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Ehrung im Römer: Tauben-Mutter nimmt 10 000 Tiere auf

Seit Jahrzehnten setzt sich Gudrun Stürmer mit ihrem Verein Stadttaubenprojekt Frankfurt für ein besseres Leben ihrer gefiederten Freunde ein. Heute erhält sie im Römer die Bürgermedaille für ihr ehrenamtliches Engagement.
Gudrun Stürmer vor einer ihrer Volieren in Oberrad. Heute wird die engagierte Tierschützerin für ihr unermüdliches Engagement mit der Bürgermedaille ausgezeichnet. Gudrun Stürmer vor einer ihrer Volieren in Oberrad. Heute wird die engagierte Tierschützerin für ihr unermüdliches Engagement mit der Bürgermedaille ausgezeichnet.
Oberrad. 

Alles begann im Jahr 1983 mit einer blutenden Stadttaube vor dem Frankfurter Hauptbahnhof. Gudrun Stürmer (63) ließ den Vogel von einem Tierarzt behandeln und brachte das Tier in einem Käfig in ihrem Bockenheimer Keller unter. Kurz darauf scheiterte sie beim Versuch, die Stadttaube in einem Tierheim abzugeben. „Das Tierheim lehnte ab. Mir wurde daraufhin klar, dass die Ressentiments gegenüber Tauben unter Tierschützern am größten sind“, beschreibt Stürmer jene Erfahrung, die ihr weiteres Leben prägen sollte.

35 Jahre später hat die Bockenheimerin Tausenden Tauben das Leben gerettet. Stürmer ist die Leiterin des Vereins Stadttaubenprojekt Frankfurt, auf dessen Gnadenhof in Oberrad verletzte und kranke Tauben gepflegt und versorgt werden.

Doch Stürmer und ihre Mitstreiter betreiben in Frankfurt auch zwei Taubenschläge, in denen die Tiere leben, versorgt werden und von öffentlichen Plätzen verschwinden. Weil der Verein dort ebenso wie auf dem Gnadenhof Taubeneier durch Gipseier austauscht, werden die Taubenpopulationen in der näheren Umgebung erfolgreich reduziert.

An den Menschen gewöhnt

Manche Mitarbeiter der Stadt behaupten, dass es in Frankfurt rund 40 000 Tauben gibt. Die Marburger Ornithologin Alexandra Weyrather hat ebenfalls gezählt und kam auf nur 4500 Tauben.

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Am heutigen Dienstag wird Stürmers Einsatz für Stadttauben im Römer gewürdigt. Vom Stadtverordnetenvorsteher Stefan Siegler erhält sie für ihre jahrzehntelange Vereinsarbeit die Bürgermedaille der Stadt Frankfurt.

Käfige im Keller

Bis zu ihrer Begegnung mit Peter, wie Stürmer die blutende Taube vor dem Hauptbahnhof später taufte, war die gelernte Versicherungskauffrau keine ausgewiesene Vogelfreundin: „Ich bin Katzenliebhaberin. Aber ich kann nicht akzeptieren, wie verwerflich viele Menschen mit Tauben umgehen.“

Auf Peter folgten Anfang der 1980er-Jahre weitere Tauben im Keller der Stürmers. Schnell sprach sich herum, dass das Ehepaar die richtige Adresse für verletzte Vögel sei. So platzte der Keller bald aus allen Nähten. Stürmer klopfte daraufhin bei Geflügelzuchtvereinen an, um die Vögel dort unterzubringen. Erfolg hatte sie im Oberräder Speckweg.

Der Gnadenhof

Dort übernahmen die Stürmers vorerst nur eine Voliere für ihre Tauben. Doch jedes Mal, wenn ein weiterer der großen Käfige frei wurde, zogen dort statt Hühnern die Tauben ein. Im Jahr 2010 übernahm das Ehepaar das Gelände schließlich ganz und machte es zu ihrem Gnadenhof. Mehr als 10 000 Tauben wurden seitdem dort abgegeben, gepflegt und versorgt. Manche haben sich ganz dort niedergelassen.

Die Verleihung der Bürgermedaille bedeutet für Gudrun Stürmer aber nicht das Ende ihrer Mühen. Sie setzt sich weiterhin für einen besseren Ruf jener Vögel ein, die längst nicht so viele Krankheiten übertragen, wie behauptet.

Aufklärung tut Not

Die öffentlichen Zuschüsse für den Verein, der schließlich auch Ordnungsbehörden Arbeit abnimmt, sind mit 20 000 Euro im Jahr knapp bemessen, weshalb Stürmer für das Stadttaubenprojekt immer wieder neue Spender finden muss. Aufklärungsarbeit muss sie auch in Sachen der oft geschmähten Taubenschläge leisten.

Doch wie eine Ornithologin nachgewiesen hat, wurde die Taubenpopulation am Westbahnhof auf diese Weise seit dem Jahr 2013 von über 700 auf weniger als 500 Tauben gesenkt.

Sollte sich Stürmer einmal zur Ruhe setzen, kann sie sich wieder Katzen zuwenden. Sie hat ein Kinderbuch über einen Kater geschrieben. Das Thema soll der richtige Umgang mit Stadttieren sein.

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