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Interview mit Markus Frank: Sportdezernent : "Rennsport nicht mehr tragfähig"

CDU-Stadtrat Markus Frank ist der Multifunktionär im Magistrat. Er ist für Sport, Sicherheit und Wirtschaft zuständig. Im Gespräch mit FNP-Redakteur Günter Murr erläutert er, warum es mit der Multifunktionsarena nicht vorangeht, was auf der Rennbahn und im Bahnhofsviertel passiert und was die Kunden der Kleinmarkthalle zu erwarten haben.
Frankfurt. 
Als Wirtschaftsdezernent bekennt sich Markus Frank (CDU) zum Erhalt der Kleinmarkthalle. Es soll in den kommenden Jahren nur das Nötigste saniert werden. 	Foto: Leonhard Hamerski Bild-Zoom
Als Wirtschaftsdezernent bekennt sich Markus Frank (CDU) zum Erhalt der Kleinmarkthalle. Es soll in den kommenden Jahren nur das Nötigste saniert werden. Foto: Leonhard Hamerski

Berlin und Hamburg bewerben sich um die Austragung Olympischer Spiele. Warum ist Frankfurt nicht dabei?

FRANK: Olympische Spiele sind eine großartige Idee. Voraussetzung dazu ist aber, das man die Menschen in der Region mitnimmt. Dazu braucht es eine gute Vorbereitung. Frankfurt würde sich nur zusammen mit der Region bewerben. Bei der heutigen Haushaltslage müsste man sich entscheiden, ob man für Olympische Spiele investiert oder in die Sportinfrastruktur unserer Vereine. Olympia ist eine schöne Sache, aber ich würde jetzt keine Bewerbung auf den Weg bringen wollen.

Stichwort Sportinfrastruktur. In die Fußballstadien wird viel investiert. Aber wie sieht es bei den anderen Sportarten aus?

FRANK: Wir hatten fünf gute Jahre, wir konnten mehr als 60 Millionen Euro investieren – nicht nur in Fußballstadien. Wir haben unter anderem die Fraport-Arena saniert, den 35. Kunstrasenplatz fertiggestellt und neue Funktionsgebäude errichtet. Wir haben eine schöne Aufholjagd hinter uns. Jetzt sind Konsolidierungsjahre angesagt. Natürlich gibt es immer etwas zu tun. Eines der Projekte, das ganz oben auf meiner Agenda steht, ist die Multifunktionsarena. Nicht nur für den Sport, sondern auch für kulturelle Veranstaltungen wäre sie sehr interessant für die gesamte Region.

Woran hängt es?

FRANK: Wir könnten ein interkommunales Projekt zwischen Frankfurt und Offenbach auf den Weg bringen. Aber niemand wird investieren, wenn es keine erstklassige Verkehrsanbindung der Halle gibt. Und wir brauchen im Grunde genommen nur noch eine Linksabbiegespur von der Strahlenberger Straße. Dafür würden lediglich ein paar Bäume entfallen, die derzeit nur auf dem Plan zum Umbau des Kaiserlei-Kreisels existieren. Der Plan ließe sich in Absprache mit Bund und Land optimieren. Dann könnten wir ausschreiben und einen Investor benennen.

Und warum geht es nicht?

FRANK: Die Stadt Offenbach sagt, sie will das Planfeststellungsverfahren nicht mehr ändern.

Warum?

FRANK: Ich befürchte, dass der eine oder andere in Offenbach die Hoffnung hat, auf dem Grundstück namhafte Unternehmen ansiedeln zu können, und deshalb gegen die Multifunktionsarena ist. Das Gute an unserer Idee ist, dass die Arena privat finanziert und betrieben wird. Am Kaiserlei, direkt an der A661, wäre sie gut sichtbar, was natürlich wichtig wäre für einen Namensgeber.

Gibt es keinen Alternativstandort?

FRANK: Plan B gibt’s immer. Aber wir kämpfen erst einmal für die Multifunktionsarena am Kaiserlei. Das ist der ideale Standort.

Sehen Sie eine Möglichkeit, die Pferderennbahn neben der geplanten DFB-Akademie weiter zu betreiben?

FRANK: In Frankfurt hat der Pferdesport eine lange Tradition. In den letzten Jahren hat man aber auch gemerkt, dass die Blütezeit vorbei ist, dass es immer schwieriger wird, die Rennen zu finanzieren. Wetten kann man heute fast überall, man muss nicht mehr auf die Rennbahn gehen. Das führt natürlich zu dramatischen Einbrüchen bei den Einnahmen. Ohne staatliche Unterstützung ist der Pferderennsport langfristig nicht mehr tragfähig. Auf der anderen Seite ist es für unsere Stadt eine Riesenchance, dass der DFB auf dem Gelände der Rennbahn sein Leistungszentrum bauen will.

Und ein verkleinerter Rundkurs, wie ihn der Renn-Klub vorgeschlagen hat?

FRANK: Das halte ich für extrem schwierig. Es hat uns noch niemand gezeigt, wie das in Kombination mit dem DFB und Auflagen des Landschaftsschutzes funktionieren kann. Und ich weiß nicht, ob es sinnvoll ist, viele Millionen Euro Steuergelder in die Hand zu nehmen, um vielleicht sieben Rennen im Jahr zu veranstalten.

