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Stadt setzt auf E-Busse aus China

Als erste Stadt in Deutschland will Frankfurt nächstes Jahr den Linienverkehr mit großen Elektrobussen aufnehmen. Dazu wurde gestern eine Absichtserklärung mit einem chinesischen Hersteller unterzeichnet.
Sieht von außen aus wie ein normaler Linienbus, fährt aber rein elektrisch: der K9 von BYD aus China. Sieht von außen aus wie ein normaler Linienbus, fährt aber rein elektrisch: der K9 von BYD aus China.
Frankfurt. 

Im vergangenen September war Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) in China unterwegs. Spontan machte die Delegation einen Abstecher nach Shenzhen, einer Zwölf-Millionen-Einwohner-Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort hat der Autohersteller BYD seinen Sitz. Was Roth bei dem Unternehmen sah, beeindruckte sie. Der erst 1995 gegründete Konzern, der heute 200 000 Mitarbeiter hat, baut nicht nur Handy-Batterien und Computer-Teile, sondern auch Autos und Linienbusse, die rein elektrisch angetrieben werden. Solche will Roth auch für Frankfurt. Jetzt ist sie am Ziel: Mit Vertretern von BYD unterzeichnete sie gestern im Römer eine Absichtserklärung zum Einsatz der Busse. Nächstes Jahr werden zunächst drei Exemplare zu Testzwecken aus China geholt, die genauen Bedingungen werden noch ausgehandelt. Im Frühjahr werden die Busse auf verschiedenen Linien ausprobiert. "In einem dicht besiedelten Ballungsraum ist es wichtig, alle Emissionen zu reduzieren", sagte Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU). Leise und schadstoffarm sollen die Busse sein.

Es soll sich rechnen

Im Juni beginnt der fahrplanmäßige Betrieb auf einer neuen Linie zwischen den Flughafen-Terminals und dem neuen Gewerbegebiet Gateway Gardens. Dort wird extra eine Ladestation gebaut. Wenn der Probebetrieb erfolgreich ist, könnten Elektrobusse bei künftigen Ausschreibungen von Busleistungen zum Standard werden.

1,3 Millionen Euro werden in Busse und Ladestation investiert, ein Förderantrag bei der Europäischen Union läuft. Vor allem soll nachgewiesen werden, dass der Elektroantrieb auf Dauer wirtschaftlicher ist als die Diesel-Variante. In der Anschaffung ist er erst einmal teurer. 400 000 Euro kostet das Modell von BYD, ein Dieselbus ist dagegen schon für 280 000 Euro zu haben. Doch trotz dieser Mehrkosten ergibt sich laut BYD-Direktor Henry Li über einen Zeitraum von acht Jahren ein Kostenvorteil von mehr als 120 000 Euro, weil die Betriebskosten des Stromers deutlich niedriger seien.

In Shenzhen sind bereits mehrere Elektrobusse im Einsatz – laut Li ohne Probleme. Die Batterie reiche für 250 Kilometer und könne innerhalb von dreieinhalb Stunden wieder aufgeladen werden. Erst nach 5000 Ladezyklen müsse sie ausgetauscht werden. Li betonte, dass in den Bussen auch deutsche Technik verwendet werde, etwa Bremsen von Bosch. Darüber hinaus hat BYD mit der Daimler AG ein gemeinsames Unternehmen zur Entwicklung von Elektrofahrzeugen gegründet. BYD hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt: Nächstes Jahr sollen weltweit 3000 Elektrobusse ausgeliefert werden, im Jahr darauf bereits 10 000. Ein Engpass sei derzeit nur die fehlende Kapazität für den Bau der Batterien, betonte Li.

Frankfurt als Vorreiter

Mit dem Modellprojekt sei Frankfurt Vorreiter in Deutschland, betonte Roth. Tatsächlich sind hierzulande bisher nur elektrische Kleinbusse in Einsatz. Außerdem gibt es derzeit keinen europäischen Hersteller, der einen Standard-Linienbus mit reinem Elektroantrieb im Programm hat. Auch die Leitstelle der "Modellregion Elektromobilität" tat sich schwer, ein Fahrzeug zu finden, das auf der Linie 103 zwischen Offenbach und Frankfurt eingesetzt werden könnte. Jetzt greift man auf ein Modell zurück, das sogar in der Region gebaut wird. Der auf Flughafenbusse spezialisierte Wiesbadener Hersteller Contrac bietet seit kurzem auch ein Elektromodell an. Doch für den Linienbetrieb ist es kaum geeignet, da es konstruktionsbedingt keine Verbindung zwischen Führerstand und Fahrgastraum gibt. Der Fahrer kann deshalb keine Tickets verkaufen – es müsste wohl ein Schaffner eingesetzt werden.

Während das regionale Modellprojekt demnächst ausläuft und über eine Fortsetzung noch nicht entschieden ist, denkt Frankfurt schon einen Schritt weiter. An Ampeln sollen Induktionsschleifen in den Boden eingelassen werden, kündigte Roth an. Damit könnten wartende Elektroautos im Stand geladen werden. Gespräche mit Herstellern will die Oberbürgermeisterin noch vor den Sommerferien abschließen. mu

(Günter Murr)
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