Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen
5 Kommentare

Ärger über Stadt-Bashing vom "Saubermann": Stadt Frankfurt prüft rechtliche Schritte gegen Peter Postleb

Von Als „oberster Saubermann Frankfurts“ war Peter Postleb weithin bekannt und geschätzt. Doch seit seinem Ausscheiden aus dem städtischen Dienst greift er die Behörden und ehemaligen Kollegen in der Öffentlichkeit immer wieder scharf an. Jetzt reagiert die Stadtverwaltung.
Als Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt war sich Peter Postleb für keine Fotoidee zu schade. Er stieg zur Not auch auf eine Mülltonne, wenn es dem Kampf für mehr Sauberkeit diente. So gut wie Postlebs Verhältnis zu den Medien war, so schlecht ist inzwischen sein Verhältnis zur Stadt. Foto: FNP Als Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt war sich Peter Postleb für keine Fotoidee zu schade. Er stieg zur Not auch auf eine Mülltonne, wenn es dem Kampf für mehr Sauberkeit diente. So gut wie Postlebs Verhältnis zu den Medien war, so schlecht ist inzwischen sein Verhältnis zur Stadt.
Frankfurt. 

Als Peter Postleb im Herbst 2013 aus dem städtischen Dienst ausschied, galt er als Institution. Zwölf Jahre lang hatte er die Stabsstelle Sauberes Frankfurt geleitet. Sein engagierter Einsatz gegen Sperrmüll, Bettlerlager, Taubendreck, Graffiti und andere Missstände trug ihm Titel wie „oberster Saubermann Frankfurts“ oder „Müllsheriff“ ein. Die von Petra Roth geschaffene Stabsstelle war direkt ans Büro der Oberbürgermeisterin angedockt. Postleb erarbeitete sich hilfspolizeiliche Befugnisse und ein übertarifliches Gehalt. Auch die Medien liebten den Mann mit der Schildkappe, der immer Klartext redete und sich für keine Fotoidee zu schade war. Postleb ging mit 65 Jahren in den Ruhestand. Es gab eine kleine Abschiedsfeier, alles schien gut zu sein.

Heute, drei Jahre später, ist Peter Postleb für viele Menschen, mit denen er früher eng zusammenarbeitete, eine Reiz-, wenn nicht sogar Hassfigur. Denn der ehemalige „Saubermann“, der sich als Sicherheitsberater selbstständig gemacht hat, wird nicht müde, öffentlichkeitswirksam Missstände auf Frankfurts Straßen anzuprangern und – mehr oder weniger deutlich – das Ordnungsamt, die Stadtpolizei, das Umweltamt und die Stabsstelle Sauberes Frankfurt vorzuführen. Das tut Postleb vor allem über seinen Twitter-Kanal und die Bild-Zeitung, die Postleb so oft zu Wort kommen lässt, dass in der Stadtverwaltung schon von einem „Beratervertrag“ gemunkelt wird.

Wie eine Wasserfolter

Dass Postlebs Twitter-Kurznachrichten bei den betroffenen Behörden wie jene Wasserfolter wirken, bei der das Opfer durch stetig auf den Kopf fallende Tropfen in den Wahnsinn getrieben wird, kann man sich lebhaft vorstellen: „Toll, dass Privatleute die Arbeit der Stadtverwaltung @Stadt_FFM machen, aber irgendwie auch ein Trauerspiel!“, twitterte Postleb über eine Reinigungsaktion von Anrainern der Taunusstraße. Mit den Worten „Frankfurter Impressionen, @Stadt_FFM“ veröffentlichte Postleb Fotos von Büro-Sperrmüll auf der Zeil und eines überquellenden Mülleimers an der Konstablerwache. Und zu Fotos von Plakaten auf dem eigentlich werbefreien Paulsplatz schrieb er: „@Stadt_FFM, Plakatierungsverbot gilt wohl nicht für alle?“

Außer mit solchen Tweets – Beispiele gibt es viele – schoss Postleb auch über „Bild“-Artikel, etwa über Bettel-Banden auf dem Kaisermarkt und Missstände auf der Zeil gegen die Stadt. Im Fall des obdachlosen „Eisenbahn-Reiner“, dem die Stadtpolizei, wie berichtet, das Spielzeug wegnahm, äußerte sich Postleb schließlich so scharf, dass mitunter von einer „Eskalation“ die Rede ist. In einem Schreiben an diese Zeitung, das in der Ausgabe vom Mittwoch veröffentlicht wurde, sprach er von „Rechtsbeugung“ und warf dem Pressesprecher des Ordnungsamts, den er namentlich nannte, „Vera . . . ng“ vor.

