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Ungebrochener Trend trotz hoher Kosten: Teurer Traum vom Wohnturm

Von Weil in Frankfurt Baugrund knapp und teuer ist, wachsen immer mehr Wohnhäuser in die Höhe. Darin zu wohnen ist allerdings nicht ganz billig. Bei einem Projekt in der City, mit dem in diesem Jahr begonnen wird, gilt schon eine Miete von 14 Euro pro Quadratmeter als „preisgedämpft“.
So könnten die drei Hochhäuser in der Stiftstraße nach dem Entwurf des Architekten Magnus Kaminiarz aussehen. Mit einer steinernen Fassade soll ein Kontrast geschaffen werden zu den Glastürmen des benachbarten Palais-Quartiers. So könnten die drei Hochhäuser in der Stiftstraße nach dem Entwurf des Architekten Magnus Kaminiarz aussehen. Mit einer steinernen Fassade soll ein Kontrast geschaffen werden zu den Glastürmen des benachbarten Palais-Quartiers.
Frankfurt. 

Der Henninger-Turm ist ein Renner. Kurz vor der Fertigstellung sind fast alle der 207 Wohnungen in dem Hochhaus am Sachsenhäuser Berg verkauft. Ab Mitte des Jahres können sie bezogen werden. Nur noch 14 Einheiten seien frei, berichtet Michael Noll vom Bauherrn Actris. Im 28. Stock wird zum Beispiel eine 128 Quadratmeter große Wohnung für rund 1,2 Millionen Euro angeboten. Gekauft hätten vor allem Eigennutzer mit einem Bezug zu Frankfurt, so Noll. Die Angst vor Einbrüchen habe zum Beispiel manchen dazu veranlasst, die Villa im Taunus gegen eine sichere Hochhauswohnung einzutauschen. Wer nicht kaufen will, kann auch mieten. Zum Beispiel im Taunusturm mitten im Bankenviertel, 130 Quadratmeter für 3325 Euro pro Monat kalt. Das sind stolze 25 Euro pro Quadratmeter.

Derzeit 17 Standorte

„Wohnen im Hochhaus ist teuer“, räumt Thomas Zabel vom Immobilienvermarkter Zabel Property ein. Allein die Baukosten lägen bei rund 4000 Euro pro Quadratmeter. Trotzdem ist der Trend zum Wohnen in der Höhe ungebrochen. Insgesamt 17 moderne Wohnhochhäuser verzeichnet das Maklerunternehmen Jones Lang LaSalle (JLL). Darunter sind einige schon fertiggestellte Türme, aber auch umgebaute Bürogebäude und Projekte, die geplant oder im Bau sind. Die Gefahr der Übersättigung des Marktes sieht Konstantin Kortmann von JLL nicht: „Frankfurt wächst, aber der Raum ist begrenzt. Deshalb gibt es die Tendenz, in die Höhe zu bauen.“ Gerade in Frankfurt werde diese Wohnform akzeptiert, da viele Menschen auch in Hochhäusern arbeiteten und keine Berührungsängste hätten.

JLL stellt aber noch einen anderen Trend fest: Wer nach Frankfurt zieht, wolle möglichst zentral wohnen. In der Folge steigen die Mieten in der Innenstadt stärker als in anderen Stadtteilen. Für die Becken Holding, ein Familienunternehmen aus Hamburg, ist das der Grund, sich nicht an einem Standort wie dem Europaviertel zu engagieren, sondern mitten in der Stadt.

Fast komplett verkauft: Wohnungen im neuen Henninger-Turm Bild-Zoom Foto: EVE IMAGES (EVE IMAGES)
Fast komplett verkauft: Wohnungen im neuen Henninger-Turm

Im vergangenen Jahr kaufte Becken deshalb ein weit fortgeschrittenes Projekt auf dem ehemaligen Telekom-Gelände an der Stiftstraße, nur einen Steinwurf entfernt von der Zeil. Dort soll ein Ensemble mit drei Wohnhochhäusern entstehen. Ein Turm wird 85 Meter hoch, ein weiterer 44 Meter. Für das dritte Hochhaus mit 60 Metern Höhe wurde erst vor kurzem eine Vereinbarung mit dem Eigentümer des Nachbargrundstücks erzielt. Ein viertes Bauteil entsteht direkt hinter dem Einkaufszentrum My Zeil. Dort wird ein vorhandenes Gebäude für Wohnzwecke umgebaut.

„Preisgedämpfte“ Mieten

Gegenüber früheren Plänen wurde das Konzept noch einmal deutlich verändert. Das betrifft nicht nur die Architektur, für die jetzt Magnus Kaminiarz statt Max Dudler verantwortlich ist. Die Wohnungen werden kleiner, dafür steigt ihre Gesamtzahl von 170 auf mehr als 500, wie Becken-Geschäftsführer Stefan Spilker erläuterte. Ein Drittel der Wohnfläche wird auf Grund einer Vereinbarung mit der Stadt „preisgedämpft“ vermietet. Das heißt, es gelten für unterschiedliche Laufzeiten zwischen acht und 20 Jahren Mieten von 9,10 Euro, 11,70 Euro oder 14 Euro pro Quadratmeter. Beziehen kann diese Wohnungen, wer die Einkommensgrenzen des städtischen „Mittelstandsprogramms“ nicht überschreitet. Fördermittel fließen dafür nicht, die Wohnungen würden intern subventioniert, wie Spilker erläuterte.

Kommentar: Keine Lösung für die Misere auf dem Wohnungsmarkt

Eine „preisgedämpfte“ Wohnung für 14 Euro pro Quadratmeter? Jeder, der verzweifelt eine bezahlbare Wohnung in Frankfurt sucht, muss sich bei solchen Angeboten veräppelt vorkommen.

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Wie hoch die „normale“ Miete sein wird, steht noch nicht fest. Eventuell wird es neben den vergünstigten Mietwohnungen ausschließlich Eigentumswohnungen geben. Die rund 220 Wohnungen, die im 85-Meter-Turm entstehen, sollen auf jeden Fall einzeln verkauft werden; Preise stehen noch nicht fest. Im Raum stehen zusätzliche Angebote für die Bewohner wie Fitnessstudio oder Gemeinschaftsküche.

Klar ist bisher nur der Zeitplan. Im Sommer soll mit dem Abriss der Altbauten der Telekom begonnen werden. 2020 könnten dann die ersten Bewohner einziehen. Parkplätze wird es nicht viele geben, die Investoren profitieren auch von der neuen Stellplatzsatzung. „In der zentralen Lage brauchen Sie kein Auto“, meint Spilker. Es entsteht eine Tiefgarage mit 80 bis 100 Plätzen, die mit dem Parkhaus von My Zeil verbunden wird, das dadurch eine weitere Ausfahrt zur Stiftstraße hin bekommt. Geplant ist auch ein neuer Zugang von Norden ins Einkaufszentrum, der später noch einmal vergrößert werden könnte.

Die Bauarbeiten sind nicht ganz einfach, denn der Internet-Knoten der Telekom auf dem Grundstück muss erhalten bleiben und aufwendig gesichert werden. Für die Stiftstraße stellt sich Spilker eine städtebauliche Aufwertung vor. Die Anlieger könnten sich daran finanziell beteiligen.

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