Still ruht der Weihnachtsmarkt?

Von Thomas J. Schmidt und Stefanie Liedtke
Wenn zum 1. April 2013 die Tarifreform der Gema in Kraft tritt, befürchtet der hessische Städte- und Gemeindebund für Weihnachtsmärkte und Straßenfeste eine Gebührensteigerung von mehr als 50 Prozent. So viel mehr für Musik zu zahlen, können und wollen sich viele Kommunen nicht leisten. Auch Frankfurt nicht.
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Frankfurt. 

Süßer die Glocken nie klingen, als zu der Weihnachtszeit . . . Demnächst könnte es sich ausgeklingelt haben, zumindest auf dem Weihnachtsmarkt. Grund ist die anstehende Tarifreform der Gema (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte), die immer dann kassiert, wenn irgendwo öffentlich Musik gespielt wird. "Es gibt bei den Gema-Gebühren definitiv eine Schmerzgrenze. Wenn die überschritten ist, muss das ein oder andere Fest eben ohne Musik stattfinden", sagt Kurt Stroscher, der bei der Tourismus und Congress GmbH (TCF) die Veranstaltungen organisiert. Die meisten Standbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt verzichten längst auf eigene Musik – eben wegen der Gema-Gebühren.

Am Montag wird verhandelt

Wo genau für die Stadt Frankfurt die Schmerzgrenze liegt, und wie viel diese aktuell an Gema-Gebühren für Feste wie den Weihnachtsmarkt, das Museumsufer- und das Opernplatzfest zahlt, dazu wollte sich Stroscher nicht äußern. "Wir haben da eine Sonderregelung mit der Gema, das kann ich nach außen nicht kommunizieren." Vor allem deshalb nicht, weil Stroscher übermorgen, also am Montag, das nächste Mal mit der Gema an einem Tisch sitzt, um neu zu verhandeln. Das ist auch dringend nötig, denn die Tarifreform, die vom 1. April an gelten soll, wird die Kommunen hart treffen. Davon geht der hessische Städte- und Gemeindebund aus: Die Kommunen müssten mit Steigerungen von mehr als 50 Prozent rechnen. Die Gebührenerhöhung gefährde vor allem Weihnachts- und Jahrmärkte, aber auch Sportfeste, so Verbandsdirektor Diedrich Backhaus gegenüber der Deutschen Presse Agentur. Er rechnet vor: Für einen Weihnachtsmarkt mit einer Größe von 23 000 Quadratmetern, wie ihn Kommunen mittlerer Größe ausrichten, stiegen die Gema-Gebühren um 68 Prozent von etwa 2400 auf 4000 Euro. Darin sei der Rabatt in Höhe von 20 Prozent, den die Gema Kommunen gewähre, eingerechnet.

Auf der nächsten Seite: Der Teufel steckt im Detail

Ganz anders stellt dies Gema-Sprecherin Gaby Schilcher dar. Sie sagt: "Bei den Weihnachtsmärkten wird sich nicht viel ändern." Bei großen Straßenfesten hingegen schon, wie Schilcher einräumt. Für diese stiegen die Gebühren mit der Tarifreform. Wann es teurer wird und wann nicht – der Teufel steckt da im Detail (siehe Text rechts).

Die Landeshauptstadt Wiesbaden musste bereits in diesem Jahr bluten: 2011, so Marketing-Chef Martin Michel, habe die Stadt für ihre Weinwoche noch 9000 Euro an Gema-Gebühren gezahlt, in diesem Jahr waren es mit 16 000 Euro beinah doppelt so viel. Und das war noch vor der Tarifreform.

Höhere Kosten können die Kommunen aber nicht einfach an die Standbetreiber weitergeben, wie TCF-Mann Stroscher deutlich macht: "Wir wissen, was ein Standbetreiber ungefähr erwirtschaften kann. Wenn wir bei den Gebühren eine bestimmte Grenze überschreiten, kommen die nicht mehr. Die wollen ja auch Geld verdienen."

Von der Gema-Gebührenerhöhung ist aber nicht nur die Stadt als Veranstalter der großen Feste betroffen. Auch gemeinnützige Vereine bittet die Gema zur Kasse. Thomas Meder, Vorsitzender des Höchster Vereinsrings, der die mehrwöchige Veranstaltungsreihe "Höchster Schlossfest" organisiert, bestätigt: "Wir haben schon in diesem Jahr etwa um die Hälfte mehr gezahlt als noch ein Jahr zuvor." Wie viel genau will Meder nicht sagen, aber er macht deutlich: "Es wird sowieso immer schwieriger, genug Sponsoren zu finden für solche Veranstaltungen. Wenn die zusätzlich mit immer höheren Gebühren belastet werden, muss man sie auf Dauer in Frage stellen." Er kann zudem nicht nachvollziehen, weshalb die Gema sogar für irische Volkslieder Gebühren kassiert. "Wer bekommt denn dieses Geld? Die Urheber sind doch schon hundert Jahre tot. Ich finde das in bestimmten Segmenten einfach unverschämt, was die Gema macht."

Auch Festzeltwirt Eddy Hausmann hat einschlägige Erfahrungen mit der Gema. "Vor drei Jahren habe ich bei der Dippemess‘ geschlossen." Der Grund: Für 15 000 Quadratmeter Festfläche hätte er 12 000 Euro an die Gema zahlen müssen. "Das lohnt sich gar nicht mehr für uns." Dienstags und mittwochs gibt es bei ihm auch keine Musik mehr auf der Dippemess‘, weil da so wenige Gäste im Festzelt sind, dass die 400 bis 500 Euro Gema-Gebühren die Musik zum Zuschussgeschäft machen würden.

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