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Interview: Stadtteile sollen noch mehr gestärkt werden

Der Dachverband der Frankfurter Gewerbevereine hat sich neu aufgestellt: Seit Anfang Mai ist Ernst Schwarz (52) Vorsitzender. Im Interview mit Redakteurin Judith Dietermann spricht er darüber, wie man die Stadtteile noch attraktiver machen kann und welche negativen Einfluss große Einkaufszentren und der Online-Handel auf die Geschäfte haben.
Auch wenn es in diesem Jahr keinen Stadtteilsonntag geben wird, blickt Ernst Schwarz positiv in die Zukunft. Denn der Dachverband der Frankfurter Gewerbebetriebe hat zahlreiche Ideen, um die Stadtteile noch mehr zu stärken. Foto: Leonhard Hamerski Auch wenn es in diesem Jahr keinen Stadtteilsonntag geben wird, blickt Ernst Schwarz positiv in die Zukunft. Denn der Dachverband der Frankfurter Gewerbebetriebe hat zahlreiche Ideen, um die Stadtteile noch mehr zu stärken.
Dornbusch. 

Es sind keine guten Nachrichten: Auch in diesem Jahr wird es keinen Stadtteilsonntag geben. Warum nicht?

ERNST SCHWARZ: Es ist für die Gewerbetreibenden schlichtweg zu unsicher, ob dieser dann auch tatsächlich stattfindet. Wird er plötzlich wieder kurzfristig abgesagt, bleiben Gewerbetreibende und Vereine auf ihren Kosten sitzen. Deswegen haben wir uns dagegen entschieden.

Ist der Stadtteilsonntag damit endgültig Geschichte?

SCHWARZ: Nicht unbedingt. Denn das in Hessen bestehende Gesetz, das den verkaufsoffenen Sonntag regelt, läuft Ende 2019 aus. Dann kann es geändert werden. Bis dahin ist der Stadtteilsonntag aber zunächst einmal tatsächlich Geschichte.

Fehlt den Gewerbevereinen denn der Stadtteilsonntag?

SCHWARZ: Auf jeden Fall. Es war die Möglichkeiten, die Menschen in die Stadtteile zu locken. Auch die Frankfurter, die sonst dort vielleicht nicht vorbeischauen. Die Geschäfte konnten sich präsentieren und werben. Das fehlt. Zudem war dieses in Deutschland einzigartige Projekt die Hauptaufgabe des Dachverbandes.

Und nun? Ist der Dachverband jetzt arbeitslos?

SCHWARZ: Wir müssen uns umorientieren und brauchen neue Ideen. Mit dem Stadtteilsonntag ist auch eine Werbeplattform weggebrochen, über die wir Sponsoren bekommen haben. Jetzt müssen wir auf die Suche nach Töpfen gehen, in denen es Geld für uns gibt. Deswegen müssen wir uns mit der Stadt zusammensetzen. Erste Gespräche haben jedoch bereits ergeben, dass es derzeit nicht gut aussieht mit finanzieller Unterstützung.

Sie müssen also umdenken?

SCHWARZ: Ja, wobei das für uns gar nicht so neu ist. In den vergangenen Jahre mussten wir immer wieder umdenken. Einmal haben wir uns sogar neu gegründet. Denn die Gewerbevereine und Interessengemeinschaften brauchen einen Dachverband. Zudem sind unsere Mitglieder motiviert, etwas zu tun, um das Gewerbe in den Stadtteilen zu stärken.

Gibt es schon Ideen?

SCHWARZ: Vielleicht entwerfen wir wie im vergangenen Jahr wieder Tüten, auf denen dann unser Logo und der Name des Stadtteils erscheinen. Dazu gab es dann auch die passenden Kugelschreiber. Aber im vergangenen Jahr war alles etwas anders, weil wir die Sponsoren hatten.

Sie brauchen aber nicht nur neue Ideen, der Dachverband hat auch einen neuen Vorstand. Sie haben den Vorsitzenden Franz Steul abgelöst. Warum?

SCHWARZ: Es hat sich so ergeben. Franz Steul hat es immer gerne gemacht und steht uns weiter mit Rat zur Verfügung. Jetzt wollen wir mal schauen, wie es weitergeht. Aber wir haben ein engagiertes Vorstandsteam.

Zum Thema Stärkung: Was sind denn die größten Feinde des Einzelhandels?

SCHWARZ: Als Feind würde ich es nicht bezeichnen, aber eine große Problematik ist der Online-Handel. Das betrifft aber alle Geschäfte, nicht nur die in den Stadtteilen, sondern auch in der Innenstadt. Allerdings machen sich viele Läden selber Konkurrenz. Dort wird an den Schaufenstern auf den Online-Shop hingewiesen, mit Einkaufen rund um die Uhr wird dort gelockt. Da beißt sich die Katze doch selber in den Schwanz. Dagegen müsste man gemeinsam etwas tun. Ich will den Online-Handel nicht verdammen, aber wir brauchen ein gesundes Maß.

