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Gerichtsfall: Taxifahrer ergaunert 720 000 Euro

Von Ausgerechnet die Registerabteilungen der guten, alten Amtsgerichte mussten für ein Betrugsmanöver herhalten, bei dem ein 42 Jahre alter Geschäftsmann aus Griechenland innerhalb nur weniger Monate mehr als 720 000 Euro ergaunert haben soll. Seit gestern hat er sich deshalb wegen gewerbsmäßigen Betruges vor dem Landgericht zu verantworten.
Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv Foto: dpa Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv
Frankfurt. 

Soll ein neues Unternehmen seine Geschäfte aufnehmen oder auch nur eine Änderung in der Geschäftsführung bekannt gegeben werden, ist ein Eintrag im Handelsregister des jeweiligen Amtsgerichts erforderlich. Wird ein entsprechender Antrag gestellt, so ist dies bereits auf einer bestimmten Seite im Internet ersichtlich – dies freilich ist nicht nur der gesetzestreuen Geschäftswelt dienlich sondern auch ein gefundenes Fressen für Gauner aller Art. Der 42 Jahre alte, aus Griechenland stammende Angeklagte jedenfalls sammelte Namen und Adressen jener Firmen, die in jüngster Zeit bei den Registerabteilungen vorstellig geworden waren.

Rechnungen gestellt

Er erstellte nun selber eine Rechnung über angebliche Eintragungskosten in Höhe von 796 Euro, die mit amtlich wirkenden Firmenbeschriftungen sowie dem Text der jeweiligen Eintragung versehen waren. Ganz klein geschrieben – unten in der Ecke – war der Hinweis, dass es sich lediglich um ein Angebot handele, Namen und Sitz der Firma in einem zusätzlichen „EU-Handelsregister“ des Angeklagten eintragen zu lassen. 904 Firmen aber leisteten der Zahlungsaufforderung Folge, weil sie davon ausgingen, dass damit tatsächlich der Eintrag im offiziellen Gerichtsregister beglichen würde. Auf die angegebenen Konten flossen innerhalb weniger Monate 2015 mehr als 720 000 Euro. Ein einträgliches Geschäft für den ansonsten eher finanziell beengt lebenden Taxifahrer. Gestern legte der Angeklagte nicht nur ein umfassendes Geständnis ab. Er plauderte auch über die Hintergründe der Taten. Ein Fahrgast, der in jugendlichem Alter offenbar bereits reichlich Kasse gemacht hatte, habe ihm während der Fahrt von dieser Masche erzählt. Statt endlosem Warten auf Fahrgäste am Taxistand, sollte er nunmehr aktiv werden. Denn trotz der hohen eingegangenen Beträge war der Erfolg der Rechnungen eher durchwachsen. Weil bereits andere Betrüger auf dem grauen Markt manipulierter Rechnungen wilderten, folgten rund 95 Prozent der angeschriebenen Firmen der Zahlungsaufforderung nicht. Sie hatten bereits vorher entsprechende Schreiben erhalten, die Briefe wanderten folglich ungelesen in den Papierkorb.

20 000 Briefe verschickt

Um trotzdem 904 eingegangene Zahlungen zu verbuchen, muss der Angeklagte also knapp 20 000 Rechnungen verschickt haben. Auch in Zeiten von Computerbriefen, Satzbausteinen und kiloweise bei der Post eingelieferter und bezahlter Sendungen ist dies mit einem ordentlichen Arbeitsaufwand verbunden. Mehr als fünf Stunden habe er täglich mit der Rechnungsstellung zugebracht. Mit seinem Geständnis konnte der Mann den ursprünglich bis Ende Oktober voraus terminierten Prozess erheblich beschleunigen. Schon am Freitag könnte es zu einem Ende kommen. Hoffnung auf eine Bewährungsstrafe wollte Vorsitzender Richter Jörn Immerschmitt nicht machen: Eine Strafe von rund drei Jahren sei in Anbetracht des hohen Schadens angemessen, hieß es in einem Rechtsgespräch.

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