Das Projekt schien vor dem Aus zu stehen. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) – der stets ein vehementer Verfechter des Museums war – befürchtete, dass nun auch Bund und Land ihre Finanzierungszusagen zurückziehen würden. Doch diese Befürchtung erwies sich als unbegründet. „Ich bedanke mich, dass Bund und Land bei der Stange geblieben sind“, sagte er.

6,2 Millionen Euro Spenden

Um die Finanzlücke zu schließen, wurde eine Spendenkampagne gestartet, die unter anderem Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und seine Vorgängerin Petra Roth (CDU) unterstützten. Insgesamt 6,2 Millionen Euro kamen auf diese Weise zusammen. Feldmann führt dies auf die „antiautoritäre Haltung“ der Frankfurter zurück, die nicht akzeptiert hätten, dass die damalige Stadtregierung das Museum nicht mehr wollte. Die größten Einzelspenden (jeweils 1,5 Millionen Euro) brachte die Deutsche Bank und die Grunelius-Stiftung. Hinzu kommen rund 1100 private Spenden. Der freigiebigste Geber von ihnen ist der Kölner Galerist Karsten Greve, der eine Million Euro beisteuerte. Ganz zurückgezogen hat sich die Stadt doch nicht: Die am Ende noch fehlenden 1,8 Millionen Euro kommen aus der Stadtkasse. Auch Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) zeigte sich begeistert von diesem Engagement, zog die Gummistiefel an und schippte drauf los.

Kulturstaatsministerin Grütters bezeichnete es als verwunderlich, dass es in ganz Deutschland bisher kein Museum zur Romantik gebe, obwohl es sich um eine „Schlüsselepoche der deutschen und der europäischen Geistesgeschichte“ handle. Ebenso verwunderlich sei es, dass wertvolle Schätze aus dieser Epoche bisher im Keller des Goethehauses lagerten. Die Handschriften und Gemälde werden künftig in dem neuen Ausstellungshaus zu sehen sein – neben multimedialen Elementen. „Es entsteht ein deutsches Heimatmuseum in besten Sinne“, sagte Grütters. „Das ist wichtig gerade in einer Zeit, in der viele Menschen in Deutschland eine neue Heimat suchen.“ Nach Einschätzung von Feldmann passt das Museum gut zur Stadt. Es werde „weltweit für Furore sorgen“. Das Haus hat der Frankfurter Architekt Christoph Mäckler entworfen.

Kommentar: Ein Fehler, der zum Glück ohne Folgen blieb

Es war einer der gravierendsten Fehler, den die schwarz-grüne Koalition in den zehn Jahren ihres Bestehens gemacht hat. Glücklicherweise hat er aber keine negativen Auswirkungen für die Stadt.

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