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Prozess nach Unfall an Autobahnauffahrt Niederrad: Tödlicher Unfall: Autorennen ausgeschlossen

Von Weil er am 22. April dieses Jahres an der Autobahnauffahrt Niederrad mit mehr als 140 Sachen über eine rote Ampel raste und einen Menschen tötete, wird ein 22 Jahre alter Mann verurteilt werden. Das Urteil dürfte aber milder ausfallen, als es zunächst den Anschein hatte.
Völlig zerstört stehen die beiden Fahrzeuge am Schwanheimer Ufer. Bei dem Unfall am 22. April wurde ein 43-Jähriger getötet. Völlig zerstört stehen die beiden Fahrzeuge am Schwanheimer Ufer. Bei dem Unfall am 22. April wurde ein 43-Jähriger getötet.
Frankfurt. 

Dem tödlichen Verkehrsunfall auf dem Schwanheimer Ufer ging offenbar doch kein illegales Autorennen voraus. Das Landgericht wird den 22 Jahre alten Unfallfahrer deshalb aller Voraussicht nach wegen fahrlässiger Tötung und nicht wegen Totschlags verurteilen. Diesen rechtlichen Hinweis erteilte Vorsitzender Richter Uwe Steitz gestern.

Bedingter Vorsatz

Beim Zusammenstoß des 300 PS starken Mietautos des Angeklagten mit dem Wagen eines 43-jährigen an der Autobahnauffahrt Niederrad in Richtung Kassel war Letzterer getötet worden. Die ersten Ermittlungen der Polizei ergaben dann Anhaltspunkte auf ein illegales Autorennen, weil ein weiteres Fahrzeug mit diversen Bekannten des Angeklagten in der Nähe des Unfallortes fuhr. Die Staatsanwaltschaft ging infolge der überhöhten Geschwindigkeit von 148 statt der erlaubten 70 Stundenkilometer sowie der bereits seit sieben Sekunden auf Rot stehenden Ampel von einem bedingten Tötungsvorsatz und damit vom Tatbestand des Totschlags aus. Wer sich so im Straßenverkehr verhält, nehme den Tod anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf. Dreh- und Angelpunkt für den schwereren Tatvorwurf aber war die Frage, ob es tatsächlich ein Wettrennen im Vorfeld gegeben hatte.

In dem Verfahren vor der Jugendstrafkammer ergaben sich jedoch keine Hinweise auf ein illegales Autorennen. Zwar war das Auto der Freunde nicht weit weg – dies aber wohl nur, weil man sich an einer nahen Tankstelle verabredet hatte und nahe beieinander wohnte, so dass man denselben Anfahrtsweg hatte. Zahlreiche Unfallzeugen hatten keinen weiteren Wagen in unmittelbarer Nähe gesehen. Der Angeklagte hatte die Schuld an dem Unfall zwar eingeräumt („Ich bin zum ersten Mal mit einem so schnellen Wagen gefahren“), das Autorennen aber vehement bestritten.

Weitere Straftaten

Er ließ sich nach dem Vorfall monatelang krankschreiben. Seinen Ausbildungsplatz als Kaufmann verlor er dadurch. Das Verhältnis zu den Eltern ist nachhaltig gestört, zumal er seither auch mehrfach wegen diverser anderer Straftaten auffällig wurde. Gleichwohl verneinte die Jugendgerichtshelferin gestern „schädliche Neigungen“ beim Angeklagten. Dieser sei nunmehr auf dem Weg, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Infolge der Reifedefizite empfahl sie dem Gericht die Anwendung von Jugendstrafrecht für den zum Unfallzeitpunkt noch als Heranwachsenden geltenden Mann.

Weil viele Leute heutzutage in allen erdenklichen Lebenslagen Foto- und Videoaufnahmen machen, stand der Jugendstrafkammer auch in diesem Prozess umfangreiches Material zur Verfügung. Wenige Wochen vor dem Unfall vergnügte man sich beispielsweise bei Tempo 230 auf der Autobahn mit Discomusik und Tanz im Mercedes. Auch der fahrende Angeklagte wippte im Takt mit, während die ebenfalls im Video zu sehende Tachonadel gen Anschlag vibrierte. Solche Ausflüge, von denen es wohl mehrere gab, dürften vom Angeklagten künftig nicht mehr zu erwarten sein. Schließlich hat er bereits den Führerschein eingebüßt.

Am Donnerstag, 1. Dezember, soll der Prozess dann abgeschlossen werden. Staatsanwaltschaft und Verteidigung werden ihre Schlussvorträge halten und die Strafkammer möchte noch am selben Tag das Urteil verkünden. Damit wäre die Angelegenheit viel früher abgeschlossen als vorgesehen. Die ursprüngliche Terminliste reichte bis 10. Januar.

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