Tod eines Fußballfans

Am Tag nach dem tödlichen Unfall bei einem Autokorso stehen die Angehörigen des verunglückten Marco aus Bornheim unter Schock. Die Freunde des 22-Jährigen werfen dem Notarzt vor, nicht schnell genug zur Stelle gewesen zu sein. Hätte Marcos Leben gerettet werden können?
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Frankfurt. 

Es war ein Autokorso, wie er derzeit jeden Abend durch Frankfurt rollt. Die jungen Männer hatten sich das EM-Spiel Kroatien gegen Italien in der Cafébar "Millennium" im Ostend angesehen. Nach dem 1:1 beschlossen die Fußballfans, nach Bornheim aufzubrechen. Marco fuhr in einem der drei Fahrzeuge, einem VW Passat, mit. Der 22-Jährige mit kroatisch-italienischen Eltern saß rechts, im Fensterrahmen der Beifahrertür. Den Oberkörper im Freien, schwenkte er eine Fahne. Er ahnte nicht, dass seinem Freudentaumel ein Taumel in den Tod folgen würde.

In der Inheidener Straße verlor Marco den Halt – vielleicht, weil er etwas getrunken hatte – und stürzte rückwärts auf die Straße. Dabei schlug er mit dem Kopf so unglücklich auf die Bordsteinkante, dass er schwere Verletzungen erlitt und nicht mehr ansprechbar war. Die Freunde leisteten Erste Hilfe, so gut sie konnten. Sie versuchten sich an Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage. "Er hat noch geatmet", berichtet einer von ihnen. Dass Marco jetzt nicht mehr lebt, will er nicht begreifen.

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Brennende Frage

Gestern, am Tag nach dem Unglück, versammelten sich viele Angehörige und Freunde am Unfallort, entzündeten Kerzen, legten Blumen nieder. Die Frage, die ihnen unter den Nägeln brennt, lautet: Warum lief der Rettungseinsatz nicht schneller? Marco habe eine Stunde auf dem Boden gelegen. Der Rettungswagen sei zwar irgendwann – "vielleicht nach 15 Minuten" – gekommen, doch der Notarzt habe "bestimmt eine Dreiviertelstunde" auf sich warten lassen. Erst nach seiner Ankunft sei Marco in die Uniklinik gefahren worden.

"Da hat jemand einen gravierenden Fehler gemacht", empören sich die Freunde. Sie berichten, dass sie immer wieder die Notrufnummer gewählt hätten, irgendwann habe sogar ein Polizist ins Funkgerät gebrüllt und gefragt, warum das so lange dauere.

Auch darüber, dass Marco in die relativ weit entfernte Uniklinik gebracht wurde, herrscht Kopfschütteln: "Es gibt doch so viele Krankenhäuser hier um die Ecke."

"Da ist was schiefgelaufen", räumt Feuerwehr-Sprecher Markus Röck ein. Der um 20.13 Uhr alarmierte Rettungstransportwagen (RTW) aus der Feuerwache 1 sei zwar um 20.21 Uhr und somit innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist von zehn Minuten am Unfallort gewesen; das Notarzteinsatzfahrzeug sei dort aber tatsächlich erst "mit erheblicher Verzögerung" angekommen. Als Gründe führt Röck ein Missverständnis bei der Durchgabe des Einsatzortes über Funk an: Der Notarzt sei zunächst in Richtung einer falschen Straße gestartet. Außerdem sei er wegen Behinderungen infolge des JP Morgan-Laufs schlecht durchgekommen. "Das sind Probleme, die schon mal vorkommen können."

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Röck betont, dass das RTW schnell da gewesen sei; der Rettungssanitäter und der Rettungsassistent hätten entsprechend schnell qualifizierte Hilfe geleistet. "Es wurde alles für den Patienten Nötige getan." Auf die Frage, warum die RTW-Besatzung auf den Notarzt wartete statt sofort zum Krankenhaus zu fahren, hatte der Feuerwehr-Sprecher gestern aber noch keine Antwort: "Vielleicht haben die Kollegen den Patienten nicht für transportfähig gehalten", mutmaßt Röck. Er betont, dass die Kollegen "sehr betroffen" seien.

Die Staatsanwaltschaft wird nun die genauen Umstände des Unfalls ermitteln. Bagdagül Dagcilar hat den Sturz von ihrer Küche aus gesehen. Wie es dazu kam, ist ihr ein Rätsel: "Das Auto hat nicht gebremst oder so", sagt die 56-Jährige. Den Anblick des Bluts, das aus dem Mund, der Nase und den Ohren des Verletzten lief, werde sie nie vergessen: "Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen."

Noch schlimmer geht es dem Bruder des Getöteten, der gestern mit den Freunden zum Unfallort kam. Weil er selbst Mühe hatte, auch nur ein Wort herauszubringen, ließ er die Kameraden reden: Marco habe keiner Fliege etwas zuleide tun können und sei immer gut drauf gewesen, erzählen sie, mit Tränen in den Augen. "Er war der netteste und friedlichste Mensch, den es gab – schreiben Sie das, damit es die ganze Welt weiß."

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