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Straßen um Frankfurter Uni bekommen bei Google Maps neue Namen: Straßennamen für den Campus

Von Mit der offiziellen Enthüllung des Straßenschildes „Norbert-Wollheim-Platz“ feiert die Goethe-Universität die Neubenennung einiger Plätze auf dem Campus Westend. Doch eine Studenteninitiative protestierte mit eigenen Namen in Google Maps gegen die Verlegung der Postanschrift der Univerwaltung auf den Theodor-Adorno-Platz.
Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), Universitätspräsidentin Birgitta Wolff und Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) bei der Umbenennung des Platzes. 	Foto: Rüffer Bilder > Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne), Universitätspräsidentin Birgitta Wolff und Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) bei der Umbenennung des Platzes. Foto: Rüffer
Frankfurt. 

Der „Platz des 8. Mai 1945“ in Google Maps ausgerechnet vor dem „House of Finance“ roch nach Protest. Dabei sollte die feierliche Einweihung des Norbert-Wollheim-Platzes vor dem I.G.-Farbenhaus des Campus Westend den Auschwitz-Überlebenden und Prozessführer gegen die I.G.-Farben würdigen und endlich einen Schlussstrich unter die jahrelang umstrittene Umbenennung des früheren Grüneburgplatzes ziehen.

„Mit den Umbenennungen wird nicht nur an herausragende wissenschaftliche Leistungen dauerhaft erinnert, sondern auch an jüdische Schicksale, die für Vertreibung und Verfolgung stehen“, betonte die Präsidentin der Goethe-Universität Birgitta Wolff. Diese Geste sei gerade in einer Zeit, die durch Islamismus und Pegida-Bewegungen geprägt ist, besonders wichtig. Bürgermeister Olaf Cunitz (Grüne) und die überlebende jüdische Auschwitzgefangene Trude Simonsohn unterstrichen den hohen Symbolgehalt des neuen Namens: Er ehre den Mann, der die späteren Auschwitzprozesse erst ermöglichte, und stehe als „überfälliger Beitrag“ gegen das problematische Empfinden der frühen Universitätsleitung, der Name „I.G.-Farben- haus“ sei unzumutbar.

Die Asta-Vorsitzende Myrella Dorn und Alisa Siegrist von der „Initiative zur Umbenennung des Grüneburgplatzes in Norbert-Wollheim-Platz“ bedauerten die geringe Zahl anwesender Zeitzeugen, fanden aber zunächst wie der Vorsteher des Ortsbeirats 2 Axel Kaufmann (CDU) anerkennende Worte für die neuen Namen, die nun auch der Theodor-W. Adorno-Platz (bisher Campusplatz) und die Max-Horkheimer-Straße (bislang Lübecker Straße) tragen.

Zudem votierte der Universitätssenat für die weiteren Namen „Fritz-Neumark-Weg“, „Gisèle-Freund-Platz“ „Nina-Rubinstein-Weg“ und „Helmut-Coing-Weg“ zur Benennung der nördlichen Zufahrtsstraße zum House of Finance, des Platzes an der Bremer Straße, des Querwegs dorthin entlang des Casino-Gebäudes und des Weges von der Hansaallee vorbei am Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte. Zustimmen muss noch der Ortsbeirat 2.

 

Kritische Stimmen

 

Doch dann fanden studentische Vertreter zunehmend kritisch-protestierende Worte gegen die zentrale Universitätsverwaltung, die ihre Postanschrift nun an den Theodor-W.-Adorno-Platz verlegt hat. In die gleiche Richtung zielte auch die Straßenumbenennung der „Fachschaftsinitiative Demokratische Hochschule“ (FDH) in Google Maps, die mit so klangvollen Namen wie „Allee zur überteuerten Mensa“ oder „Weg der unterbezahlten Hilfskräfte“ auch andere Missstände an der Universität anprangern wollte. „Das sollte aber nicht im Vordergrund stehen, es ging uns natürlich darum, dass die Universitätsverwaltung auch zum neuen Platznamen stehen soll“, erklärte Sophie Osburg von der Initiative im Gespräch mit dieser Zeitung.

„Mit unserer Forderung nach der Umbenennung des Grüneburgplatzes war immer die Annahme verbunden, dass auch die Adresse der Universität den neuen Namen tragen würde“, betonte Alisa Siegrist in ihrer Ansprache. „Zugegeben, Wollheim war zwar kein namhafter Vertreter der Frankfurter Schule. Selbstverständlich wurden mit den großen Theoretikern Adorno und Horkheimer würdige Namen gefunden, um sich eine prestigeträchtige Anschrift zu geben“, räumte Siegrist ein. Doch dass die Universitätsverwaltung somit auch die Adresse des neuen Adorno-Platzes annehmen würde, sei nicht im Sinne ihrer Initiative gewesen.

 

Vorwurf zurückgewiesen

 

Der Universitätssprecher Dirk Frank weist jedoch den Vorwurf zurück, die neue Adresse hätte etwas mit Prestigegründen oder einer Distanzierung von der ungeliebten Vergangenheit zu tun. Er argumentiert mit geographisch-postalischen Gründen: „Wir wollten mit der neuen Namensgebung auch eine Dezentralisierung der Adressen zur besseren Übersichtlichkeit erreichen, da die Verwaltung ja weiter oben am neuen Adorno-Platz liegt.“ Selbstverständlich würden deshalb die Geisteswissenschaften im I.G.-Farben Haus auch mit der Adresse „Norbert-Wollheim-Platz“ firmieren.

Doch die Studenten lassen dieses Argument nicht gelten, da früher mit der gemeinsamen Adresse „Grüneburgplatz“ die Orientierung und Verteilung der Post ebenso gut funktioniert hätte. „Hier wird mit Namen Politik gemacht“, meint eine unzufriedene Studentin abschließend.

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