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9 Kommentare

"Ansonsten Fresse": Stadtverordneter Thomas Bäppler-Wolf rechnet mit Hatern ab und es ist großartig

Thomas Bäppler-Wolf hält nichts von weichgewaschenem Politiker-Sprech. Das hat er mit einem deutlichen Facebook-Post am Sonntagabend bewiesen. Die Frankfurter finden's gut - die Bild-Redaktion dagegen unterstellt "Bäppi", er drehe durch. Wir haben mal nachgefragt.
Bilder >
Die Vorgeschichte:

Die SPD hat am Sonntag die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen verloren. Ziemlich deutlich. Für die Sozialdemokraten ist das schmerzlich, schließlich galt NRW als SPD-Stammland. Entsprechend frustriert sind am Sonntagabend die ersten Reaktionen, gerade in den sozialen Netzwerken.

Aber wenige Monate vor der Bundestagswahl geht das nicht - da darf sich kein Frust verbreiten! Schnell teilen Sozialdemokraten die ersten Kopf-hoch-es-geht-weiter-Posts.

Einen davon veröffentlicht der Frankfurter SPD-Stadtverordnete Thomas Bäppler-Wolf - besser bekannt unter seinem Künstlernamen Bäppi La Belle:



Die Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten.

"Weiter nach oben wird es aber nicht mit so einem Kasper an der Spitze gehen ... Dieser Schulz ist der Untergang der SPD!", schreibt ein Bekannter Bäppler-Wolfs.

"Weiter geht's Richtung Abgrund für die SPD", kommentiert ein anderer knapp.

Und ein dritter argumentiert in allerschönstem Hessisch: "Mei Bäppi'sche...so lieb isch Disch aach habb, abber da gibbt's weid unn breid kei Kron' mehr, die mer sisch widder uffsetze könnt! Des war die dritte unn diesmal KRACHENDE Niederlage unn zeischt mehr als deutlisch uff, dass de Würseler "Bademeister" im Leebe net mehr Kanzler werrde wird!"

Kurzum, Bäppler-Wolf muss Kritik einstecken. (Der Fairness halber sei aber erwähnt, dass viele Kommentatoren ihm zustimmen.)

Nun ist "Bäppi" nicht unbedingt für sein ruhiges Gemüt bekannt. Irgendwann wird's ihm zu bunt: 




Diesen Post wiederum nimmt die Frankfurter Bild-Redaktion auf:


(Screenshot: bild.de)

Hui.

Das, dachten wir, ist doch mal einen Anruf wert.

Respekt, Herr Bäppler-Wolf! Sie lassen’s ja krachen.
Bäppler-Wolf: (lacht) Also, eigentlich war das ja ein Post, unter dem ein paar Freunde kommentiert haben. „Pack Deinen schwulen Arsch in die Partei“ – das sagen wir schon mal so. Und mir ist das auch wichtig, den Leuten klarzumachen: Man kann ewig meckern und meckern, aber wenn man wirklich was ändern will, dann muss man selbst in die Politik gehen.

Als Sie das geschrieben haben, waren Sie aber schon geladen, oder?
Bäppler-Wolf: Ach, es ist halt immer derselbe Quark: Im Nachhinein wissen immer alle alles besser. Wir haben in Deutschland 80 Millionen Bundestrainer – nach dem Spiel. Wir haben 80 Millionen Polit-Analysten – nach den Wahlen. Wir haben so viele Spezialisten hier, die Bescheid wissen. Über die Maut. Über Flüchtlinge. Über alles – aber halt immer erst im Nachhinein. Das regt mich auf.

Sie machen's anders?
Bäppler-Wolf: Ich bin jemand, der vorher mit anpackt. Ich probiere Sachen aus, ich mache selbst, ich bin vom Typ her einfach keiner, der danebensteht und hinterher kommentiert.

... und denen, die nur meckern, empfehlen Sie halt, mal die Fresse zu halten.
Bäppler-Wolf: Tja, hätte Gott mich zum Diplomaten gemacht, dann wäre ich jetzt Außenminister. Hat er aber nicht. Ich bin ein Frankfurter Bub, der redet, wie’s ihm passt. Und, naja – Dieter Nuhr hat mal gesagt, in der Demokratie darf jeder frei seine Meinung sagen, es muss deshalb aber nicht jeder ständig seine Meinung sagen. Das passt hier ganz gut, finde ich.

Aber die Wortwahl - ist das nicht ein bisschen scharf?
Bäppler-Wolf: Ich bin 30 Jahre zu spät auf die Welt gekommen. Erinnern Sie sich an Franz-Josef Strauß? Herbert Wehner? Regine Hildebrandt? Die würden sich totlachen, wenn sie das hier mitbekämen.

Sie halten nichts von diplomatischen Nettigkeiten.
Bäppler-Wolf: Ich sag's mal so: Ich will hier Politik machen. Wollte ich stattdessen Rommee spielen, wäre ich im Altenheim. Ich finde es schade, dass die Sprache der Politiker so zahm geworden ist. Denken Sie mal an Joschka Fischers „Arschloch“-Bemerkung. Heute wäre der fertig nach so was. Erst gestern hat ein Kollege von Ihnen mir gesagt: Bei Euch im Plenarsaal schläft man doch ein, so öde sind Eure Aussprachen. Da ist was dran. Debatten, bei denen es wirklich rund geht, die gibt’s heute nicht mehr. Bräuchte es aber.  

Die Bild-Zeitung verkündet glatt, sie seien ausgeflippt.
Bäppler-Wolf (seufzt): Haben die eigentlich nichts anderes zu tun?

… und dann empfehlen die Kollegen Ihnen, öfter mal zu schweigen. Nun bin ich ja nicht von der Bild, sondern von der FNP. Deshalb biete ich Ihnen hier die Gelegenheit, die Bild zu grüßen.
Bäppler-Wolf: Vielen Dank. Nun, ich würde mich freuen, wenn die Bild-Zeitung sich mal anschauen würde, was ich sonst so mache. Ich mache seit 20 Jahren Theater – interessiert die nicht die Bohne. Aber einmal „Fresse“ bei Facebook schreiben, und schon kommen sie. Oh Mann.

Das Gespräch führte Christophe Braun (@chris_tn_braun)
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