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Knigge-Kurs für benachteiligte Jugendliche: Tischmanieren einfach vermittelt

Von Gute Manieren sind in Alltag und Beruf unerlässlich. In einem Kurs in der Villa Bonn erfuhren Jugendliche der Höchster Kasinoschule, wie man sich als Gast bei offiziellen Essen wie Betriebsfeiern richtig verhält.
Mikael Horstmann (links) ist Experte für Tischmanieren und vermittelte dies den Schülern der Höchster Kasinoschule, die hierfür in die Villa Bonn ins Westend kamen. Rauan (18, Mitte) und Annika (15) lassen sich von ihm zeigen, wie ein Tisch richtig eingedeckt wird. Bilder > Foto: Heike Lyding Mikael Horstmann (links) ist Experte für Tischmanieren und vermittelte dies den Schülern der Höchster Kasinoschule, die hierfür in die Villa Bonn ins Westend kamen. Rauan (18, Mitte) und Annika (15) lassen sich von ihm zeigen, wie ein Tisch richtig eingedeckt wird.
Höchst/Westend. 

Annika (15) hat schon eine genaue Vorstellung davon, was sie später einmal beruflich machen möchte. Bücher schreiben, eine Autorin sein – das ist ihr großer Traum. Auch die Berufsvorstellungen von Rauan (18) sind bereits konkret. „Ich würde gerne Designerin werden“, sagt sie. Dass der Weg dorthin nicht leicht werden wird, ist beiden bewusst. Als erstes möchten die zwei Schülerinnen der Kasinoschule in Höchst im kommenden Jahr ihren Hauptschulabschluss machen und danach, wenn möglich, auf eine weiterführende Schule gehen.

Kompetenzen stärken

Auf diesem Weg werden sie und ihre Mitschüler von den Lehrern der Lern-Förderschule begleitet, nicht nur in dem, was es im Unterricht an Lernstoff zu vermitteln gilt, sondern auch in der Stärkung ihrer sozialen Kompetenzen. An diesem Vormittag haben Annika und Rauan zusammen mit ihren Mitschülern der Jahrgangsstufe 9/10 einen Ausflug von Höchst zur Villa Bonn in die Siesmayerstraße gemacht.

In dem herrschaftlichen Gebäude, das Ende des 19. Jahrhunderts erbaut wurde, wartet auf die Schüler ein Knigge-Kurs für Jugendliche. Möglich macht dies die „Dr. Wolfgang und Sigrid Berner Stiftung“, die das 2016 mit der Kasinoschule gestartete Pilotprojekt finanziert. „Zu wissen, wie man Kollegen ganz unterschiedlicher Betriebsebenen begegnet, wie etwa auf Betriebsfeiern, ist im Berufsleben relevant“, betont Walter Rau, geschäftsführender Stiftungsvorstand im Gespräch. Daher sei es wichtig, die Schüler, die nach ihrem Hauptschulabschluss ins Berufsleben einsteigen möchten, vorzubereiten.

Geleitet wird der Kurs von Mikael Horstmann. Er ist unter anderem als Kurator für das in Frankfurt vor kurzem neu eröffnete Deutsche Museum für Kochkunst und Tafelkultur tätig. Er gibt aber auch Seminare zum Thema „Tischmanieren“, ist somit ein Experte für gutes Benehmen. Er weiß, wie man sich sowohl als Gast als auch als Gastgeber richtig verhält und vermittelt dies nun an die Kasinoschüler.

Die Villa Bonn im Westend ist eine Örtlichkeit, die bei den Jugendlichen einen großen Eindruck hinterlässt. Genauso wie die vielen Bestecke, die für ein mehrgängiges Menü eingedeckt werden. Denn es gibt mehrere kleine und große Messer und Gabeln, auch unterschiedlich große Teller wie für Brot gehören dazu.

Zusammen mit Horstmann decken die Jugendlichen den langen Tisch in einem der Räume im Obergeschoss des Hauses ein, lernen, wie eine Stoff-Serviette richtig gefaltet wird. Spielerisch und als kleiner Wettbewerb ausgestaltet, zeigt Kursleiter Horstmann ihnen auch, wie man Spaghetti mit einer Gabel richtig dreht oder, wie man einen Olivenkern korrekt entsorgt.

Suppe richtig löffeln

Mittlerweile ist ein Büfett aufgebaut. „Ein Büfett“, weiß Horstmann, „gibt es meistens gerade auf Betriebsfeiern.“ Auch hier gibt es Regeln, die eingehalten werden sollten. Den Teller einfach beliebig zu füllen zeugt jedenfalls nicht von guten Tischmanieren. Zwar ist es ein Büfett, von dem sich jeder selbst nehmen darf, doch der Ablauf, den die Jugendlichen einhalten sollen, entspricht dem eines Menüs in einem Restaurant.

Es beginnt mit dem Brot und der Butter. „Das Brot legt man auf den kleinen Teller. Nicht mit Messer und Gabel essen, sondern mit der Hand immer ein kleines Stück abbrechen und mit dem kleinen Messer etwas Butter aufs Brot schmieren“, erklärt Horstmann.

Als erstes jedoch werde die Stoff-Serviette entfaltet und auf den Schoß gelegt. Die Schüler halten sich daran und beginnen mit dem Essen. Eine Auswahl an Blattsalaten wartet ebenfalls. Hierfür gibt es einen Salatteller und eine passende Gabel. „Eigentlich soll man Salat nur mit der Gabel essen“, sagt Horstmann, erlaubt aber die Nutzung eines Messers. Nun folgen erst eine Minestrone, dann Spaghetti und schließlich das Dessert. Wie diese Gerichte gegessen werden, auch das haben sie mit Horstmann geübt und zeigen, dass sie die Regeln nun kennen.

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