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Kaltluftschneise: Stadtteilpolitiker lehnen Ausweisung eines Baugebiets in Bergen-Nord ab

Von Eine Mehrheit des Ortsbeirats stimmte im Sommer 2017 dafür, Bergen-Enkheim aus dem Siedlungsbeschränkungsgebiet rund um den Flughafen herauszunehmen. Nun wollen die Kritiker, dass zuvor die Folgen für den Stadtteil genau geprüft werden.
Zwischen dem Berger Nordring und der B 521 sind heute Felder. Einige Stadtteilpolitiker wollen verhindern, dass hier gebaut wird, selbst wenn die Siedlungsbeschränkung fallen sollte. Foto: Leonhard Hamerski Zwischen dem Berger Nordring und der B 521 sind heute Felder. Einige Stadtteilpolitiker wollen verhindern, dass hier gebaut wird, selbst wenn die Siedlungsbeschränkung fallen sollte.
Bergen-Enkheim. 

Es gibt viele Gründe, warum Frankfurts Stadtplaner im Norden von Bergen-Enkheim zwischen der heutigen Bebauung und der Umgehungsstraße B 521 kein Baugebiet ausweisen sollten, sagt BFF-Ortsbeirätin Ellen Wild. Da ist zum einen der Fluglärm der über den Stadtteil hinweg startenden Maschinen, wegen denen Bergen im Siedlungsbeschränkungsgebiet des Rhein-Main-Flughafens liegt: Bauen ist nur mit einer Sondergenehmigung möglich. Doch diese Einschränkung könnte kippen, teilte der Magistrat Anfang Dezember 2017 mit (wir berichteten). Schon zuvor hatten CDU, SPD und FDP darum gebeten, die Stadt möge sich für eine Aufhebung der Baubeschränkung einsetzen.

Doch Wild will das nicht so einfach hinnehmen. Für die nächste Sitzung bringt sie einen Antrag ein, der Magistrat solle zuvor mehrere aus ihrer Sicht offene Fragen klären. „Es gibt viele Probleme, die man klären muss, bevor hier ein Baugebiet entsteht.“ Zum einen sei der Fluglärm sicher nicht weniger geworden sei. Der Rhein-Main-Flughafen bekomme ein neues Terminal, werde zum „HUB“, zum großen Umsteige-Flughafen, ausgebaut. Auch nehme die Zahl der Billigflieger zu, die laut Wild oft mit alten und somit lauten Maschinen unterwegs seien. „Und Bergen-Enkheim liegt direkt unter der Abflugroute 07 Nord-lang, auf der vor allem die ganz schweren Flugzeuge starten.“ Das bedeute neben Lärm auch mehr Abgase für Bergen-Enkheim. Die Siedlungsbeschränkung aufzuheben, sei daher eine Farce.

„Enkheimer saufen ab“

Hinzu komme, dass eine weitere Versiegelung des Bodens in Bergen sich auf Enkheim auswirke, sagt Wild. „Die Enkheimer saufen dann ab“, sagt sie plakativ und spielt darauf an, dass 2015 bei starkem Regen in Enkheim Hunderte Keller vollliefen. „Nahe der Autobahn hat der Wasserdruck sogar Gullideckel angehoben.“ Mehr Oberflächenwasser werde in die Kanalisation und dort von Bergen hinab nach Enkheim geleitet. „Dort ist sie aber schon überlastet.“ Ein weiteres Argument im Antrag habe sie von den Grünen entliehen, die das in einer Ortsbeiratssitzung vorgetragen haben, sagt Wild: Die „drohende Abriegelung der Frischluftströme aus der Wetterau“. Die sorgten bislang in Bergen-Enkheim in heißen Sommern dafür, dass die Nächte erträglich seien.

Kein Platz für neue Häuser

Das ändere sich, wenn das Baugebiet Bergen-Nord ausgewiesen wird, ist sich auch Dimitrios Bakakis sicher, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, weshalb seine Fraktion grundsätzlich gegen das Neubaugebiet sei. „Wir sehen abgesehen von der ,Leuchte‘, die zurzeit in Enkheim erschlossen wird, im Stadtteil gar keinen Platz für Baugebiete.“

Ein wichtiges Thema ist für die Grünen auch die fehlende Anbindung eines Baugebiets Bergen-Nord an den öffentlichen Nahverkehr, sagt Bakakis. „Hier fährt nur eine Buslinie durch den Nordring. Das reicht nicht, wenn hier viele neue Häuser entstehen.“ Und dass die vor 40 Jahren geplante, aber nie gebaute Verlängerung der U-Bahn-Linie U 4 über Seckbach nach Bergen je gebaut werde, sei unwahrscheinlich. „Das würde aber bedeuten, dass die Neu-Bergen-Enkheimer fast alle ihre Autos nutzen.“ Angesicht der heute schon häufigen Staus sei das keine gute Perspektive.

Das Thema ist im Ortsbeirat 16 durchaus umstritten. CDU, FDP und SPD, die dafür stimmten, die Siedlungsbeschränkung aufheben zu lassen, haben mit zusammen zehn der 19 Stimmern im Ortsbeirat eine knappe Mehrheit.

Der Ortsbeirat tag am Dienstag, 23. Januar, ab 19.30 Uhr in der Nikolauskapelle, Marktstraße 56.

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