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Im Bahnhofsviertel trafen sich Szenejünger – Kontrollen: Techno-Rave am stillen Feiertag in Frankfurt

35 Stunden Techno beim Osterrave des ehemaligen Clubs „U 60 311“ lockten 1000 Fans aus ganz Deutschland in den „Karlson Club“ im Bahnhofsviertel. Tattoos, Live-Acts und Bässe im Dunkeln sorgten für Begeisterung – trotz des Tanzverbots.
Rave am stillen Feiertag – der DJ legt auf, getanzt wird aber eher verhalten. Das Ordnungsamt war schon da und ließ die Sache  laufen. Rave am stillen Feiertag – der DJ legt auf, getanzt wird aber eher verhalten. Das Ordnungsamt war schon da und ließ die Sache laufen.
Frankfurt. 

„Allgemeines Tanzverbot nach hessischem Sonn- und Feiertagsgesetz!“ steht in großen Buchstaben auf der Glastür des „Karlson Club“ im Bahnhofsviertel. Die muskulösen Arme vor der Brust verschränkt, sitzt Rafael auf einem Hocker vor dem Eingang. Der Hall der tiefen Bässe lässt den Hocker samt dem Türsteher leicht vibrieren. Schräg gegenüber dem Club stehen zwei Polizeiautos; Uniformierte steigen aus, gehen aber in die entgegengesetzte Richtung. „Das Ordnungsamt war schon ein paarmal da“, sagt Rafael und lächelt gelassen. „Alles gut hier, die waren zufrieden.“

Dieses Schild am Eingang wies auf das Tanzverbot hin. Bild-Zoom
Dieses Schild am Eingang wies auf das Tanzverbot hin.

Mädchen in schwarzen Leggings und kurzen Tops kichern vor der Tür. Junge Männer lassen Muskeln voller Tätowierungen spielen, kippen Energy-Drinks runter. Ihre Gesichter sind blass, sie grinsen fröhlich, entblößen dabei weiße Zähne mit Spangen. Dazwischen tummeln sich Männer und Frauen um die 30, ebenfalls blass, gestylt und glücklich. Mit zehn Reisebussen sind Techno-Freaks angereist, um Live Acts zu hören. Der Name der Veranstalter – „U 60 311“ – ist deutschlandweit Kult in der Szene, auch wenn der gleichnamige Club unter dem Roßmarkt schon seit 2013 nicht mehr existiert. Einige Fans haben sich den Namen sogar tätowieren lassen – sie kommen kostenlos rein zum Osterrave von Gründonnerstag bis Ostersamstag.

Mehr als 50 Acts

Mehr als 50 Acts spielen innerhalb von 35 Stunden auf drei Floors hinter engen DJ-Kanzeln. Im ersten Raum wummert und pfeift es rhythmisch, dicht gedrängt stehen Besucher, deren Silhouetten vage zu erkennen sind. Die Luft ist schwül und stickig, am Tresen werden Energy- und Softdrinks und Bier verkauft. Das gleiche Bild im großen Raum und im Raum eine Etage tiefer, der „Eisenbahn“ genannt wird – eine lange Bank umschließt ihn, auf der die Gäste dicht an dicht sitzen. Köpfe nicken im Takt. Es riecht nach Zigaretten. Hinten am Pult stehen DJs mit Kopfhörern.

„Die Live-Sets sind tierisch anstrengend“, sagt Caroline Hilzinger von U 60 311 und lacht. „Robert Babicz hat sechs Stunden lang seine Musikreise nonstop gespielt, alle elektronischen Unterschiede herausgeholt und Spannungsbögen aufgebaut und wieder fallen gelassen.“ Der 44 Jahre alte Technostar hat sich danach auch fallen gelassen – ins Bett im benachbarten Hotel. „Der Unterschied zu Leuten, die einfach auflegen, ist beim Live-Künstler, dass er sofort auf das Publikum reagiert, den Wechsel zwischen Zuckerbrot und Peitsche, zwischen sanften und heftigen Tönen so hinbekommt, dass die Stimmung im Publikum ununterbrochen klar und gut ist“, sagt die Organisatorin. Auch sie wohnt im Hotel, ihr zwei Wochen altes Baby schlummert tief, die 16-jährige Tochter darf zum ersten Mal zum Rave. Dort legt gerade Marika Rosser auf. Mit vollem Bass und schrägen Tönen. Hilzingers Tochter schaut die schräge Blondine mit großen Augen an und lauscht.

Musik hören und chillen

„Das ist kein Feierpublikum wie bei einem Rave. Die Leute bleiben auch nicht durchgehend hier. Sie wollen Musik hören und chillen, das Publikum ist bunt gemischt aus Ärzten, Künstlern, Studenten und Arbeitslosen. Da sind keine drogenwilden Alkoholiker unterwegs, sondern Leute, die auf die Musik stehen“, betont Hilzinger. Sie hotten nicht ab, sondern hören zu. Manche wiegen sich im Takt, einige bewegen die Füße rhythmisch. Andere tanzen aber auch – im Dunkeln. „Festtackern kann man sie natürlich nicht, auch nicht an Karfreitag“, sagt Hilzinger. „Aber eine Tanzveranstaltung ist es nicht, sondern wie bei einem Konzert.“ Das Ordnungsamt hat nur geschaut und den Betrieb über die stillen Tage laufenlassen – wie Türsteher Rafael eingangs schon berichtete.

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