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Querschnittsstudie: Stadt und Uni erforschen Fehler der Integration

Von Die Stadt und die Frankfurt University of Applied Sciences arbeiten zusammen: Die University erforscht die Integrationsgeschichte ihrer Studenten, die Stadt kann davon profitieren.
<span></span> Foto: Salome Roessler
Frankfurt. 

Was läuft falsch mit der Integration? Was läuft richtig? Die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS, vormals Fachhochschule) will sich wissenschaftlich noch stärker auf die Integrationsforschung konzentrieren und dabei ihre eigenen Studenten zum Forschungsobjekt nehmen.

Denn die UAS ist laut Präsident Prof. Frank Dievernich „ein Mikrokosmos Frankfurts“: Fast jeder vierte Student hat keinen deutschen Pass, der Anteil an Studenten mit Migrationshintergrund liegt noch deutlich höher, bei 30 bis 40 Prozent. „Es ist wie bei der Fußballnationalmannschaft“, so Dievernich. Wichtig sei, dass alle sich zusammengehörig fühlen.

Die Stadt ist im Boot und unterstützt die UAS bei ihren drei Einzelprojekten. Das erste ist eine Vorlesungsreihe mit bedeutenden Integrationsforschern, die gegebenenfalls, wie die Integrationsdezernentin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) andeutete, im Plenarsaal des Römer stattfinden könnte. Das zweite Vorhaben: Bachelor- und Masterarbeiten zum Thema Integration können künftig in Zusammenarbeit mit dem Amt für multikulturelle Angelegenheiten (Amka) entwickelt werden. „Bislang haben wir die Integrationsforschung und wir haben die Integrationspolitik, aber wir haben nichts voneinander“, sagte Eskandari-Grünberg.

Forschung im Amka

Künftig könnten die wissenschaftlichen Arbeiten junger Forscher noch viel stärker an Fragestellungen innerhalb der Stadt Frankfurt entwickelt werden und die Arbeiten in einer Publikationsreihe erscheinen. Schon jetzt gebe es UAS-Studenten, die im Amka ihr Praktikum absolvieren. „In der Stadtverwaltung arbeiten aber nur wenige von ihnen“, bedauerte Eskandari-Grünberg.

In einer großen Querschnittstudie schließlich will die UAS erforschen, wie das Ankommen in der Wissenschaft, am Arbeitsplatz, in der Gesellschaft gelingen kann. Welche Voraussetzungen waren bei ihren Studenten erfüllt, um den Weg in die Hochschule zu finden? Auf welche Schwierigkeiten und Diskriminierungen sind sie gestoßen? Fühlen sie sich angekommen? Wollen sie in Frankfurt bleiben? Was wünschen sie sich? Diese und andere Fragen werden Prof. Andreas Klocke und der Studienberater Frank Heiner Weyel den Studenten stellen.

„Wir beginnen im April mit intensiven Gesprächen mit Studenten mit Migrationshintergrund“, sagte Klocke. Bis Juli soll daraus grob ein Fragenkatalog entwickelt werden, der im kommenden Wintersemester allen Studierenden online vorgelegt wird. Allen 13 500 Studierenden den Fragebogen vorzulegen, das heißt auch, ihn nicht speziell nur an Studenten mit Migrationshintergrund zu richten. Diese sind nämlich schwer zu ermitteln, gibt es doch außer der Staatsangehörigkeit kein Kriterium, das bei der Einschreibung abgefragt werden könnte. Allerdings ist Klocke sicher: „Wir können statistische Verfahren anwenden, um sicherzustellen, dass wir Unterschiede zwischen den Studenten mit und denen ohne Migrationshintergrund herausfinden.“ Eskandari-Grünberg zufolge ist es die erste ihr bekannte Untersuchung, die einen engen Zusammenhang herstellt zwischen der Bildungsgeschichte und der Lebensgeschichte der Befragten. Die Stadt kann dabei vielleicht auch etwas lernen über die Frankfurter Schulen – aus denen die Befragten teilweise kommen.

Fehler erkennen

UAS-Präsident Dievernich stellte klar: „Die Studie bezieht sich nicht auf Flüchtlinge.“ Denn diese sind noch gar nicht an der UAS angekommen, müssen zunächst das Ergebnis ihrer Asylverfahren abwarten. „Diese gewaltige Integrationsaufgabe steht uns erst noch bevor.“ Der Blick zurück auf die Integrationsarbeit der vergangenen Jahre und Jahrzehnte, wie sie jetzt in der Studie geplant wird, ermögliche aber, Fehler zu entdecken – damit man sie nicht bei den Flüchtlingen wiederholen muss.

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