Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 15°C

Cargo City Süd: Strafverteidiger packt im Cargo-City-Prozess aus

Im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd hat gestern der frühere Strafverteidiger des ehemaligen Fraport-Mitarbeiters Volker A. als Zeuge ausgesagt. Er gab an, dass A. in einer Vernehmung während der Untersuchungshaft weitgehend gestanden habe. Im Prozess fährt A. eine andere Strategie.
Volker A. entband seinen früheren Anwalt von der Schweigepflicht. Foto: Bernd Kammerer Volker A. entband seinen früheren Anwalt von der Schweigepflicht.
Frankfurt. 

Das Bild, das der Frankfurter Rechtsanwalt Thomas F. gestern von seinem früheren Mandanten Volker A. zeichnete, passte nicht so recht zu dessen Aussageverhalten im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd: Der ehemalige Fraport-Mitarbeiter A., der sich wegen des Verdachts der Bestechlichkeit vor dem Landgericht verantworten muss, habe die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in einer staatsanwaltschaftlichen Vernehmung während der Untersuchungshaft weitgehend eingeräumt, ließ der als Zeuge geladene Anwalt durchblicken. Er habe den Eindruck gehabt, dass A. „vollständig gestehen“ wollte. Die Angaben seien nur so aus A. herausgeflossen, es habe so gewirkt, als ob er „vollständig reinen Tisch“ habe machen wollen.

Das gezeichnete Bild passte deshalb nicht so recht, weil sich Volker A. mit Aussagen im Prozess stark zurückhält und so gut wie keine Fragen beantwortet. Im Gegensatz zu den vier anderen Angeklagten trug er seine ausführliche Einlassung auch nicht zu Beginn der Hauptverhandlung, sondern erst nach vier Monaten vor. Als Geständnis sämtlicher Vorwürfe ließen sich seine Ausführungen auch keineswegs werten.

Der frühere Fraport-Mitarbeiter räumte zwar ein, im Zusammenhang mit der Cargo City Süd Geld kassiert zu haben. Er bezeichnete sein Verhalten auch als „Fehler“, der den Anschein der Bestechlichkeit erwecke. Dann gab A. aber an, dass er von sich aus keine Zahlungen verlangt habe. Diese seien ihm vielmehr vom Makler Uwe S. und vom Projektentwickler Jürgen Harder angeboten worden, die ebenfalls angeklagt sind.

Gestiegener Stresspegel

In der gestrigen Sitzung befragte der Vorsitzende Richter Christopher Erhard den früheren Strafverteidiger Volker A.’s nach dem Ablauf der Vernehmung im Sommer 2013. Thomas F. berichtete, dass der „Stresspegel“ im Raum am Morgen „erheblich gestiegen“ sei. Die Staatsanwaltschaft habe ein Passwort und Auszüge eines Auslandskontos verlangt. Außerdem habe sie betont, dass andere Geständnisse ausführlicher gewesen seien und A. „in die Puschen kommen“ müsse, wolle er von der Untersuchungshaft verschont werden. Der Anwalt sagte, dass dies aus seiner Sicht an „Nötigung“ gegrenzt habe. Volker A.’s neuer Verteidiger Torsten Fuchs ließ sich die Schilderungen bestätigen, nachdem das Fragerecht an ihn übergegangen war.

Zeuge Thomas F. führte aus, dass der ehemalige Fraport-Mann Volker A. in der besagten Vernehmung seine Motivation genannt habe, bei den Grundstücksgeschäften des Flughafenbetreibers in der Cargo City Süd mitzuverdienen: „Ich habe so viele Leute reich gemacht, jetzt will ich mal an mich denken“, soll A. zumindest sinngemäß gesagt haben. A. war bei der Fraport mit der Entwicklung des Geländes der Cargo City Süd und mit der Vermarktung der Grundstücke betraut. Als Gegenleistung für die ihm angebotenen Zahlungen sollte sich A. bei der Fraport angeblich dafür einsetzen, dass die Geschäfte mit Jürgen Harder und dem heute ebenfalls angeklagten Ardi Goldman „glattgehen“ – auch das soll A. bei seiner ersten Vernehmung zu Protokoll gegeben haben.

Gespräche mit Goldman

Der Richter fragte den Anwalt Thomas F. gestern, ob Volker A. in der Vernehmung den Investor Goldman belastet habe. F. antwortete zwar, dass das seiner Erinnerung nach nicht direkt geschehen sei. A. habe aber von Gesprächen mit Goldman berichtet, in denen von seiner Beteiligung am Erlös aus dem Grundstücksgeschäft die Rede gewesen sei. Eines der Gespräche habe im Büro des Maklers Uwe S., ein anderes im „25 hours“-Hotel stattgefunden. Goldman habe der Beteiligung des Fraport-Mitarbeiters am Gewinn „grundsätzlich zugestimmt“, soll A. in der Vernehmung gesagt haben.

(chc)
Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse