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„WoMan“: Theaterprojekt bringt ganz unterschiedliche Frauen auf eine Bühne

Von Sex bis Mord, Ironie bis Angst reichen die Themen des Theaterstücks „WoMan“, mit dem 21 Frauen am Wochenende Premiere feierten.
Bitch (Miststück) und Burka – die Darstellerinnen arbeiten sich an den Klischees ab, die den Alltag von Frauen prägen. Foto: Leonhard Hamerski Bitch (Miststück) und Burka – die Darstellerinnen arbeiten sich an den Klischees ab, die den Alltag von Frauen prägen.
Frankfurt. 

Regisseurin Maja Wolff hat auf der Bühne einmal mehr zusammengebracht, was sich vorher kaum kannte: 21 Frauen, von denen einige beruflich höchst erfolgreich sind, andere nach ihrer Flucht neu Fuß fassen müssen und die dritte Gruppe ihre Freizeit ins Ehrenamt investiert, machen gemeinsam Theater. Die Frauen spielen Szenen, die Teile ihres eigenen Lebens so eindrucksvoll schildern, dass es Schauer über die Rücken der Zuschauer treibt. „WoMan“ heißt das Theaterstück, das am Wochenende Premiere feierte und nun noch drei Mal in der Fechenheimer Antagon-Halle aufgeführt wird.

Geschrieben haben die Frauen das Stück gemeinsam, Maja Wolff und ihr Kollege Timo Becker haben mit ihnen neun Monate an Text, Choreografie, Technik etc. gearbeitet. Was bedeutet es in anderen Kulturen, eine Frau zu sein? Wie viel Gewalt ertragen Frauen noch, bis endlich etwas anders wird? Auf der Bühne reichen manchmal ein Schrei „Überall Blut“ oder die Frage „Bin ich schön?“, um Themen wie Emanzipation und Frauenrechte, Religion, Beschneidung oder sexueller Gewalt zu nähern. Der Ausspruch „Gott hat den Mann leicht erregbar gemacht“, entschuldigt nicht, sondern klagt an, während 20 Frauen mit der Faust auf ihre Brust schlagen und Herzklopfen erzeugen. Der Schrei „Ihr seid selbst schuld, wenn Ihr vergewaltigt werdet“, hallt nach.

Die Frauen sind zwischen 15 und 65, kannten sich vorher nicht. Maja Wolff kann es kaum glauben. „Es gab keinerlei Zickenkrieg, sie sind zusammengewachsen. So einfach geht Integration. Das Thema Sexualität zeigt, dass auch bei unterschiedlichen Kulturen ganz viel ganz ähnlich ist.“ Die Darstellerinnen kommen aus Afghanistan, Marokko, dem Iran, aus Somalia, Syrien, der Ukraine und Deutschland.

Eine Zuschauerin fühlt sich von ihrem Auftritt „positiv schockiert“, vor allem von der Szene mit Natalie Jouvenal (34). Sie wandelt sich auf der Bühne von einer blonden Schönheit zur vulgären „Bitch“. Im wahren Leben ist die 34-Jährige eine Deutsche mit ukrainischen Wurzeln, sie lebt in Scheidung und arbeitet seit 2015 als Geldwäschebeauftragte der Deutschen Bank. „Von Bitch und Bitcher, Fotze, Klitoris und Möse auf der Bühne zu sprechen, ist mir sehr schwer gefallen und hat viel Überwindung gekostet“, erzählt Natalie Jouvenal.

Das Theaterprojekt habe ihr viel gebracht: „Hier kommen völlig unterschiedliche Menschen zusammen und bauen sich gegenseitig auf, helfen sich untereinander.“ Sie könne Fluchtgründe gut verstehen. „Auch in meiner Heimat ist Krieg“, sagt sie leise. In ihre grünen Augen steigen Tränen hoch. Sie überreicht allen Mitspielern eine rosa Rose.

Sara Micheal (19) ist Single und wurde in Eritrea geboren, ist im Sudan aufgewachsen, seit Anfang 2015 in Frankfurt, sie besucht die Realschule. „Ich bin zufrieden, hier gibt es Ruhe und Sicherheit. Ich muss keine Angst haben und kann mich frei bewegen“, sagt die junge Frau, die am Ende des Stücks allerdings eine Pistole in der Hand hält. Tatsächlich hat sie Träume, möchte Flugbegleiterin, Kindergärtnerin oder Schauspielern werden.

Zusammengebracht hat Maja Wolff die Truppe, die „Stiftung Citoyen“ war die Initiatorin. „Wir haben in Flüchtlingsheimen und bei der Deutschen Bank gefragt, wer mitmachen will.“ Nun tanzen, marschieren und singen sie im Chor. Ziehen über Männer her, sind ironisch, witzig, bitterböse, ängstlich.

Die Vorstellungen am 2., 3. und 4. November beginnen jeweils um 20 Uhr, als Theater dient die Antagonhalle in der Orber Straße 57. Karten (12 Euro) gibt es unter (0 69) 90 43 58 50 oder www.art-q.net .

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