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Streit um Betreuung der Kleinen

Der Streit um das geplante Kinderförderungsgesetz (KiföG) geht weiter. Wo Befürworter des Gesetzes wie Landtagsabgeordnete Bettina Wiesmann (CDU)nur Vorteile sehen (siehe Text unten), befürchten Kritiker eine Absenkung von Frankfurter Standards. Gestern bezogen OB Peter Feldmann (SPD) und Stadträtin Sarah Sorge (Grüne) Stellung.
Die Integrative Kindertagesstätte Lebenshilfe probte den Dienst nach dem neuen Kinderförderungsgesetz und kritisierte die Auswirkungen. Maja Kurzidem, keine Fachkraft, malte mit Laura ein Bild.	Foto: Salome Roessler Die Integrative Kindertagesstätte Lebenshilfe probte den Dienst nach dem neuen Kinderförderungsgesetz und kritisierte die Auswirkungen. Maja Kurzidem, keine Fachkraft, malte mit Laura ein Bild. Foto: Salome Roessler
Frankfurt. 

„Das geplante Kinderförderungsgesetz darf in seiner jetzigen Form nicht verabschiedet werden“, sagt Oberbürgermeister Peter Feldmann. Hier würden die jetzigen Qualitätsstandards angegriffen. Und kämpferisch fügt er hinzu: Man werde alles dagegen tun und Vorschläge erarbeiten, welche die Kommunen auch umsetzen könnten. Ein Schritt in diese Richtung besteht in der gestern demonstrierten Einigkeit mit den freien Kita-Trägern von der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Beratungs- und Verwaltungszentrum (BVZ) und der Caritas. Zusammen verantworten die Einrichtungen knappe 10 000 Plätze in Kindertagesstätten - Tendenz steigend.

 

Familienfreundlichkeit geht

 

Als zentralen Punkt des gemeinsamen Anliegens nennt Feldmann, die bisherige Familien- und Kinderfreundlichkeit der Stadt zu erhalten und auszubauen. Vor allem die angedachte Veränderung des Betreuungsschlüssels stößt auf Kritik: Bislang werden laut Caritas zehn bis zwölf Kindern 2,3 Fachkräfte zugestanden. Mit Gültigkeit des neuen Gesetzes wären es ab Januar 2014 bis zu 16 Kinder bei gleicher Betreueranzahl. Diese dürften sich darüber hinaus zu 20 Prozent aus fachfremdem Personal ergeben.

„Es ist aber nicht geregelt, wie die Erfahrungen dieser Fachfremden auszusehen haben“, sagt Cornelia Held, Abteilungsleiterin Kindertagesstätten der AWO. Fachfremde müssten zudem vom ohnehin sehr geforderten Fachpersonal angeleitet werden, genau wie Helfer, die zum Beispiel ein freiwilliges soziales Jahr ableisteten. Dies führe zu noch weiter steigender Belastung und einer Abwertung der Profession, so Held. Stadträtin Sorge meint deswegen auch, dass der schon mehrmals in der Diskussion bemühte „berühmte Förster“ nicht als fachfremder Betreuer in die Kita kommen werde, weil er als Beamter mehr Geld verdiene. Und OB Feldmann weist darauf hin, dass Fachfremde „wie Hilfskräfte“ bezahlt würden, wovon man in der teuren Stadt Frankfurt nicht leben könne.

 

Fachkräftemangel kommt

 

Er befürwortet daher den Vorschlag Sabine Drexler-Wagners vom BVZ, ausländische Bildungsabschlüsse schneller anzuerkennen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Hartmut Fritz, Direktor des Frankfurter Caritasverbands, begrüßt dies ebenfalls: „Die Kita ist ein entscheidender Ort für Integration“, sagt er. Erweiterte Sprachkenntnisse seien daher besonders wichtig für Fachpersonal und betreute Kinder.

Ein weiterer großer Kritikpunkt am KiföG besteht in der drohenden Subventionskürzung für lange Kita-Öffnungszeiten. Bislang beansprucht ein Ganztagsplatz 47,5 Stunden pro Woche. Mit der neuen Regelung würden nur noch 42,5 Stunden vom Land subventioniert, sagt Hartmut Fritz. Die dadurch entstehenden Mehrkosten müssten Träger und Stadt bezahlen. Für die Träger ein Ding der Unmöglichkeit.

Insgesamt zeigt man sich einig darüber, dass die Frage nach Qualität in der Erziehung Vorrang gegenüber der Quantität besitzt. Sarah Sorge: „Aufbewahren reicht nicht.“ Es muss auch gewährleistet sein, dass die Kleinen von Fachpersonal in einem ausreichenden Schlüssel betreut werden.

In diesem Zusammenhang darf man sicher auf den 1. August dieses Jahres gespannt sein - dann nämlich wird der gesetzliche Anspruch auf einen Kitaplatz für unter Dreijährige vor Gericht einklagbar.

„Das Gesetz bringt nur Vorteile“

Das neue Kinderförderungsgesetz ist ein Gewinn - für die Fördergerechtigkeit, für die Betreuungsqualität und für die Kommunen bei der Bewältigung ihrer Aufgaben in der frühkindlichen Bildung.

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(Thorben Pehlemann)
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