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Gasexplosion und SEK-Einsatz: Terroranschlag: Höchster Klinikum probt den Ernstfall

Von Gasflaschen explodieren auf dem Höchster Wochenmarkt, 250 Menschen mit Spreng- und Brandverletzungen müssen behandelt werden – ein Schreckensszenario, das am Samstagvormittag bei einer Übung im Klinikum Frankfurt Höchst durchgespielt wurde. Am Nachmittag folgte eine weitere Übung: mit dem Spezialeinsatzkommando der Polizei.
Foto: Leonhard Hamerski
Als das Stimmengewirr in der Zentralen Notaufnahme  zu groß  wird, ruft  der   Notarzt  einmal laut in den Raum und bittet um Ruhe. Der Lärmpegel rings um den Triageplatz, an dem  eingelieferte  Patienten nach  der Schwere ihrer Verletzungen sortiert    werden, sinkt sofort. Der Mediziner wendet  sich wieder der Frau zu, die auf der Fahrtrage vor ihm sitzt. „Eine Schnittwunde in der linken Gesichtshälfte“, stellt er fest,   und „mehrere Wunden durch Splitter,   allerdings  nicht mehr stark blutend“. Die Patientin  macht einen stabilen Eindruck, kann  deutlich Antwort geben und  auch aufrecht sitzen, deshalb steckt  sie der Arzt nicht in die  Sichtungskategorie „Rot“ (Lebensgefahr,   Behandlung sofort erforderlich), sondern „nur“ in die  Kategorie „Gelb“ (Behandlung dringend erforderlich).

Bilderstrecke Terroranschlag: Übung für den Ernstfall im Klinikum Höchst
Terroranschlag und den Second Hit. Im Klinikum Höchst wird der Ernstfall - der Massenanfall von Verletzten - geprobt, anschließend übt das SEK für den Second Hit (ein weiterer Anschlag in der Klinik). Klinikum Höchst, Frankfurt. Aufgenommen am 26.08.2017.Terroranschlag und den Second Hit. Im Klinikum Höchst wird der Ernstfall - der Massenanfall von Verletzten - geprobt, anschließend übt das SEK für den Second Hit (ein weiterer Anschlag in der Klinik). Klinikum Höchst, Frankfurt. Aufgenommen am 26.08.2017.Terroranschlag und den Second Hit. Im Klinikum Höchst wird der Ernstfall - der Massenanfall von Verletzten - geprobt, anschließend übt das SEK für den Second Hit (ein weiterer Anschlag in der Klinik). Klinikum Höchst, Frankfurt. Aufgenommen am 26.08.2017.


Die Verletzungen der Frau waren zum Glück nicht echt, sondern nur aufgeschminkt – wie  diejenigen von knapp 30 weiteren Menschen, die am Samstag mit dem Rettungswagen ins Höchster Krankenhaus gebracht wurden. Dessen   Personal probte am Vormittag für einen „MANV 250“, also ein Großschadensereignis  mit einer Verletztenzahl zwischen 100 und   250. „Eine Explosion von Gasflaschen auf dem Höchster Wochenmarkt“ war das Szenario, das die Planer der Notfallübung ausgeheckt hatten.  Die Mediziner hatten es also vor allem mit Spreng- und Brandverletzungen zu tun. „Man muss damit rechnen, dass so etwas Realität werden könnte“, sagte Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne), der die Übung persönlich verfolgte, in Anspielung auf die abstrakt hohe terroristische Gefährdung.
200 Mitarbeiter des städtischen Klinikums beteiligten sich an der MANV-Übung. Ziel war es,  den  Alarm- und Einsatzplan und  die Kommunikationsstrukturen des Hauses zu testen. Kommt es zu einem   Massenanfall von Verletzten, kurz MANV, bringt ein Koordinationsteam sofort die weiteren Maßnahmen auf den Weg. Dazu gehören auch     die Einrichtung des Triageplatzes und das Heranziehen des nötigen   Fachpersonals. Eine erste Sichtung der  Verletzten wird bereits am Schadensort vorgenommen.  Dann werden die Patienten mit Hilfe des  Ivena-Systems, das im Frankfurter Gesundheitsamt entwickelt wurde, Krankenhäusern mit freien Behandlungsplätzen zugewiesen.

„Die Notaufnahme im Klinikum Frankfurt Höchst ist eine der größten in  Hessen“, betonte  die Klinikleitung anlässlich  der Notfallübung am Samstag. Die Versorgung einer hohen Anzahl schwer- und schwerstverletzter Patienten stelle die Kliniken   vor große medizinische, aber auch logistische Herausforderungen. „Um ihnen gerecht zu werden, muss die Patientenversorgung in solchen Extremsituationen immer wieder geübt und der Notfallplan überprüft werden.“

Die Patienten waren schon im Voraus über die Notfallübung informiert worden, unter anderem  mit Zetteln auf ihren Frühstückstabletts. So wollte die Klinik ausschließen, dass angesichts der vielen „blutenden Schwerverletzten“ eine Unruhe oder Panik entsteht. Weil die Krankenhausmitarbeiter alle Abläufe (von der Aufnahme des Patienten über die Eingangsuntersuchung und Diagnostik bis hin zum OP oder zur Intensivstation) probten, konnte die Übung im Gebäude  kaum unbemerkt bleiben.

Das galt auch für die Übung des Spezialeinsatzkommandos (SEK) der Frankfurter Polizei, die sich am Nachmittag anschloss: Gegen 13 Uhr fuhren von der Gotenstraße aus drei schwarze Transporter vor das  Klinikum Frankfurt Höchst, außerdem schwebte ein Polizeihubschrauber ein. Beamte mit schweren Maschinenpistolen seilten sich ab, liefen über das Gelände und drangen ins Gebäude ein.

Die SEK-Übung, die viele Schaulustige ihre Handykameras zücken ließ,  hatte nach Angaben einer Kliniksprecherin  nichts mit dem Szenario am Morgen zu tun.   Sie sei anberaumt worden, weil das Krankenhaus  „im Übungsmodus“, die Gelegenheit  also  günstig gewesen sei.

„Die Übung am Vormittag hat uns gezeigt, dass wir für einen solchen Fall gut gerüstet sind“, sagte  Dr. Dorothea Dreizehnter, Geschäftsführerin des Klinikums Frankfurt Höchst, im Nachhinein.  Der Ärztliche Direktor Dr.  Lothar Schrod lobte, dass  die Mitarbeiter   bei der Übung „schnell einsatzbereit“ gewesen seien;  sie hätten die medizinische Versorgung der Patienten „in Kürze sichergestellt“.  Stadtrat Stefan  Majer zeigte sich beeindruckt davon, unter welch realistischen Bedingungen die Übung gemacht worden sei. „Das sah alles sehr gut aus“, betonte er. Alles weitere werde nun die Analyse und Auswertung ergeben. 
 
 
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