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„Theater und Schule“-Projekt: Spielend die Bühne erobern

Von Beim „Theater und Schule“-Spektakel zeigen Frankfurter Schüler, dass sie als Schauspieler, Darsteller und Musiker ein Publikum begeistern und verzaubern können. Die Vision dahinter: Theater soll irgendwann in allen Schulen Teil des Angebots sein.
Musik gehört zu einer richtigen Theatervorstellung einfach dazu: Die Konzertband der Ernst-Reuter-Schule 2 (hier sind im Vordergrund zwei Klarinettisten beim Spiel zu bewundern) eröffnete das „Tusch“-Festival im Mousonturm. Bilder > Foto: Holger Menzel Musik gehört zu einer richtigen Theatervorstellung einfach dazu: Die Konzertband der Ernst-Reuter-Schule 2 (hier sind im Vordergrund zwei Klarinettisten beim Spiel zu bewundern) eröffnete das „Tusch“-Festival im Mousonturm.
Nordweststadt. 

Glück, das bedeutet für den einen mit der Mama im Bett zu liegen und zu kuscheln. Für den anderen ist Glück, in der freien Natur zu toben oder ein Buch zu lesen und in fremde Welten einzutauchen. „Und? Was bedeutet für dich Glück?“ – Mit dieser existentiellen Frage endet das emotional packende Stück der Klasse 1c der Kirchner-Schule. Lauter Beifall ertönt. Die Gesichter im Publikum strahlen. Es ist gelungen. Der Funke ist übergesprungen und der Zauber des Theaters konnte seine Wirkung bei den Jungen und Mädchen, Eltern und Lehrern entfalten.

„Das Marschieren“, sagt Susanne lächelnd. Das habe ihr am meisten Spaß gemacht. Die Siebenjährige sitzt auf dem Boden im Aufenthaltsraum des Mousonturms. Die Aufregung ist abgefallen. Sie und ihre Mitschüler sind zufrieden mit ihrem Auftritt. Fast 20 Minuten lang haben die Erstklässler der Kirchner-Schule auf der Bühne mit einem selbst geschriebenen und inszenierten Stück beim „Theater und Schule“-Projekt (kurz Tusch) im Mousonturm bestritten. Unterstützung erhielten sie dabei von einem Profi: Christiane Alfers vom Grüne-Soße-Theater half den Grundschülern und ihrer Klassenlehrerin Manuela Adalati bei diesem Projekt, das die Beteiligten in nur einer Woche stemmten. „Man muss es altersgerecht machen“, sagt Theaterpädagogin Christiane Alfers. Dann könne man gut mit Kindern in jedem Alter arbeiten. Deswegen sei etwa Bewegung ein elementarer Bestandteil bei dem Stück der 1c gewesen und der Text auf wenige kurze Aussagen begrenzt worden.

Seit neun Jahren „Tusch“

Wie die Kirchner-Schule bis vor kurzem nehmen derzeit 17 Frankfurter Schulen am Theater-Projekt teil. Es wurde vor neun Jahren in Frankfurt am Main ins Leben gerufen. Ziel ist es, Theater-Profis an Grund- und weiterführende Schulen einzuladen, um die Schüler vom kreativen Know-How profitieren zu lassen. „Es geht um das gemeinsame Erleben“, erklärt Joachim Reiss vom Schultheater-Studio Frankfurt. Er ist der Ideengeber des Projektes. Der Theaterlehrer ist überzeugt, dass Schüler und die Schulen immens von diesem Austausch profitieren können. „Man macht etwas gemeinsam“, sagt er. Auf diesem Wege lerne man sich anders kennen. Das sei oft gut für Lehrer, Schüler und die Schulgemeinschaft insgesamt. „Der meistgehörte Satz ist: ,Och, das hätte ich dem ja niemals zugetraut’“, erzählt er. Lehrer sähen häufig nach so einem Projekt gerade auch ihre schwierigeren Schüler in einem positiveren Licht.

Und die Schüler selbst? Die genießen es, mal ’rauszukommen aus dem Schulalltag: „Das ist kein Unterricht und man bekommt keinen Ärger – oder zumindest nicht so viel“, sagt etwa Mino (7). „Es ist schön, die anderen Theater spielen zu sehen“, meint sein Klassenkamerad Franz über das Tusch-Spektakel, bei dem alle Schulen ihre Projekte vorstellen.

Philosophische Ansätze

Theater-Spielen als Gegensatz zum normalen Unterricht – diesen Aspekt betont auch die Klassenlehrerin von Mino und Franz, Manuela Adalati. „Wir sind eine Leistungsgesellschaft geworden – da kommt das Spielen selbst bei den Grundschülern zu kurz“, sagt sie. Durch den Theater-Unterricht erhielten die Kinder einen Freiraum für ihre Spielfreude und Kreativität. Zugleich ließen sich hiermit verschiedene andere Elemente wie philosophische Ansätze verknüpfen.

Aus Sicht von Joachim Reiss bietet das Theater-Spielen noch viele weitere positive Effekte: Die Entwicklung der Persönlichkeit werde gefördert, ebenso die Empathiefähigkeit und die Kreativität der Schüler. Zudem kämen sie so in den Genuss einer ästhetischen und künstlerischen Bildung.

Bislang haben rund 60 Schulen am „Tusch“-Projekt teilgenommen. Jeweils zwei Jahre kann eine Schule für ihre Kooperation mit einem Theater gefördert werden. Danach ist Schluss. Wobei die Hoffnung der Initiatoren ist, dass dieser kreative Anschub weiter für eigene Projekte und Strukturen in den Schulen genutzt wird.

Mindestens 15 Jahre, schätzt Reiss, werde es noch dauern, bis alle Frankfurter Schulen an „Tusch“ teilgenommen haben werden. Finanziert wird das Theater-Projekt derzeit vom Stadtschulamt, vom Land Hessen sowie von verschiedenen Stiftungen wie der Dr. Marschner Stiftung und der Stiftung Junge Weltbürger. Rund 45 000 Euro werden pro Jahr investiert.

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