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Stadtschulamt wird zerschlagen

Eine Dezernentin für die Schulen, ein Stadtrat für die Kitas. So will es OB Feldmann, doch Eltern und Kita-Träger warnen davor, die Bildungsaufgaben so zu verteilen.
Sarah Sorge. 	Foto: Chris Christes Sarah Sorge. Foto: Chris Christes
Frankfurt. 

Je länger die Verkündung der neuen Dezernatsverteilung durch den Oberbürgermeister zurückliegt, desto länger wird die Liste der Fragen dazu. Peter Feldmann beeilt sich nicht, Klarheit zu schaffen. Sarah Sorge (Grüne) rätselt immer noch, ob sie lediglich den Eigenbetrieb Kita, die Zuständigkeit nur für den Neubau von Kitas und/ oder auch für den Betrieb aller Betreuungseinrichtungen an den neuen CDU-Dezernenten Jan Schneider abzugeben hat. Vom OB hat sie seit ihrer kurzen Unterredung am Dienstag dazu nichts mehr gehört. Ihren neuen Kollegen Schneider traf sie gestern, Genaues aber wusste auch der nicht.

Im OB-Büro ist man weiter: „Jan Schneider soll Kitas bauen, das ist ganz klar. Dazu muss etwas aus dem Stadtschulamt rausgeschnitten werden“, sagte Feldmanns Sprecher Ralph Klinkenborg.

Damit bestätigte er schlimmste Vermutungen, die etwa Elisabeth Strüber, Geschäftsführerin des Sozialpädagogischen Vereins zur Unterstützung familienergänzender Erziehung, nur ungern zu Ende denken mag. „Das wäre eine Katastrophe! Wir waren gerade froh, dass die Verzahnung von Kita und Schule enger wurde.“ 76 Betreuungseinrichtungen für Kinder im Alter von null bis zehn Jahren betreibt ihr Verein in Frankfurt. Wie Strüber denken die Verantwortlichen in vielen freien Trägervereinen, die im Auftrag der Stadt Angebote zur Kinderbetreuung unterhalten.

 

Neue Trennung

 

Kommentar: Ränke-Spiel auf dem Rücken der Mitarbeiter

Die Grünen schmollen, die CDU schreibt dem Oberbürgermeister Eigenschaften wie unwissend, beratungsresistent und autistisch zu. Politisches Getöse, wie es Feldmann für seine Dezernenten-Ränke sicherlich mit Amüsement vorausgesehen hat.

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„Die politischen Spiele sind mir egal. Entscheidend sind die Auswirkungen aufs Stadtschulamt“, sagt auch Michael Burbach, Geschäftsführer des BVZ Beratungs- und Verwaltungszentrum e. V., unter dessen Dach 157 Kitas vereint sind. „Der Gedanke der vergangenen Jahre, Betreuung und Schule unter einem Dach zu vereinen, war ein richtiger.“ Vor wenigen Jahren erst habe man die Zuständigkeit für die Kinderbetreuung der über und unter Dreijährigen in eine Hand gelegt. „Jetzt würde man das bei den Schulkindern wieder auseinanderreißen.“ Dabei sei mittlerweile klar, dass vor allem der Übergang vom Kindergarten in die Schule verzahnter laufen müsse und die Hort- und Nachmittagsbetreuung in den Schulen das große Thema der nächsten Jahre sei.

Die CDU-Fraktion im Römer kritisiert, dass Feldmann neue Doppelstrukturen schaffe und kündigte zugleich an, dass Schneider als Kita-Dezernent eng und gut mit Sorge zusammenarbeiten werde.

„OB Feldmann hat uns da keinen guten Dienst erwiesen“, bemängelt auch Alix Puhl, Sprecherin des Stadtelternbeirates. „Kita und Schule, das gehört zusammen.“

Ute Sauer, Leiterin des Stadtschulamtes, weilt im wohlverdienten Urlaub. Unerwartet geht es jetzt in ihrem Amt hoch her, weil niemand weiß, welche Konsequenzen Feldmanns Ankündigungen im Detail haben werden. „Wir versuchen, alle zu beruhigen“, sagt denn auch Oliver Becker, der als stellvertretender Amtsleiter derzeit die Geschäfte führt.

Während das OB-Büro versichert, dass es bereits ein Konzept zur Trennung der Zuständigkeiten gebe und die Gespräche mit den Beteiligten laufen, ist das Stadtschulamt bis gestern nicht gefragt worden. „Aber in der Verwaltung sitzen die Personen, die das am Ende umsetzen müssen und zugleich die, die alle Zusammenhänge am besten kennen“, erinnert Becker und fasst zusammen, was in allen Büros diskutiert wird: „Die Entscheidung an sich und die Art und Weise, sie zu treffen, wird von unseren Mitarbeitern als kränkend, beziehungsweise wenig wertschätzend empfunden.“

 

Lob von den Trägern

 

Die freien Träger sehen das Amt ganz anders. „Hervorragend“ laufe die Zusammenarbeit mit dem Stadtschulamt, bestätigen Strüber und Burbach unabhängig voneinander. „Sonst hätten wir den Kraftakt der letzten Jahre, die Neueröffnung so vieler Einrichtungen für unter Dreijährige, gar nicht stemmen können“, sagt Strüber. Viele Träger-Vereine sind in den vergangenen Jahren enorm gewachsen, haben viele neue Mitarbeiter, mehr Verwaltungsaufwand etc. „Eine Konsolidierungsphase hätte uns jetzt ganz gut getan. Aber daraus wird wohl nichts.“

(Inga Janovic)
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