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Interview: Sternsinger erklären die Faszination des christlichen Brauchs

Die Sternsinger der katholischen Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt in Griesheim schätzen diese Tradition sehr. Warum, das erzählten die Teamer und Begleiter Alex (17) und Anna (15) sowie der Pastoralreferent und Sternsinger-Organisator Helmut Preis (56) unserem Redakteur Andreas Haupt im Interview.
Alex, Anna und Helmut Preis (von links)  schätzen die Tradition des Sternsingens. Sie stehen in der Kirche Mariä Himmelfahrt an der Krippe. Foto: Leonhard Hamerski Alex, Anna und Helmut Preis (von links) schätzen die Tradition des Sternsingens. Sie stehen in der Kirche Mariä Himmelfahrt an der Krippe.
Griesheim. 

Anna und Alex, wie seid ihr zu den Sternsingern gekommen?

ANNA: Meine Mutter hat in der Gemeinde beim Krippenspiel Querflöte gespielt, dadurch kannten wir den Pastoralreferenten Rolf Müller. Er fragte irgendwann, ob ich mitlaufen möchte und ich sagte ja. Damals war ich sieben oder acht Jahre alt. Vor allem das Singen und anderen Menschen eine Freude zu bereiten hat mir Spaß gemacht.

Was sind die Sternsinger eigentlich?

ALEX: Dahinter steht die biblische Geschichte der Heiligen Drei Könige, die zu Jesus an die Krippe kamen. Sie brachten Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben mit. Am 6. Januar wird dieses Ereignis in der katholischen Kirche gefeiert. Dann sammeln die Kinder, vielmehr die Sternsinger, Spenden für andere Kinder. In diesem Jahr geht es um ein Projekt in Indien, das sich gegen Kinderarbeit wendet.

HELMUT PREIS: Die Erzählung stammt aus dem Matthäus-Evangelium. In den Evangelien steht nichts von Königen, es sind dort Weise und Sterndeuter, die später als Könige interpretiert wurden. Sie folgten einem Stern nach Bethlehem.

Und gespendet wird heute von Kindern für Kinder?

PREIS: Ja. Die Spendenaktion wird vom päpstlichen Missionswerk für Kinder in Zusammenarbeit mit dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend, BDKJ, organisiert. Dieses unterstützt weltweit Förderprojekte für Kinder in Not in Afrika, Asien oder Lateinamerika. Im Werkheft zur diesjährigen Sammlung steht auch die Geschichte der achtjährigen Neetu, die fünfzehn Stunden am Tag Armreifen aus Glas herstellt, zusammen mit ihren Brüdern und ihrer Mutter. Dies aber unter Bedingungen, die krank machen. Ihr Vater starb, weil die giftigen Stoffe seine Lunge kaputt machten.

Fragen die Leute auch nach, wofür die Spenden sind?

ALEX: Sie wissen, dass es für einen guten Zweck ist. Nur selten fragt jemand genauer nach. Dann erklären wir es ihnen, damit sie sicher sein können, dass ihr Geld sinnvoll eingesetzt wird.

Klingelt ihr als Sternsinger einfach an jeder Haustür?

ANNA: Nein. Wer möchte, dass die Sternsinger zu ihm kommen, trägt sich in der Kirche in eine Liste ein. Im Gottesdienste wird auch darauf hingewiesen. Wir haben mehrere Sternsinger-Gruppen, für die Herr Preis aus diesen Listen Routen zusammenstellt.

PREIS: Wir vermelden das in den Gottesdiensten und es steht im zweiwöchentlich ausliegenden Info-Brief. Und dieses Jahr konnten sich die Gemeindemitglieder erstmals auch online unter www.mariaehimmelfahrt-ffm.de anmelden.

Wie viele Gruppen sind dieses Jahr in der Gemeinde unterwegs?

PREIS: Wir haben etwa 40 Kinder angesprochen oder angeschrieben. Wenn etwa 20 kommen, womit ich rechne, bilden wir vier oder fünf Gruppen. Jede Gruppe besteht aus den Heiligen Drei Königen und einem Sternträger. Manchmal gehört ein fünftes Kind dazu. Jede Gruppe hat zwei ältere Begleiter.

Freuen sich die Menschen, wenn ihr kommt?

ALEX: Ja, in der Regel schon. Letztes Jahr, in einem Haus am Mainufer, waren auch Onkel und Tanten mit dabei und haben gefeiert. Da stand noch der Weihnachtsbaum, darunter die Krippe, alles war noch schön geschmückt. Das war ein Ereignis für die ganze Familie. Meist sind es ältere Personen oder Familien mit kleinen Kindern. Sie laden uns ins Haus ein. Dort singen wir ein oder zwei Lieder und sagen den Segensspruch auf.

