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16-jähriger Mitangeklagter sagte aus: Tödliche Teufelsaustreibung: Teenager belastet Hauptangeklagte

Von Im Prozess um die tödliche Teufelsaustreibung im Hotel Intercontinental sagte gestern ein 16 Jahre alter Angeklagter aus. Er habe geglaubt, die 41-jährige Koreanerin schlafe nur.
Foto: Peter Steffen (dpa)
Frankfurt. 

Der 16-Jährige ist einer von fünf Koreanern, die sich derzeit wegen gemeinschaftlichen Mordes vor dem Frankfurter Landgericht verantworten müssen. Verhandelt wird dort der Tod einer 41 Jahre alten Landsmännin, von der die anderen überzeugt waren, sie sei vom Dämon besessen. Um den Teufel auszutreiben, schlugen sie die Frau, fesselten und knebelten sie, bis sie schließlich erstickte. Die Tat ereignete sich Ende 2015 in einem Zimmer des Hotels Intercontinental.

Reihe von Prügeleien

Der junge Mann sagte nun als Dritter aus. Er bestätigte grundsätzlich den Tatverlauf, relativierte aber die eigene Rolle schon aufgrund seines jugendlichen Alters – im Dezember 2015 war er 15 Jahre alt. Dafür kam die 44 Jahre alte Hauptangeklagte in seinen Schilderungen sehr schlecht weg. Seiner eigenen Aussage und auch den Gesprächen, die der Jugendliche unmittelbar nach der Tat im Polizeipräsidium mit seiner eigens für das Strafverfahren benannten „Prozesspflegerin“ führte, ist zu entnehmen, dass die 44-Jährige die treibende Kraft bei der Teufelsaustreibung gewesen sei. Sie habe in dem Hotelzimmer alle Anwesenden aufgefordert, auf das Opfer einzuschlagen und dazu gerufen: „Der Teufel soll jetzt rauskommen“.

Und mehr noch: Bereits einige Wochen zuvor gab es in einem Gebetsraum in Schwalbach ein ähnliches Austreibungsritual, damals habe es sich gegen den jüngeren Bruder des 16-Jährigen gerichtet, auch er sei erheblich misshandelt worden. Auch seine Mutter, die später leblos in einer Garage an dem zwischenzeitlich angemieteten Sulzbacher Haus gefunden worden war, sei von der mutmaßlichen Haupttäterin bedrängt worden. Der junge Mann stellte fest: Von allen Koreanern, die im Herbst 2015 gemeinsam nach Deutschland kamen, um hier ein Geschäft zu gründen, sei es nur die 44-Jährige gewesen, die in der Gruppe als frei von Teufeln, Dämonen oder anderen Gespenstern galt.

Die Rede kam immer wieder auf die zeitlich vor dem Interconti-Tod liegenden Vorfälle in dem Sulzbacher Haus. Dort begann es nach Ansicht der Mieter schon wenige Tage nach dem Einzug zu spuken. Die vom Glauben an den bösen Blick, die Anwesenheit des Satans und den damit verbundenen „Alpdruck“ überzeugten Bewohner versuchten sich zu helfen: Sie verbrannten die vom Teufel infizierte Kleidung unter Absingen diverser Kirchenlieder in einem Wok und warfen die Mobiltelefone ins lodernde Kaminfeuer. Auch die Handy-Netze wurden offenbar von den Dämonen kontrolliert. Alle Vorsichtsmaßnahmen und auch die Prügelorgien gegen die vom Satan besessenen Landsleute aber halfen nichts.

Widerspruch unerwünscht

Dass er bei der tödlichen Prügelei in dem Hotelzimmer nicht eingegriffen hatte oder gar die Polizei holte, begründete der 16-Jährige vor Gericht mit seiner untergeordneten Stellung in der Familie und bei den Landsleuten. Im koreanischen Kulturkreis gelte das Wort und die Tat des Älteren mehr als hierzulande, ein junger Mensch mische sich nicht einfach ein. Im Übrigen sei er bis zuletzt überzeugt davon gewesen, die tote Frau schlafe. Er habe sogar noch ihr Schnarchen zu hören geglaubt.

Als Vierter soll Anfang Februar der 16 Jahre alte Sohn des Opfers aussagen. Die fünfte Angeklagte will sich dagegen weiterhin nicht äußern. Der Vorsitzende Richter Ulrich Erlbruch deutete an, dass demnächst auch die Vertreter der Jugendgerichtshilfe zu Wort kommen sollen. Der Prozess läuft bereits seit Mitte Oktober und wird noch bis ins Frühjahr dauern.

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