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Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic und Städel-Chef Philipp Demandt: Talk auf dem Roten Sofa: „Frankfurt ist sexy“

Von Beide sind neu in Frankfurt. Beide stehen an der Spitze herausragender Institutionen. Beide wissen wenig voneinander. Doch Fredi Bobic und Philipp Demandt haben vieles gemeinsam.
Fredi Bobic (li.), Sport-Chef von Eintracht Frankfurt, und Philipp Demandt, Direktor von Städel, Schirn und Liebieghaus, im Gespräch mit Chefredakteur Joachim Braun (re.). Foto: Michael Faust Fredi Bobic (li.), Sport-Chef von Eintracht Frankfurt, und Philipp Demandt, Direktor von Städel, Schirn und Liebieghaus, im Gespräch mit Chefredakteur Joachim Braun (re.).
Frankfurt. 

Zwischen Fußball und Kultur sind die Gräben noch nicht geschlossen. Beide Welten sind sich bis heute so fremd geblieben wie Frankfurt und Offenbach. Daran hat ein Roman von Peter Handke nichts ändern können, die Versuche nicht, den erhabenen Moment eines Siegtors im Gedicht zu verewigen, ein Eintracht-Museum nicht und eine mannigfaltige, regional geprägte „Fankultur“ auch nicht. Kunst und Kicken sind unterschiedliche Wertsphären. Bis jetzt.

An diesem klirrend kalten Montagabend nämlich saßen zwei hervorragende Vertreter ihres Geschäfts im gemütlich eingeheizten „Sofitel Frankfurt Oper“ auf dem Roten Sofa zu einem Gesprächsformat, das diese Zeitung in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Sparkasse erfunden hat, um Klüfte zu schließen und Menschen zusammenzubringen. Oliver Rohloff, Geschäftsführer der „Frankfurter Neuen Presse“ und ihrer Regionalausgaben, begrüßte rund 200 geladene Gäste in den Räumen des neu eröffneten Hotels. Sie waren in der Erwartung gekommen, zu erfahren, wie Sport und Kunst in einer Stadt des Big Business zusammenpassen. Man muss sagen: Da ist noch mancherlei zu leisten. Und Joachim Braun, seit April Chefredakteur dieser Zeitung, gab sich alle Mühe, Brücken zu schlagen. Am Ende des launigen Abends schien gewiss: Es gibt nun erste Perspektiven.

Denn neben Braun saßen zwei, denen Frankfurt bislang zwar kein böhmisches Dorf, aber doch ein noch zu entdeckendes Terrain ist: Fredi Bobic, seit Juni Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, und Philipp Demandt, seit Oktober Nachfolger von Max Hollein als Direktor von Städel, Schirn und Liebieghaus, eingeplackte Neu-Frankfurter also, die mangels Zeit bislang intimere Kenntnisse der Stadt noch nicht haben erwerben können.

Bilderstrecke Das Rote Sofa mit Eintracht Sportvorstand, Städel-Direktor und FNP-Chefredakteur
Am Montag (28.11.2016) kamen viele Gäste ins Sofitel Opera Hotel zum "Roten Sofa" mit Eintracht Sportvorstand Fredi Bobic, Städel-Direktor Philpp Demandt und FNP-Chefredakteur Joachim Braun.Hier: Sprecher des Vorstands Mainova Constantin Alsheimer & Robert Restani, Vorsitzender des Vorstands der Frankfurter SparkasseHier: Klaus Veit, Ressortleiter Sport der FNP, Fredi Bobic & Oliver Rohloff, Geschäftsführer der Frankfurter Societäts-Medien GmbH

Der Fußball-Experte Bobic gestand, noch in keinem Frankfurter Museum gewesen zu sein, also auch im Städel nicht. Seine Ehefrau indes habe schon das Senckenberg aufgesucht. „Das will ich mir auch noch antun“, so Bobic. Während aber Bobic in Madrid schon einmal das Duell Bayern-Real sausen ließ, um sich im Prado Alte Meister anzusehen, hat Demandt, wie er bekannte, noch nie ein Fußball-Stadion betreten. Sein Wissen über die SGE verdanke er der Lektüre des einschlägigen Wikipedia-Artikels, der ihm länger erschienen sei als der über Deutschland.

Was sie eint

Freilich, so ermittelte Braun im Gespräch, haben ein Sportvorstand und ein Museumsdirektor mehr miteinander gemein, als sie womöglich ahnen. Was sie eint, ist etwa das Ringen um die Zuschauer, auch, wenn der eine sich deren Urteil jede Woche aussetzen muss („Die derzeitige Euphorie um den 4. Platz ist nur eine Momentaufnahme“), während der andere in längeren Fristen denkt, um sein Haus attraktiv zu halten. Was den Sportvorstand und den Museumsdirektor eint, ist das ständige Bemühen, Geldgeber und Partner zu finden, die Projekte unterstützen.

Seine Aufgabe, so gab Bobic preis, bestehe nicht darin, „im Büro zu liegen und Fußball zu gucken“, sondern unterwegs zu sein, Menschen zu treffen, zu kommunizieren, mit Entscheidern Gespräche zu führen. Aber auch darin, junge Spieler zu formen und darauf vorzubereiten, was sie in der Bundesliga erwartet, ihnen Rat, Halt und Orientierung zu geben, sie „erwachsen“ zu machen: „Wir sind ein Team, das sich um Kinder kümmert.“ Die Arbeit, die in einem Verein geleistet werde, sei mehr als das, was der Zuschauer schließlich in 90 Minuten auf dem Spielfeld sehe.

Fußball und Kunst – das passt zusammen

Gäste waren sich einig: zwei Top-Manager auf dem Roten Sofa

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Ähnlich beschrieb Demandt seine Funktion: Kommunikation, einen komplexen Organismus organisieren, Teams mit Menschen unterschiedlicher Kompetenzen bilden. „Es muss immer wieder Gründe geben, in ein Museum zu gehen“, so Demandt. Ausstellungen seien gleichwohl nur die sichtbaren zehn Prozent von dem, was ein Museum bewege.

Gut aufgenommen

Was Bobic und Demandt darüber eint, ist die Erfahrung, in Frankfurt offen empfangen worden zu sein. Beide schätzen die Internationalität der Stadt, ihre Begeisterungsfähigkeit, die große Bereitschaft, „mit Herzblut“ zu helfen und zu unterstützen. Und: „Alles, was man sich von einer Weltstadt wünscht, hat man in Frankfurt konzentriert“, sagte Demandt: „Frankfurt ist sexy.“ Er muss es wissen. Demandt leitete in Berlin die Alte Nationalgalerie. Und für die Hauptstadt gilt noch immer das alte Wowereit-Wort: „Arm, aber sexy“. Was Sportvorstand und Museumsdirektor eint, ist der Wille zum Erfolg, die Ausrichtung in die Zukunft: nicht stehen bleiben, sondern weiterentwickeln. Dazu gehört es auch, neue Welten zu entdecken. Demandt kündigte an, sich demnächst ein Spiel der Eintracht anzuschauen. Bobic tat kund, die erste von Demandt kuratierte Ausstellung zu besuchen. Das wird erst 2019 sein. Es soll um Tiere und einen unsympathischen Künstler gehen. Kunst und Kicken kommen sich näher.

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