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Terminal 3: Zeit zum Durchstarten

Von Die Vorbereitungen zum Bau des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen haben längst begonnen - Bagger fahren über braune, erdige Wege im Süden des riesigen Airports. Dort, wo einst eine US-Airbase war, sollen ab 2021 jährlich 14 Millionen Passagiere abgefertigt werden. Die Pläne für den Start des Baus wurden mehrmals verschoben. Auch aufgrund der schlechteren wirtschaftlichen Entwicklung des Flughafens. Schließlich ist die Zahl der Flugbewegungen seit Monaten rückläufig.
Frankfurt. 

Jüngst gab der Chef des Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, bekannt, dass das Terminal 3 ab 2015 gebaut werden soll - in Modulen. Schritt für Schritt. Der erste Bauabschnitt soll 2020 fertiggestellt sein, um nach einer einjährigen Testphase 2021 in Betrieb zu gehen. Wann weitere Module folgen, weiß man noch nicht. Fest steht aber: Zu Beginn sollen 14 Millionen, zum Ende des Ausbaus dann 25 Millionen Passagiere durch das Terminal geschleust werden. Damit würde sich die Kapazität des Airports auf jährlich 88 Millionen Fluggäste erhöhen. Im vergangenen Jahr zählte der Flughafenbetreiber 57,5 Millionen Passagiere.

 

Alle unter einem Dach

 

Da wundert es auch nicht, dass sich Fraport selten so unsicher war wie mit dem Bau des Terminals. Ist das Terminal nicht überdimensioniert? Kann man solche Fluggastzahlen wirklich erreichen?

Der Termin für den Baubeginn wurde unzählige Male verschoben. Hieß es anfangs, dass das neue Gebäude im Zuge des Ausbaus bereits in diesem Jahr in Betrieb gehen soll, ruderte das Fraport-Management im Herbst 2009 zurück und sprach von einer Fertigstellung im Jahr 2015. Es folgten die Daten 2016 und 2017. Grund waren die Wirtschafts- und Finanzkrise sowie der ausbleibende Anstieg der Passagierzahlen.

Nun sollen also ab 2015 die Bagger anrollen. Doch warum? Klar, die Passagierzahlen sind wieder leicht gestiegen. Aber die Flugbewegungen gehen zurück - nicht nur in Frankfurt, europaweit. Wurden am Main 2011 noch 487 162 Starts und Landungen gezählt, waren es 2012 nur noch 482 242. In München, Deutschlands zweitgrößtem Flughafen, gingen die Flugbewegungen im vergangenen Jahr um 2,9 Prozent auf 398 000 zurück. Und in London, Europas größtem Flughafen mit 70 Millionen Passagieren, sank die Zahl der Starts und Landungen von 476 197 auf 471 341.

Aber: „Der Luftverkehr wird wachsen“, sagt Ulrich Kipper, Leiter des zentralen Infrastrukturmanagements von Fraport. Kurz gesagt: Chefplaner für das Terminal 3. Entgegen der Aussagen von Klaus-Dieter Scheuerle, Chef der Deutschen Flugsicherung, der kürzlich von einer Stagnation des Luftverkehrsaufkommens in den nächsten zehn Jahren sprach, glaubt der 52-Jährige daran nicht. „Wir gehen unverändert von einem nachhaltigen Wachstum aus. Und dann brauchen wir unbedingt ein zusätzliches Terminal im Jahr 2021.“ Auch der Airport Council International (ACI), der führende internationale Dachverband der Flughafenbetreiber, rechnet in Europa bis 2031 mit einem Wachstum von 2,9 Prozent pro Jahr.

Während Kipper spricht, steht er in einem Konferenzraum im Projekthaus für das neue Terminal in der Cargo City Süd. Wo früher die Piloten der US-Air-Force übernachteten, glühen heute die Köpfe der Architekten, Planer und Gutachter. Insgesamt sitzt dort derzeit ein über 200-köpfiges Team. Darunter auch 40 Architekten aus dem Büro von Christoph Mäckler. Der renommierte Frankfurter Architekt hat das Gebäude entworfen. Das Baugebiet für die neue Passagierabfertigungshalle ist nur einen Steinwurf entfernt.

 

100 Fußballfelder groß

 

Genehmigt ist das Projekt längst. Seit 2007 sozusagen. Denn das neue Terminal ist Teil des Planfeststellungsbeschlusses zum Ausbau des Flughafens. Die ersten 26 Vorfeldpositionen gibt es bereits. Maschinen parken auf dem 100 Fußballfelder großen Areal. „Die Flugzeuge können auch schon abgefertigt werden. Betankungsvorrichtungen sind vorhanden“, sagt Kipper. „Im ersten Bauabschnitt haben wir 24 Kontaktpositionen an den Piers.“ Ist das Terminal komplett fertig, wird es insgesamt 75 Parkpositionen für Flugzeuge geben. Das wird jedoch noch dauern. 2021 wird noch nicht das komplette Terminal in Betrieb gehen. Dann wird zunächst der erste Bauabschnitt vollendet sein, denn der Entwurf von Mäckler ist so angelegt, dass in einzelnen Modulen gebaut werden kann. Je nach Bedarf können Flugsteige später noch realisiert werden. Zunächst sollen das Empfangsgebäude, das Terminalhauptgebäude und zwei Flugsteige auf 90 000 Quadratmetern entstehen. Das entspricht einer Größe von 19 Fußballfeldern. 1,2 Milliarden Euro wird Fraport in den Neubau investieren. Insgesamt wird das Ausbauprogramm im Süden einschließlich des Verkehrsanschlusses in den Norden 2,5 Milliarden Euro verschlucken.

Und wie soll das neue Terminal in Zukunft aussehen? Es gibt insgesamt vier Flugsteige, die wie abgespreizte Finger an das Abfertigungsgebäude angebunden sind. Die mittleren zwei Piers werden im ersten Bauabschnitt realisiert. Die gläserne Empfangshalle mit 104 Check-in-Schaltern ist 150 Meter lang, 50 Meter breit und 22 Meter hoch. Dahinter schließen sich die Sicherheitskontrollen mit 29 Stationen in einer Linie sowie die 14 Meter hohe Markthalle mit Shops, Gastronomie, Grünflächen und Ruhebereichen an. Die Verkaufsflächen sind insgesamt 5000 Quadratmeter, die Gastronomieflächen 2500 Quadratmeter groß. Durch die Markthalle müssen alle Passagiere hindurch, auch wenn das die Airlines meist nicht so gerne sehen, da Zeit verloren geht. Aber: „Auch das macht unser Geschäft aus.“ Es folgen die 400 Meter und 600 Meter langen Flugsteige mit Blick auf das Vorfeld und die startenden sowie landenden Maschinen.

„Wir werden ein nachhaltiges Gebäude bauen“, sagt Kipper. Einen Heizanschluss gibt es nicht. „Enorm energiesparend“ nennt er das. Der Heizbedarf wird lieber durch Abwärme der technischen Anlagen und Menschen in dem Gebäude gedeckt. Gekühlt wird mit mehr als 50 Prozent über regenerative Energien. „Dabei spielen sogenannte frei Kühlsysteme wie Kühlrippen auf dem Dach, vergleichbar mit einem Kühlergrill am Auto, und die Nutzung von Geothermie eine große Rolle.“

 

Bauantrag im August

 

Fehlen an einem Flughafen dürfen natürlich auch nicht die Parkplätze. Bis zu 3000 sollen es anfangs geben, die bedarfsgerecht erweitert werden können. Untergebracht sind diese in einem Parkareal gegenüber des Hauptgebäudes. Außerdem wird das Terminal 3 sowohl mit Pendelbussen als auch mit dem bestehenden Passagier-Transport-System, der SkyLine, vom 5,3 Kilometer entfernten Terminal 1 und dem 4,2 Kilometer entfernten Terminal 2 zu erreichen sein. Die Verlängerung der Linie wird an der Autobahn 5 entlang führen und neun Minuten dauern. 600 Millionen Euro kostet das. Auf dem Wunschzettel von Fraport steht auch der Anschluss an die S-Bahnlinie 7. Die Finanzierung steht allerdings noch nicht. Das hält den Flughafenbetreiber aber nicht davon ab, eine Trasse für die S-Bahn freizuhalten. Wie die Koffer von den beiden bestehenden Terminals zum neuen gelangen, ist hingegen geplant. Die 81 Kilometer lange Gepäckförderanlage wird unterirdische um bis zu 11 Kilometer bis zum dritten Terminal verlängert. Der geplante Gepäcktunnel zwischen altem und neuem Terminal hat eine Länge von rund zwei Kilometern.

So sieht der vorläufige Plan aus. In Stein gemeißelt sei das jedoch alles noch nicht. Kipper: „Wir sind noch mitten in der Planungsphase. Wir müssen flexibel sein, denn wir wissen heute noch nicht, was die Airline letztlich 2020 benötigen.“ Derzeit arbeiten die Architekten von Mäckler einen Gestaltungsplan aus. Darin wird definiert, welche Farben, Materialien, Fußböden und Türrahmen verwendet werden sollen. Gleichzeitig sind Kipper und sein Team mit den Brandschutzbehörden im Gespräch. Dafür wurde das komplette Gebäude im Computer simuliert, um die Entrauchung im Fall eines Brandes darzustellen. „So kann man den Bau richtig planen, ohne dass am Ende erschreckende Fehlkonstruktionen entdeckt werden so wie in Berlin“, so Kipper.

Noch im Sommer wird der Bauantrag bei der Stadt Frankfurt für das Terminal 3 eingereicht. Mit Komplikationen rechnet Kipper nicht mehr. Immerhin arbeiten sie bereits seit Jahren an dem Projekt. Und dann kann 2015 auch offiziell mit dem Bau begonnen werden.

Shoppingparadies

Geld wird am Flughafen schon lange nicht mehr nur mit Starts und Landungen und den Passagieren verdient.

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Lichtdurchflutet:

Das neue Terminal wird ein riesiger lichtdurchfluteter Glasbau.

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