ANNA: Dann schreiben wir 20*C+M+B+18 an den Türrahmen. Das ist zusammengesetzt aus dem Jahr 2018 sowie den Anfangsbuchstaben des Segens ,Christus Mansionem Benedicat’.

PREIS: Der Volksmund hat daraus die drei Namen der Könige Caspar, Melchior und Baltasar gemacht. Diese sind nirgendwo belegt, aber mit ihnen kann man sich das CMB besser merken. Eigentlich ist es Latein und heißt „Christus segne dieses Haus“.

Bekommen die Kinder manchmal Süßigkeiten, so wie an Halloween?

ANNA: Vor allem ältere Menschen bieten oft Plätzchen oder etwas zu essen an oder fragen, ob jemand die Toilette benutzen möchte. Sie bemühen sich sehr, alle Bedürfnisse der Könige zu stillen. Teilweise bekommen die Kinder Tüten mit selbst gebackenen Plätzchen, manchmal auch etwas Gekauftes. Wenn wir wieder im Gruppenraum sind, teilen wir das unter den Kindern auf.

PREIS: Die Gruppen nehmen immer einen Rucksack mit und der ist meistens voll, wenn sie zurückkommen.

Wie viele Häuser liegen denn auf einer Tour der Sternsinger?

PREIS: Das ist unterschiedlich. Meist sieben bis neun Häuser. Es ist also überschaubar. Manchmal läuft eine Gruppe, obwohl wir die Strecken optimieren, zehn Minuten von einem Haus zum nächsten. Die Zahl der Hausbesuche ist mit 60 bis 70 seit Jahren konstant.

Was nehmen die Sternsinger mit auf ihre Tour?

ALEX: Sie tragen ihr Gewand und eine Krone. Der Sternträger trägt zusätzlich den Stern. Sie haben Kreide dabei, um den Segensspruch an die Türpfosten zu schreiben. Für den Fall, dass die Kreide am Türrahmen nicht hält, haben sie spezielle Aufkleber. Und dann noch die Spendendose und die Karte mit den Häusern, die sie besuchen.

Die Sternsinger müssen ja singen. Können die Kinder das heute noch?

PREIS: Ja, und es macht ihnen Spaß. Die Lieder üben wir in der großen Gruppe, das fällt ihnen leichter. In der kleinen Gruppe brauchen einige noch Unterstützung. Dann müssen die Teamer kräftig mitsingen. Es sind traditionelle Lieder. „Stern über Bethlehem“ etwa steht im Gotteslob, dem katholischen Liederbuch für den Gottesdienst. „Wir kommen daher aus dem Morgenland“ ist ebenfalls ein traditionelles Lied.

ANNA: Die Kinder können drei Lieder und singen stets zwei davon. Wir wechseln die Lieder von Haus zu Haus ab.

Gebt ihr manchmal eine Zugabe?

ANNA: Eher nicht. Wir haben ja einen engen Zeitplan. Wenn wir beim letzten Haus noch etwas Zeit haben, singen wir auch mal ein drittes Lied, wenn es dem Besuchten Freude macht.

Wie aufwendig ist die Vorbereitung?

PREIS: Das ist inzwischen Routine. Beim ersten Treffen erklären wir den Kindern, was sie tun müssen. Dann bekommt jedes Kind ein eigenes Gewand, welches Ehrenamtliche zuvor bügeln und aufbereiten. Wir teilen die Gruppen ein und üben die Lieder. Beim zweiten Treffen erkläre ich den Sinn der Aktion und erzähle von der Kinderarbeit in Indien. Einige Kinder machen das bereits seit mehreren Jahren, sie steigen dann spontan ein.

Sind die Sternsinger nur am 6. Januar unterwegs?

PREIS: Hausbesuche machen wir an drei Tagen, am Freitag-, Samstag- und Sonntagnachmittag. Zusätzlich singt eine Gruppe am Freitag, 5. Januar, vormittags in den beiden Kitas unserer Gemeinde. In Sankt Hedwig machen wir um 11 Uhr mit den Sternsingern einen Kleinkindergottesdienst. Dort spielen wir die Geschichte der Heiligen Drei Könige. Am Samstagabend und am Sonntagmorgen treten die Sternsinger außerdem im Gemeindegottesdienst auf und sammeln bei den Gottesdienstbesuchern.

Wer kommt noch in den Genuss?

PREIS: Wir besuchen auch das Seniorenwohnheim in der Lärchenstraße. Einige langjährige Gemeindemitglieder, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr für einen Besuch der Sternsinger anmelden können, besuche ich persönlich mit einigen Sternsingern. Dabei geht es aber nicht ums Spendensammeln, sondern wir bereiten einfach eine Freude. Das ist mir ein wichtiges Anliegen. Das zu erleben ist einfach schön.

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