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Denkmalschutz: Stein für Stein wird die Städel-Fassade saniert

Seit Dezember vergangenen Jahres wird die denkmalgeschützte Fassade des Städel Museums saniert. Nach der Westseite haben nun die Arbeiten an der Nordseite begonnen.
Jens Engelhardt bearbeitet den Sandstein. Foto: Michael Faust Jens Engelhardt bearbeitet den Sandstein.
Frankfurt. 

Behutsam klopft Jens Engelhardt mit dem Knüpfel, einem hammerähnlichen Werkzeug, auf das Zahneisen, bis der Sandstein herunterrieselt. Der Bildhauer und Restaurator ist gerade an der Sanierung der Nordseite des Städel Museums beteiligt. Die Witterung hat der Fassade aus dem Jahr 1877 ganz schön zugesetzt. „Sandstein ist ein Material, das sich bei Feuchtigkeit ausdehnt und bei Trockenheit wieder zusammenzieht“, erklärt der Experte, der auch schon beim Aufbau der neuen Altstadt mitgewirkt hat. Passiert das häufiger, entstehen kleine Risse im Stein, die mit der Zeit immer massiver werden.

Bevor Engelhardt mit den Bildhauer-Arbeiten beginnen konnte, musste er den genauen Zustand der Städel-Fassade begutachten. „Durch Klopfen merkt man schnell, ob die Fassade angegriffen ist“, sagt er. „Dann ist das Geräusch, das entsteht, viel dumpfer.“ Beim Städel Museum seien die Schäden an der Fassade erheblich gewesen. Durch die Kaltluftschneise entlang des Mains ist das Gebäude der Witterung ausgesetzt – und auch die Tauben beschädigen die Fassade. „Die Säure, die durch die Exkremente der Tiere entsteht, schadet dem Sandstein“, weiß Engelhardt. Zuletzt habe man die Sicherheit des Gebäudes nicht mehr gewährleisten können.

Westseite fertig

Die Westseite des Museums ist bereits fertig saniert. Hier mussten Engelhardt und seine Kollegen unter anderem zwei der sogenannten Kapitelle erneuern. Das sind die oberen, steinernen Abschlüsse der Säulen, in die Blattwerk und sogenannte Volunten eingearbeitet sind. „Hier sind korinthische Kapitelle“, sagt Engelhardt. Die seien von allen Kapitellen die, die am schwierigsten zu kopieren sind. „Weil sie so viele und so filigrane Formen haben.“ Um eines dieser Kapitelle originalgetreu nachzubauen, hat Engelhardt acht Wochen gebraucht, in denen er jeweils zehn Stunden am Tag gearbeitet hat – auch am Wochenende.

Mit den Arbeiten an der Nordseite des Museums, die dem Main zugewandt ist, haben Engelhardt und seine Kollegen vor Kurzem begonnen. Auch hier begutachten die Experten erst einmal, an welchen Stellen die Fassade ausgebessert werden muss. „An manchen Stellen reicht es, wenn man die Risse mit einer Injektion füllt.“

Anderswo sei es hingegen erforderlich, Teile der Sandsteinfassade zu entfernen und originalgetreu zu rekonstruieren. Dazu erstellt der Restaurator von dem abgetrennten Steinstück zunächst eine Vorlage. „Dann kopiere ich die Vorlage in einen neuen Stein und versetze ihn an der Fassade.“ Auf diese Weise restauriert er nun alle geschädigten ionischen Kapitelle. „Die Fassade weist ein einheitlich starkes Schadensbild“, sagt der Experte.

Auch Sebastian Speiser arbeitet derzeit am Mainufer. Er ist für die Steinmetz- und Restaurierungsarbeiten zuständig. Das Arbeiten in schwindelerregender Höhe von fast 17 Metern ist für ihn normal. „Obwohl ich eigentlich Höhenangst habe“, sagt er. „Dass ich so viel auf Gerüsten stehen würde, habe ich damals nicht geahnt, als ich meine Ausbildung begonnen habe“, erklärt er und lacht. Um sich schwindelfrei auf dem Gerüst bewegen zu können, hat er in seiner Freizeit begonnen zu klettern. „Egal wo ich arbeite, habe ich oft Perspektiven, die andere nicht haben. Ich kenne viele deutsche Städte von oben.“

Bis Sommer 2019

Wenn Speiser, Engelhardt und ihre Kollegen die Nordseite des Museums fertig saniert haben, wandern die Gerüste auf die Ost- und schließlich auf die Südseite. „Die gesamte Fassade wird saniert“, erklärt Städel-Sprecherin Jannikhe Möller. Wenn alles nach Plan läuft, werden die Arbeiten im Sommer 2019 abgeschlossen sein. „Aber wir sind sehr von den Wetterverhältnissen abhängig“, sagt Bildhauer Engelhardt.

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