Das Gewerbe oder auch der Einzelhandel in den Stadtteilen ist so verschieden, wie die Stadtteile selber. Nehmen wir doch einmal den Dornbusch, wo Ihre Frau ihr Pelz-Geschäft betreibt. Funktioniert es am Dornbusch?

SCHWARZ: Ja, hier läuft es noch gut. Besonders rund um die Haltestelle „Dornbusch“. Aber dort, wo die U-Bahn unter die Erde geht, ist der Einzelhandel bis zur Hauptwache kaputt. Und in Eschersheim sieht es auch schon wieder schlechter aus.

Man kann also am Dornbusch gut einkaufen. Fehlt hier trotzdem etwas?

SCHWARZ: Ja, das gewisse Flair, das man beim Einkaufen braucht. Dieses in die Stadtteile zu bringen, sehen wir auch als eine unserer Aufgaben.

Was meinen Sie damit genau?

SCHWARZ: Ein paar Blumen, Bänke oder ein Café mit Sitzgelegenheiten auf dem Bürgersteig, das zum Verweilen einlädt. Daran mangelt es.

Aber nicht überall in Frankfurt.

SCHWARZ: Nein. Gut gelöst ist das auf der Leipziger und auf der Oberen Berger Straße. Dort ist es eine gute Mischung zwischen Verkehr und Einkaufsstraßen. Dort sind es die kleinen Dinge, die Flair bringen. Wie die Straßenbeleuchtung oder die fußgängerfreundliche Straßen.

Wie sieht es auf der Schweizer Straße aus?

SCHWARZ: Es ist eine tolle Einkaufsstraße mit der Schwierigkeit der Straßenbahn in der Mitte. Ein fahrendes Schaufenster sozusagen. Verbesserungen sind immer möglich, all das sind Aufgaben der Gewerbevereine – am besten in enger Zusammenarbeit mit dem Ortsbeirat. Ohnehin würde ich mir wünschen, dass Stadt und Ortsbeiräte mehr auf die Gewerbevereine zugehen. Denn diese kennen ihren Stadtteil am besten und machen ihn so lebenswert.

Trotzdem haben längst nicht alle Stadtteile auch einen solchen…

SCHWARZ: Nein, in Höchst, im Gallus und am Oederweg haben wir keinen. Der am Sandweg kippt. In solchen Situationen unterstützen wir als Dachverband und versuchen zu helfen.

Wieso ist denn ein Gewerbeverein so wichtig für den Stadtteil?

SCHWARZ: Weil er mehr ist als nur ein Zusammenschluss der Geschäfte. Wenn man etwas erreichen will, kann man das nur gemeinsam. Man hat einfach viel mehr Power.

Welchen Stadtteilen in Frankfurt geht es denn weniger gut, zumindest was das Gewerbe betrifft?

SCHWARZ: Schwierig ist es immer bei den dörflichen Stadtteilen. Dort verschwinden sogar die Banken. Aber auch das Gallus finde ich traurig ebenso wie Bergen-Enkheim. In Höchst gibt es ist die tolle Altstadt, aber der Einzelhandel floriert nicht mehr.

Woran liegt das?

SCHWARZ: Oft sind es die großen Einkaufzentren, die negativ auf die Stadtteile wirken. Wie das Main-Taunus-Zentrum oder das Hessen-Center. Zudem muss sich jeder an die eigene Nase packen, weil man lieber dort oder online einkaufen geht statt im Laden um die Ecke. Aber nur so stärken wir unsere Stadtteile.

Welche Möglichkeiten haben die Geschäfte, um zu überleben?

SCHWARZ: Viele Einzelhändler spezialisieren sich, so wie ein Laden am Zoo. Dort gibt es mittwochs immer frische Tomaten aus Polen. Das spricht sich in der Stadt herum. Alleinstellungsmerkmale spielen eine immer größere Rolle.

Haben Sie denn einen Lieblings-Stadtteil, in dem sie einkaufen gehen?

SCHWARZ: Mein Herz hängt natürlich an der Berger Straße. Dort komme ich her, meine Mutter lebt noch dort, und ich war 19 Jahre Vorsitzender des Gewerbevereins. Aber wenn ich mit meiner Frau unterwegs bin, dann springen wir durch alle Stadtteile. Wir sind mal hier und mal da.

Und nun Hand aufs Herz: Kaufen Sie auch mal online ein?

SCHWARZ: Eher nicht. Zumal unsere Buchhandlung am Dornbusch schneller ist als jeder Online-Handel. Abends um 17.55 Uhr bestellt, morgens um neun Uhr abholbereit. Das schafft kein Internet.

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