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Stets ein Mann der Tat

Horst Nopens hat den Weg der Grünen Soße von Italien nach Oberrad verfolgt. Aber nicht nur darum hat er im Frankfurter „Gärtnerdorf“ seine Spuren hinterlassen: Vier Jahre lang saß er dem Bürgerverein vor. Mit seinem jetzt erfolgten Rücktritt wird sich Nopens’ Fährte jedoch nicht verlieren.
Reger Ruheständler: Von seinem Heimbüro aus hat Horst Nopens das Geschehen auf der Offenbacher Landstraße stets im Blick.	Foto: Pehlemann Reger Ruheständler: Von seinem Heimbüro aus hat Horst Nopens das Geschehen auf der Offenbacher Landstraße stets im Blick. Foto: Pehlemann
Oberrad. 

Von seinem heimischen Schreibtisch aus sieht Horst Nopens derzeit vor allem die Baustelle am Ortseingang an der Offenbacher Landstraße. Was in Oberrad geschieht, hat er dennoch im Blick: Die Gestaltung des Buchrainplatzes etwa, die inzwischen nur noch eine kulturelle Baustelle ist. „Mein Baby“, nennt er die Skulptur einer Gärtnersfrau, die ab kommendem Herbst als Symbol der „Gärtnerdorf“-Tradition den Platz verschönern soll. Die dafür nötigen 11 000 Euro (inklusive 5000 Euro des Ortsbeirats 5) hat der Oberräder Bürgerverein gesammelt (wir berichteten).

Gesundheitliche Gründe

Mit diesem „Baby“ endet nun Horst Nopens’ Engagement als Vorsitzender des Bürgervereins. Nach vier Jahren überlässt er aus gesundheitlichen Gründen Eugen Müller die Leitung. „Man muss anatomisch mobil sein, um das zu machen. In meinem Alter hat man da Defizite“, sagt der 77-Jährige, der bis vor vier Jahren noch Handball spielte. Sein Engagement für Oberrad ist damit jedoch nicht beendet: Besonders in kultureller Hinsicht werde er sich weiter einbringen, für die Einweihungsfeier der Skulptur etwa plant er ein Open-Air-Musikfestival. Gerne würde er auch eine weitere Aufführung seines Mundart-Theaters auf die Beine stellen, die Wiederholung kam bislang nicht zustande.

Auch wenn Nopens kein „echter Oberräder“ ist, sondern vor zehn Jahren zuzog, hat er es doch vollbracht, Außenstehenden einen tiefen Einblick in das zu ermöglichen, was Oberrad großteils ausmacht. Als Stadtteilhistoriker der Stiftung Polytechnische Gesellschaft hat er in Romanform den Weg der Grünen Soße nach Oberrad nachgezeichnet. Von der Römerzeit spannt er einen Erzählbogen bis in die Gegenwart, von der Toskana über Frankreich bis ins „Gärtnerdorf“. „Die abenteuerliche Reise der sieben Kräuter“ heißt das Buch von 2008. Kurz zuvor schrieb Nopens einen Leserbrief an die FNP, in dem er der Polytechnischen Gesellschaft vorschlug, Geld aus dem Verkauf der Frankfurter Sparkasse 1822 für Heimat- und Geschichtsvereine der Stadtteile zu stiften. Nach einem Treffen mit Dr. Roland Kaehlbrandt, dem Vorsitzenden der Stiftung, entstanden so die „Stadtteilhistoriker“ – Nopens nutzte diesen Begriff schon in seinem Leserbrief. „Horst Nopens hat maßgeblich geholfen, etwas ganz Wunderbares auf den Weg zu bringen“, lobt Kaehlbrandt.

Faible für Geschichte

Nopens’ Faszination für geschichtliche Themen kommt nicht von ungefähr: Geboren 1937 im ostpreußischen Königsberg, das heute als russische Exklave Kaliningrad heißt, erlebte Nopens „die bitterbösen Zeiten“ des Zweiten Weltkriegs. Von „knallharten Wintern“, seinen Erlebnissen im Tagebau und den Versuchen, „in den ,Goldenen Westen’ zu kommen“ – der Zeit zwischen 1944 bis 1947 – erzählt Nopens in seinem zweiten Buch „Die jungen Jahre“. Dieses wird gerade lektoriert, mit Verlagen befindet sich Nopens in Gesprächen.

„Ich habe noch etliche Dinge auf Lager, die ich zu Papier bringen werde“, erzählt Nopens. Die Zeit dafür hat er nun. Von seinem Schreibtisch aus wird er weiter auf die Offenbacher Landstraße und ganz Oberrad blicken und von dort die eine oder andere Veränderung des Viertels anstoßen. „Ich bin ein unruhiger Geist, der immer mit offenen Augen marschiert. Ich sehe stets Gründe etwas zu machen, etwas zu gestalten“, sagt er.

(peh)
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