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Lärmminderung in Wohngebieten: Tempo 30 auf Frankfurter Hauptstraßen: Die Entscheidung naht

Autofahrer-Schikane oder Segen für Anwohner? Ein Modellversuch mit nächtlichem Tempo 30 auf Hauptverkehrsstraßen in Frankfurt sorgt weiter für heftige Debatten. Jetzt muss die Politik entscheiden. Ein Gutachten gibt ihnen klare Empfehlungen.
Eine Tempo-30-Zone in Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv Eine Tempo-30-Zone in Frankfurt. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv
Frankfurt.  Das Ergebnis des Pilotprojekts ist für die Wissenschaftler eindeutig: Ein nächtliches Tempo 30 auf vier Frankfurter Hauptverkehrsachsen kann ein «wichtiger Baustein» zur Lärm-Entlastung von Anwohnern sein. So steht es im vor wenigen Tagen veröffentlichten Gutachten eines Instituts aus Kassel, dass einen rund 18 Monate dauernden Modellversuch in Frankfurt begleitet hat.

Die Geschwindigkeitsreduzierung auf den vier Achsen erhitzt die Gemüter in Frankfurt seit langem. Das Projekt hat aber weit über die Stadt hinaus Bedeutung. Noch nie zuvor sind Geschwindigkeitsbeschränkungen auf innerstädtischen Hauptstraßen in Deutschland so ausführlich untersucht wurden. Das Gutachten hat rund 230 000 Euro gekostet.

Es geht dabei um Teile des Frankfurter Anlagen- und Alleenrings, die Eschersheimer Landstraße (eine große Ausfallstraße) sowie das nördliche Mainufer. Im Schnitt wurde dabei eine Verringerung des Lärms um drei Dezibel festgestellt. Dass sich Anwohner über mehr nächtlichen Schlaf freuen, versteht sich. Erstaunlich ist eher, dass trotz überwiegender Ablehnung von Tempo 30 unter den Autofahrern viele dennoch vom Gaspedal runtergegangen sind. Vielleicht noch entscheidender: Die hohen Geschwindigkeiten über Tempo 50 waren im Modellversuch deutlich rückläufig.

Am kommenden Dienstag (14.2.) debattiert nun der Verkehrsausschuss im Römer (Rathaus) über den Abschlussbericht. Er stellt damit zugleich auch die Weichen, wie das Stadtparlament abstimmen wird.

Dabei haben vor allem CDU und die SPD ein Problem. Sie haben sich lange vor Veröffentlichung des Gutachtens eindeutig gegen Tempo 30 in Position gebracht. Für die Grünen - den kleinsten Partner im Dreier-Bündnis - sind die Ergebnisse dagegen ein Grund zur Genugtuung. Der Öko-Partei war der Versuch schon immer ein Herzensanliegen.

Grünen-Fraktionschef Manuel Stock verweist dagegen darauf, dass die Verringerung um drei Dezibel von den Anwohnern wie eine Halbierung der Verkehrsmenge wahrgenommen werde. Die CDU-Fraktion spielt jetzt die Lärmminderungen als «zu vernachlässigen» herunter. Außerdem sei Tempo 30 von den Autofahrern mehrheitlich nicht akzeptiert worden, heißt es aus der Fraktion, die stattdessen mehr Kontrollen zur Einhaltung von Tempo 50 will.

Frankfurts Handwerkskammer beschwört schon mal den Weltuntergang in der nächtlich glitzernden Finanzmetropole, sollte es tatsächlich zu Tempo 30 kommen, «Wir können auch hier das Licht ausmachen», meint Verbandspräsident Bernd Ehinger - zugespitzt, wie er selbst einräumt.

Rückendeckung kommt dagegen vom Land Hessen mit seinem grünen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. Einer regulären Anordnung stünden keine «zwingenden rechtliche Hindernisse im Weg». Er weist zugleich darauf hin, dass sich der Verkehr trotz Tempo 30 nachts nichts in andere Straßen verlagert habe. «Es ist allerdings klar, dass die Entscheidung vor Ort getroffen wird.»

Wie letztlich das Frankfurter Stadtparlament abstimmt, scheint noch offen. Bei der SPD, die mit Klaus Oesterling den zuständigen Verkehrsdezernenten stellt, scheint die Debatte noch nicht abgehakt. Oesterling habe sich in der Frage noch nicht festgelegt, sagt sein Büroleiter.
 
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