Kommen wir zu Ihrer Funktion als Ordnungsdezernent. Es gibt zunehmend Beschwerden über die Drogenszene im Bahnhofsviertel. Hat sich die Situation verschlechtert?

FRANK: Insgesamt hat sich das Bahnhofsviertel in den letzten Jahren positiv entwickelt. Wir haben dort auch viele Drogenhilfeeinrichtungen und es gibt Zeiten, da funktioniert vieles sehr gut. Im Moment aber haben Stadt- und Landespolizei wieder mehr zu tun, um für die Sicherheit zu sorgen.

Woran liegt das?

FRANK: Der Frankfurter Bahnhof ist ein Kristallisationspunkt. Darauf müssen wir reagieren.

Wie?

FRANK: Das A und O ist natürlich Polizeipräsenz. Und das Bahnhofsviertel hat seine gewachsenen Besonderheiten, da wird es nie klinisch reine Straßenzüge geben.

Rund um die Eröffnung der neuen EZB sind wieder Proteste angekündigt. Wie wird sich das Ordnungsamt da verhalten?

FRANK: Wir haben über 1400 Demonstrationen im Jahr in der Stadt. Die allermeisten sind sehr gut organisiert und nicht gewalttätig. Aber wir haben in den vergangenen Jahren leider auch Ausschreitungen – zum Glück in wenigen Fällen – gehabt. Da ist es wichtig, sich gut vorzubereiten und mit den Veranstaltern ins Gespräch zu kommen. Wir müssen klarmachen, dass Frankfurt ein Ort für Demonstrationen, aber nicht für Gewalt ist.

Wird es Auflagen geben?

FRANK: Wenn wir Auflagen erteilen, hat das zum Beispiel damit zu tun, dass sich die Bevölkerung ja noch frei bewegen will. Blockaden können wir nicht hinnehmen. Die Hoffnung ist, dass die Demonstration so organisiert wird, dass sie friedlich ist. Ich erwarte, dass sich Veranstalter und Demonstranten von Gewalttätern distanzieren.

Sie müssen einen Interessenkonflikt lösen: Viele Menschen haben das Bedürfnis, im öffentlichen Raum zu feiern, andere wollen ihre Ruhe. Wie gehen Sie damit um?

FRANK: Frankfurt wird immer lebendiger. Wir haben viel Geld investiert und schöne Plätze geschaffen. Die Menschen haben diese entdeckt und fühlen sich dort sehr wohl. Aber die Anwohner wollen selbstverständlich auch ihre Nachtruhe. Der Friedberger Platz ist ein gutes Beispiel, wie wir allen Interessen gerecht werden können.

Aber sie können nicht jedes Mal einen so großen Aufwand mit einem runden Tisch betreiben.

FRANK: Das stimmt. Aber wir wollten zeigen, wie es funktionieren kann. Man muss miteinander reden. Das klappt jetzt auch an anderer Stelle. In Sachsenhausen hatten wir ähnliche Probleme, im Nordend haben wir neben dem Friedberger Platz noch zwei weitere Plätze, auf denen sich die Menschen treffen. Das wird zunehmen.

Sie sind zwar Wirtschaftsdezernent, aber nach einer Verfügung des Oberbürgermeisters nicht mehr für die Wirtschaftsförderung zuständig. Ist die Arbeit jetzt schwieriger geworden?

FRANK: Sie ist zumindest nicht einfacher geworden. Aber man kann durch intensive Gespräche eine ganze Menge erreichen. Wir haben zum Beispiel Unternehmen wie Condor oder DB Schenker motiviert, nach Frankfurt zu kommen.

Sie wollen mit dem Masterplan Industrie Gewerbeflächen sichern. Aber brauchen wir nicht eher Flächen für den Wohnungsbau?

FRANK: Die Stadt finanziert sich in erster Linie aus der Gewerbesteuer. Und die wird zu einem Drittel von Industrieunternehmen erbracht. Der Wohlstand der Stadt ist auch im Industriestandort begründet. Deshalb habe ich mich auf den Weg gemacht, ein Konzept vorzulegen, um den industriellen Unternehmen Perspektiven zu bieten. Mitte nächsten Jahres wird der Masterplan vorliegen, der in die umfassende Stadtentwicklungsstrategie eingebunden wird.

Wie geht es mit der Kleinmarkthalle weiter?

FRANK: Sie ist mittlerweile eine richtige Marke in unserer Stadt geworden. Deshalb muss man sie in ihrem Kern erhalten und in die neue Zeit führen. Das bedeutet, dass wir uns insbesondere um die Technik kümmern und die Hülle sanieren werden. Aber wir werden die einzigartige Ausstrahlung erhalten. Den Unternehmen kann man nicht ein Jahr Pause verordnen. Deshalb muss man behutsam vorgehen. Ziel ist es, im laufenden Betrieb zu sanieren.

Ist der Anbau noch ein Thema?

FRANK: Wir beschränken uns darauf, die notwendigsten Arbeiten zu machen.

Müssen die Händler mit höheren Mieten rechnen, wenn investiert wird?

FRANK: Im Moment planen wir die Maßnahmen und werden darauf die Kostenberechnung durchführen. Auf jeden Fall wird die Halle attraktiver für die Händler und die Kunden.

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