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Geplanter Umbau wird teurer als gedacht: Straßenbahn-Haltestellen an der Hanauer Landstraße: Baukosten verdoppeln sich

Von Der Umbau dreier Haltestellen der Straßenbahn wird doppelt so teuer wie geplant. Das steht schon fest, noch ehe die Bauarbeiten überhaupt begonnen haben. Grund: Zu den veranschlagten Kosten will keine Baufirma den Job erledigen.
<span></span> Bilder > Foto: Holger Menzel
Frankfurt. 

Mal eben verdoppelt haben sich die veranschlagten Baukosten für drei Straßenbahn-Haltestellen in der Hanauer Landstraße. Noch ist kein Stein umgedreht, da steht schon fest: Das vor einem Jahr von den Stadtverordneten genehmigten Budget von zusammen 1,57 Millionen Euro wird nicht reichen. Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) muss sich noch einmal fast den selben Betrag bewilligen lassen: Um 1,55 Millionen Euro wird der Umbau der Haltestellen Daimlerstraße, Dieselstraße und Hugo-Junkers-Straße teurer.

Die Bahnsteige wurden bereits barrierefrei umgestaltet. Die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF) hat sie angehoben, damit Behinderte besser in die Züge der Linien 11 und 12 einsteigen können. Was noch fehlt, ist die behindertengerechte Gestaltung der Wege, der Straßenübergänge und Ampeln. Hier sollen unter anderem Leitstreifen sehbehinderten Menschen den Weg zur Station erleichtern. Der Fußgängerweg ist Angelegenheit der Stadt, nicht der VGF.

Hoher Arbeitsaufwand

Dass sich die Kosten für die geplanten Baumaßnahmen verdoppeln, liegt nach Angaben des Magistrats an der „äußerst kleinteiligen Baumaßnahme mit unverhältnismäßig hohem Arbeitsaufwand zur Verkehrssicherung, Bauabwicklung und -ausführung, der sehr kurzen Arbeitszeiträume und erhöhter Planungskosten.“ So steht es fast wortgleich in den Mehrkostenvorlagen M 214 bis M 216, über die das Stadtparlament jetzt entscheiden muss.

Info: So viel ist noch zu tun

Es gibt in Frankfurt 1715 Haltestellen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ohne die S-Bahnen): 150 Haltestellen der U-Bahn, 257 Tram-Stationen und 1308 Bushaltestellen.

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Das war im vergangenen Jahr, als die wohl überholte Finanzierung beschlossen wurde, alles schon bekannt. Warum verdoppeln sich jetzt die Kosten? „Es hat sich kein Bauunternehmen gefunden, das bei der Ausschreibung ein wirtschaftliches Angebot unterbreitet hat“, antwortet Michaela Kraft, Leiterin des Amts für Straßenbau und Erschließung. „Nur eine Firma hat ein Angebot abgegeben.“ Dieses war zu hoch. Das Amt hat die Ausschreibung aufgehoben. Womöglich, räumt die Amtsleiterin ein, habe man die Kompliziertheit der drei Haltestellen unterschätzt: Es ist sehr kleinteilig zu arbeiten, es gibt wenig Fläche, um Arbeitsmaterial zu lagern, außerdem ist mehr Personal als üblich erforderlich. Das alles erhöht die Baukosten. Hinzu kommt, dass auch die Ampeln samt Kabelzuführung erneuert werden müssen.

Darüber hinaus müssen Baufirmen zu gefunden werden, die koordiniert arbeiten. Denn die drei Haltestellen sollen zeitgleich umgebaut werden. Und zwar von April bis Juli kommenden Jahres.

Fahrspur wird gesperrt

Die Hanauer Landstraße muss dafür von zwei auf eine Fahrspur je Fahrtrichtung verengt werden. Die Bauarbeiten sind koordiniert mit der Erneuerung der B 40 zwischen Mainkurkreisel und der Mainfähre Rumpenheim und den Neubau-Arbeiten an der Hafenbahn-Brücke, derzeit noch eine Engstelle mit Tempo-30-Beschränkung.

Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) betont, die Erhöhung der Kosten sei auch darauf zurückzuführen, dass die Ampelarbeiten aufwendiger sind als vor einem Jahr geplant, die Verkehrsführung und Baustellenkoodination ebenfalls. Der Hauptgrund sei aber: „Die Konjunktur boomt, die Baufirmen haben so viele Aufträge, dass sie ausgebucht sind.“ Sie können sich aussuchen, wo und zu welchem Preis sie arbeiten. Damit sei klar: Die Preise steigen. „Das ist Marktwirtschaft“, sagt Oesterling.

Der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbands Hessen-Thüringen, Burkhard Siebert, beurteilt es anders: „Öffentliche Bausachen haben oft politische Preise, damit man sie durch die Gremien bekommt. Es ist trotz gestiegener Nachfrage nicht so, dass die Margen der Firmen steigen.“ Vielmehr seien die Baumaterialien enorm teuer geworden. Hauptproblem der Baufirmen mit öffentlichen Bauherren ist, dass es keine kontinuierliche Nachfrage gibt. „In den ersten Monaten des Jahres gibt es nur wenige Aufträge, am Jahresende kommt es geballt.“ Hinzu komme, so Siebert, dass Frankfurt in der Branche als schwieriger Auftraggeber gelte, bei dem kaum Entscheidungen auf dem kleinen Dienstweg getroffen werden können.

„Das ist exorbitant“

Bei den zuständigen Ortsbeiräten 4 und 11 traf die Magistratsvorlage auf Staunen: „Mir ist die Luft weggeblieben. 900 000 Euro für die Haltestelle Hugo-Junkers-Straße, das ist ja exorbitant“, sagte Werner Skrypalle, Vorsitzender des Ortsbeirats 11 (Fechenheim, Riederwald, Seckbach). „Unglaublich“ findet die Mehrkostenvorlage auch Annette Rinn, Fraktionsvorsitzende und verkehrspolitische Sprecherin der FDP im Römer. Eine Verdopplung der Baukosten für die drei Haltestellen ist für sie nicht akzeptabel. „So etwas plant man ja nicht zum ersten Mal.“ Sie ist sicher: „Dem werden wir nicht zustimmen.“

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