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Hochsicherheitspoller im Gespräch: Terrorschutz: Öffentliche Plätze in Frankfurt sollen sicherer werden

Von Der Fahrzeuganschlag in Barcelona hat einmal mehr die Frage nach der Sicherheit in stark bevölkerten Innenstädten aufgeworfen. In Frankfurt denken Polizei und Stadt über Hochsicherheitspoller auf der Zeil und an anderen wichtigen Plätzen nach. Die robusten Sperren würden die Gefahr eines Terroranschlags zwar nicht bannen, könnten sie aber verringern.
Frankfurt am Main 16.08.2017, Stadtteil Bahnhofsviertel, Karlstrasse, Absperrungen aus Beton für Bahnhofsviertelnacht. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Frankfurt am Main 16.08.2017, Stadtteil Bahnhofsviertel, Karlstrasse, Absperrungen aus Beton für Bahnhofsviertelnacht.
Frankfurt. 

Nizza, Berlin, London, Stockholm, Barcelona – die Liste der Metropolen, in denen Terroristen ein Fahrzeug auf eine belebte Straße steuerten und Passanten töteten, wird immer länger. Bei den Lkw- oder Pkw-Anschlägen in den fünf genannten Großstädten kamen seit dem 14. Juli vergangenen Jahres mehr als 150 Menschen ums Leben, hunderte weitere wurden verletzt. So groß die Betroffenheit über die Terrorakte ist – überraschend kamen sie für die Sicherheitsbehörden nicht: Die Islamisten der IS-Terrormiliz hatten ihre Glaubensbrüder in Europa schon Monate vorher zu Fahrzeugattacken aufgerufen und im Hinblick auf Lastwagen detaillierte Anleitungen veröffentlicht. Die Vorzüge des „Tatmittels Kraftfahrzeug“ liegen auf der Hand: Es lässt sich leicht beschaffen und kann enorme Wirkung entfalten.

Konstablerwache, Blickrichtung Zeil – Hochsicherheitspoller könnten hier helfen, einen Fahrzeuganschlag zu vereiteln. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Konstablerwache, Blickrichtung Zeil – Hochsicherheitspoller könnten hier helfen, einen Fahrzeuganschlag zu vereiteln.

Auch die tödliche Fahrt über die Flaniermeile „Las Ramblas“ im Zentrum Barcelonas hat wieder die Frage nach der Sicherheit in stark bevölkerten Innenstädten aufgeworfen. In Frankfurt wird derzeit intensiv darüber nachgedacht, wie sich der Schutz der Passanten auf der Zeil, dem Römerberg und anderen Plätzen erhöhen lässt. Gestern kündigte Frankfurts Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) im Gespräch mit dieser Zeitung ein entsprechendes Arbeitstreffen zwischen Vertretern der Polizei und der Stadt an. „Die Polizei hat eine gute Vorarbeit gemacht in den vergangenen Monaten, es gibt viele gute Ideen“, sagte Stadtrat Frank. Allzu viel will er vor dem Gespräch im September noch nicht verraten, er lässt aber durchblicken, dass es vor allem um zusätzliche Poller in der Innenstadt gehen wird.

„Richtiges Maß finden“

Frank erinnert daran, dass die großen Frankfurter Feste schon nach dem Lastwagen-Anschlag in Nizza mit mobilen Betonsperren gesichert wurden. Nun gelte es, in dauerhafte ortsfeste Poller zu investieren. Nachgedacht werde über im Boden versenkbare Exemplare, wie sie schon in der Schäfergasse und Stiftstraße stehen, aber auch über feste Exemplare. An der Zeil gibt es derzeit fast nur schlanke Poller, die der Wucht eines schnellen Pkw oder Lkw nicht standhalten würden; andere Plätze sind gar nicht gesichert. „Bei der Ausstattung mit stabileren Pollern wird es auch darum gehen, das richtige Maß zu finden“, gibt der Sicherheitsdezernent zu bedenken.

Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) äußerte sich ebenfalls zum Thema: „Die menschenverachtenden Taten in Katalonien haben uns erneut vor Augen geführt, dass der islamistische Terrorismus das friedliebende und freiheitliche Zusammenleben der Menschen in Europa attackiert“, sagte er. Die Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen und den öffentlichen Raum würden permanent der Bedrohungslage angepasst.

Ein Sicherheitsmitarbeiter steht am 26. August 2016 in Frankfurt zwischen Beton-Quardern. Das Museumsuferfest zählt mit über 2. Millionen Besuchern zu den größten Kulturfesten in Europa. Nach dem Anschlag in Nizza wurden 2016 die Hauptzugänge zum Fest mit schweren Beton-Quardern abgesichert. Bild-Zoom Foto: Andreas Arnold (dpa)
Ein Sicherheitsmitarbeiter steht am 26. August 2016 in Frankfurt zwischen Beton-Quardern. Das Museumsuferfest zählt mit über 2. Millionen Besuchern zu den größten Kulturfesten in Europa. Nach dem Anschlag in Nizza wurden 2016 die Hauptzugänge zum Fest mit schweren Beton-Quardern abgesichert.

Aus dem Innenministerium hieß es weiter, dass die hessischen Sicherheitsbehörden die Kommunen in allen Sicherheitsfragen beraten. Betonelemente würden eingesetzt, um Großveranstaltungen vor Anschlägen mit Fahrzeugen zu schützen. Versenkbare Pfosten, Schrankenanlagen und Einsatzfahrzeuge seien weitere Elemente. Aber es gehe nicht nur um technische Sperren. Die Maßnahmen der Sicherheitsbehörden zum Schutz der Bürger seien vielfältig.

Gestiegene Nachfrage

Sicherheit hat jedoch ihren Preis: Versenkbare Poller schlagen nach Angaben der Hersteller mit fünfstelligen Euro-Beträgen zu Buche. Richard Preiser von der Firma „Preiser Absperr- und Sicherheitstechnik“ in Bruchköbel berichtet, dass die Nachfrage schon lange vor dem Anschlag in Nizza gestiegen sei. Das habe auch mit dem Trend zu autofreien Innenstadt-Zonen zu tun gehabt. Nun kämen wegen des Terrors verstärkt Anfragen herein. „Poller der Norm K 12 sind am stabilsten“, erläutert Preiser. „Die halten selbst dann, wenn ein 6,8 Tonnen schwerer Lastwagen mit Tempo 50 dagegenfährt.“ Bei allem Engagement für robustere Absperrungen betonen die Behörden, dass es niemals eine 100-prozentige Sicherheit geben wird. „Wenn die komplette Frankfurter Innenstadt abgepollert wäre, würden die Attentäter als Tatmittel eben ein Messer oder irgendetwas anderes nehmen“, heißt es bei der Polizei.

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