„Tief gekränkt“

Das war offenbar der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Offiziell will sich zum Fall zwar niemand äußern. Aus der Stadtverwaltung heißt es aber, dass jetzt rechtliche Maßnahmen gegen Postleb erwogen würden. Vor allem bei der Stadtpolizei, die häufig als Postlebs Zielscheibe herhalten muss, ist der Ärger groß. Einige Ordnungshüter sind angeblich „tief gekränkt“ wegen der Anfeindungen des „Müllsheriffs“ und verweisen darauf, dass sie diesen früher mit Rat und Tat unterstützt hätten. „So mit Dreck zu werfen, das ist einfach eine Nummer zu heftig“, findet ein langjähriger Mitarbeiter der Stadtpolizei. Auch darauf, dass sich Postleb die Entdeckung von Missständen auf die Fahne schreibe, die in seiner Amtszeit schon existierten und unbeseitigt blieben, wird empört hingewiesen.

Bei der Prüfung rechtlicher Schritte dürfte es auch um die Frage gehen, inwiefern Postleb im Ruhestand noch der Stadt als früherem Arbeitgeber verpflichtet ist. Und inwiefern er Informationen, die er nur von Dienstwegen haben konnte, verwendete und nach außen gab. Über Postlebs Motivation zum „Stadt-Bashing“ kursieren mehrere Theorien: Die einen mutmaßen, er habe gern noch als Stabsstellenleiter weitermachen wollen, die anderen behaupten, er habe sich als selbstständiger Berater einen städtischen Auftrag erhofft, aber keinen erhalten. Auch Geltungssucht wird mitunter angeführt: Postleb sei „einer, der einfach nicht loslassen kann“.

Postleb selbst räumt auf Nachfrage ein, dass es um das Verhältnis zwischen ihm und der Stadt nicht zum Besten bestellt ist. Anfangs sei der Kontakt noch „ganz gut“ gewesen, er habe sich auch mit früheren Kollegen aus verschiedenen Bereichen ausgetauscht. Mit der Zeit habe man ihn, wenn er auf Missstände hinwies, aber immer häufiger gefragt, was ihn das denn noch angehe. Mitunter sei auch wahrheitswidrig behauptet worden, seine Beobachtungen und Informationen seien völlig falsch.

Stein des Anstoßes

Als Beispiel nennt Postleb die Vorgänge um die abgelaufene Polizeiverordnung im Jahr 2014. Auf Grundlage der Verordnung verhängte die Stadt Bußgelder. In der Stadtverwaltung hatte man, wie berichtet, geglaubt, dass die Laufzeit der Verordnung mit jeder Änderung neu beginne. Wie sich herausstellte, war das aber nicht der Fall. Die Verordnung war längst ungültig geworden. Postleb sagt, dass er vom Ablauf der Verordnung erfahren und beim Ordnungsamt kritische Fragen dazu gestellt habe. Seitdem sei sein Verhältnis zur Behörde getrübt. Das Amt dürfte sich noch mehr als über Postlebs Fragen über die Berichte in der „Bild“ zum Thema geärgert haben.

Postleb betont, dass die Sauberkeit der Stadt für ihn „eine Herzensangelegenheit“ sei. Missstände zu melden, wenn er welche entdeckt habe, sei für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er räumt ein, dass die Sache zuletzt „eskaliert“ sei. Über das harte Vorgehen der Stadtpolizei gegen den wohnsitzlosen "Eisenbahn-Reiner" und, zuvor, den Heiligenbild-Maler Olaf habe er sich aber über die Maßen geärgert: Wer Obdachlose vertreibe, die auf der Straße ihren Lebensunterhalt verdienen und keine Sozialleistungen beziehen, habe eindeutig „die falschen Prioritäten gesetzt“.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse