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Inklusion braucht mehr Platz: Starke Nachfrage beim Verein "Gemeinsam leben – Frankfurt": Neue Räume nötig

Seit drei Jahren kümmert sich das Team um Ursula Martin-Hantl um alle Themen rund um Inklusion. Mit Erfolg – bald soll das Modellprojekt in Kassel, Darmstadt und Wiesbaden kopiert werden. Das Problem: Das Projekt wächst, die Räumlichkeiten nicht – und das Team arbeitet auf viel zu engem Raum.
Ursula Martin-Hantl (vorn), Agnes Lell-Sieben (links) und Theresa Hildebrand im Büro von „Gemeinsam leben – Frankfurt“. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Ursula Martin-Hantl (vorn), Agnes Lell-Sieben (links) und Theresa Hildebrand im Büro von „Gemeinsam leben – Frankfurt“.
Nordweststadt. 

Gesucht: Ein großes Grundstück in zentraler Lage mit guter Anbindung an Bus und Bahn; im Erdgeschoss Räumlichkeiten für Beratungen, Nachhilfe, offene Treffen und persönliche Gespräche, natürlich barrierefrei. Dazu genug Fläche zum Lagern von Materialien, in den oberen Stockwerken vielleicht Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung. Ursula Martin-Hantl träumt. Die stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Gemeinsam leben – Frankfurt“ sitzt im 33 Quadratmeter großen Büro der Inklusionsberatungsstelle und beschreibt ihre Wunschvorstellung.

Arbeit weiterführen

Aber Angebote zu machen für eine bessere Inklusion von Menschen mit Behinderung ist ein hartes Geschäft. Dem hat sich das Team um Ursula Martin-Hantl und ihren Mann Reinhard Hantl verschrieben. Als der Vorgängerverein „Gemeinsam lernen – Hessen“ vor mehr als vier Jahren insolvent ging, hat sich das Ehepaar gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen auf die Fahnen geschrieben, die wertvolle Arbeit fortzuführen. Die Räumlichkeiten, die der Vorgängerverein in Bockenheim hatte, sind jedoch der Insolvenz zum Opfer gefallen. Die Stadt bot an: Ihr könnt ein paar Räume in der Ernst-Ludwig-Schule in der Nordweststadt nutzen – ohne Miete zahlen zu müssen. Dafür ist Ursula Martin-Hantl dankbar, und mit den anfänglich drei Mitarbeitern war das damals auch gar kein Problem.

Zu lange Fahrtzeit

Doch der Bedarf für das Angebot, das der Verein macht, ist groß: Die Zahl der Anfragen von Hilfesuchenden – sowohl von Eltern als auch von Fachpersonal – ist um fast hundert Prozent gestiegen. Ein ganz schöner Aufwand für Theresa Hildebrand, die als Sozialpädagogin für die Beratungsgespräche zuständig ist, und dafür durch ganz Frankfurt reist, denn manche Eltern können nicht in die Nordweststadt kommen. Durch die langen Fahrtzeiten geht Beratungszeit flöten.

In dem 33 Quadratmeter großen Büro befinden sich vier feste Computer und drei Laptops. In Spitzenzeiten teilen sich bis zu sechs Vollzeit-Mitarbeiter, Praktikanten und Minijobber die kleine Räumlichkeit. Wenn nachmittags einen Raum weiter der Offene Treff stattfindet, ist der Lärmpegel hoch und die Jugendlichen klopfen auch gerne mal an die Tür, um zu schauen, was die Mitarbeiter im Büro machen. „Das ist schön und soll auch so sein“, erklärt Martin-Hantl, „aber geht manchmal auch zulasten der Arbeitszeit.“ Und die ist rar und wertvoll: Die Stadt finanziert Hildebrands Vollzeitstelle, über eine Querfinanzierung wird außerdem die Arbeit von Agnes Lell-Sieben, unter anderem zuständig für die Offenen Treffen, ermöglicht. „Wir müssen mit dem wenigen Geld, das wir als Trägerverein zur Verfügung haben, möglichst effizient haushalten“, erzählt Martin-Hantl, die mit ihrem Mann ehrenamtlich die geschäftsführenden Belange des Vereins steuert. Der Raummangel bedeutet aber auch, dass eine Mitgliederversammlung oder Vorstandssitzung im Wohnzimmer der Martin-Hantls stattfinden muss.

Eines ist den Akteuren des Vereins wichtig, denn es gehört zu ihren Grundsätzen: „Wir arbeiten nach den Grundsätzen der UN-Behindertenrechtskonvention – und ansonsten sind wir frei und unabhängig.“ Die Schwelle zum Selbsthilfeverein soll so niedrigschwellig wie möglich sein. Deshalb kommen in den Augen von Martin-Hantl auch keine Räumlichkeiten in Frage, die die Betroffenen mit Ämtern der Stadt verbinden könnten. „Da gibt es oft große Berührungsängste mit den öffentlichen Institutionen. Und unsere Besonderheit ist gerade die offene Kultur, die wir hier leben. Wir brauchen einen neutralen Ort“, so die Stellvertretende Vorsitzende.

Ursula Martin-Hantl arbeitet nach dem Motto: „Steter Inklusionstropfen höhlt den Stein“. Sie und die Mitarbeiter der Inklusionsberatung geben die Hoffnung nicht auf. Die Hoffnung darauf, dass sie eine gute Seele finden, die keine Berührungsängste mit Menschen mit Behinderung hat und Räume zur Verfügung stellen kann – im besten Falle sogar kostenlos, aus Überzeugung für die gute Sache, oder zumindest kostengünstig.

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